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Dorfflohmarkt der Großsteinhauser Landfrauen

Dorfflohmarkt der Großsteinhauser Landfrauen : Liebgewordenes in gute Hände abzugeben

Der erste Dorfflohmarkt der Großsteinhauser Landfrauen war ein voller Erfolg. Es wurde geschaut, erzählt, erinnert und gekauft. Gleich nebenbei lernten die Gäste das Dorf (besser) kennen.

„Erst mal schnusen und sich inspirieren lassen.“ Nach dieser Maxime waren viele Besucher bei dem ersten Dorfflohmarkt unterwegs, zu dem die Landfrauen in Großsteinhausen eingeladen hatten. Ungeachtet der steigenden hochsommerlichen Temperaturen zogen sie durchs Dorf und bewunderten auf dem Weg von einem Flohmarktstandort zum nächsten dabei zugleich bildschön angelegte Gärten und schwelgten in Rosen- oder Lindenduft.

Gelbe Luftballons vor den teilweise nach unten oder weit zurückgebauten Garagen wiesen bereits von Weitem den Weg. „Ah, da ist wieder einer!“ 21 Familien hatten sich auf Anhieb beteiligt. „Es ist mal was anderes. Auf einen Flohmarkt irgendwo wäre ich nicht gefahren, viel zu viel Aufwand“, war immer wieder zu hören. Wer mehr Spaß hatte an der Aktion, Besucher oder Gastgeber, ließ sich nicht ermitteln. Denn im Mittelpunkt vor dem „Geschäft“ stand das Gespräch.

Das begeisterte auch Thomas Welle, Ehefrau Nancy und Tochter Alina, die den Herzblut-Kauf von privat bevorzugen. Die Familie war aus Lambsborn angefahren auf der Suche nach interessanten Gesellschaftsspielen und hielt dem ersten Fund gleich zu Anfang Ausschau nach weiteren. Offerten dafür gab es reichlich. Familie Bruck mit dem begeisterten Töchterchen Samantha (5) zog glücklich mit Barbiehaus und Barbie-Camper ab, die Verkäuferin Susanne Ropönus ins Auto tragen half.

Kindersachen von Kleidung ab dem Baby-Alter – an den Ständen fein säuberlich nach Größen sortiert – über Schuhe und Praktisches wie Kinderautositzen bis hin zu Spielsachen und Büchern quer durch alle Altersstufen war besonders begehrt. Manch Erwachsener feierte wie bei einer Zeitreise ein Wiedersehen mit Träumen seiner Kindheit wie den Lego- und Playmobil-Klassikern, seiner Jugendliteratur von Pferd bis Western oder zu Geschirr und Hausrat wie aus Omas Zeiten. Denn etliche Dorfbewohner hatten die Gelegenheit genutzt, sich von Liebgewordenem zu trennen und es in gute Hände abzugeben, an Menschen, die Freude daran haben.

Die zweijährigen Zwillingsschwestern zeigten unterschiedliche Interessen. Während Luise beherzt den Kinder-Rasenmäher schob, sicherte sich Leseratte Martha gleich einen kleinen Stapel Pixibücher. Magda Dott hatte unter anderem ihr unbenutztes Besteck sowie Porzellan und Glaswaren aus ihrer Aussteuer aufgebaut. Sohn Paul und dessen Freund Marco, beide 20, versuchten sich begeistert an den Fingerspielen aus dem Anleitungsbuch mit den beiliegenden Schnüren. Lern-DVDs und Bücher von Was-ist-was? Stapelten sich neben Reiseführern und Bildbänden. „Eigentlich geht alles gut, auch Gebrauchsgegenstände“, stellte Karin Krämer fest, die an ihrem Stand in der Dorfmitte bereits nach kurzer Zeit schon viel verkauft hatte.

Uta Klotz hatte an dem Gemeinschaftsstand mit Karin Brill und Max Meinhold (14) sogar einen hölzernen Eckschrank aufgestellt. „Den hätte ich nie auf einen Flohmarkt gefahren“, freute sie sich über die gute Gelegenheit in der Hoffnung, dass das herrliche Möbelstück ein neues Zuhause findet. Andererseits hatte sie auf die Nachfrage nach Computer- und X-Box-Spielen hin in den Kinderzimmern noch Entbehrliches gefunden und verkauft. Auch Werkzeug renommierter Hersteller, das bereits über reichlich Erfahrung verfügte, wechselte den Bastler. „Das Mini-Motorrad war als erstes weg“, berichtet Katharina Rupp, die Standdienst bei Sabine Abogast machte, während die Fahrräder noch auf Käufer warteten. Zumeist gab es Festpreise und gehandelt wurde eher weniger. Ein Mann zog ganz beglückt mit Lok, Waggons und Schienen für die Modelleisenbahn davon, während sich sein achtjähriger Sohn Lukas für einen selbst gebastelten Engel aus Holz mit Rostflügeln entschieden hatte, „zu dem, den wir in der Schule gebastelt haben. Ich mag solche Engel!“

Esther Mayer-Dinger, die unter anderem noble Landmode feilbot, hatte allerdings ihre edle Jugendstilschale verteidigt. „Ich wollte ursprünglich 50 Euro dafür haben, für 30 würde ich sie eventuell abgeben, aber nicht für zehn Euro. Dann bleibt sie hier“, erklärte sie, bestrebt, bei allem Spaß den Respekt für eine besondere Wertigkeit zu wahren. Dafür schenkte sie einem kleinen Mädchen zu dem lila Glitzer-Einhorn ihrer fast erwachsenen Tochter Leonie für ein paar Cent auch noch das passende Buch dazu.

Im Schatten am Sportheim trafen sich fleißige Einkäufer und andere Besucher bei den Landfrauen zu Kaffee, Kuchen und Butterbrezeln. Vorstandsmitglied Doris Hussong freute sich: „Das ganze Dorf ist in Bewegung!“ Hier herrschte die Meinung: Das Pilotprojekt Dorfflohmarkt mit Garagenverkauf nach amerikanischem Vorbild ist gelungen. „Nächstes Mal fangen wir morgens vielleicht früher an“, resümierte die Vereinsvorsitzende, Sylvia Lauer, mit Blick auf geübte Flohmarkt-Besucher, die bereits in den Morgenstunden unterwegs waren – zusammen mit der wegen des Feiertags verschobenen Müllabfuhr.

 An den Flohmarktständen herrschte großes Interesse. 21 Familien hatten sich am ersten Dorfflohmarkt der Großsteinhauser Landfrauen nach amerikanischem Vorbild beteidigt. 
An den Flohmarktständen herrschte großes Interesse. 21 Familien hatten sich am ersten Dorfflohmarkt der Großsteinhauser Landfrauen nach amerikanischem Vorbild beteidigt.  Foto: Cordula von Waldow

Sicher ist: Die Zeichen stehen klar auf Wiederholung. Alle hatten ihren Spaß an der Aktion, Gäste und Großsteinhauser selbst lernten das Dorf besser kennen und nicht selten wurde das verdiente Geld an den Nachbarständen gleich wieder investiert.