Die Klimaschützer von nebenan

Was war Ihre persönliche Motivation, sich den Grünen anzuschließen?Achim Ruf: Als Landwirt habe ich schon länger mit den Grünen geliebäugelt. Aus meiner Sicht haben sie als Einzige in der Landwirtschaft eine Politik verfolgt, die mir sympathisch war und besonders den ökologischen Landbau gefördert

Was war Ihre persönliche Motivation, sich den Grünen anzuschließen?Achim Ruf: Als Landwirt habe ich schon länger mit den Grünen geliebäugelt. Aus meiner Sicht haben sie als Einzige in der Landwirtschaft eine Politik verfolgt, die mir sympathisch war und besonders den ökologischen Landbau gefördert.Norbert Pohlmann: Nachdem ich 1995 nach Zweibrücken gekommen war, habe ich viele Ausflüge mit dem Fahrrad unternommen und festgestellt, dass die Radwege alles andere als attraktiv waren. Dann bin ich an das Zweibrücker Grünengründungsmitglied Brigitte Ponstein-Schmidt geraten. Sie schlug mir vor, gemeinsam etwas zu bewegen. Die Grünen waren früher eine Protestpartei. Spätestens seit der Regierungsbeteiligung hat sich das geändert. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein?Ruf: Die Grünen sind natürlich aus einer Protestbewegung entstanden. Irgendwann stellte sich nunmal die Frage, ob man Verantwortung übernimmt. Und hier war es konsequent" die politische Einstellung durchzusetzen. Pohlmann: Die Entwicklung war konsequent, folgerichtig und unabwendbar. Aus einem bunten Haufen mit vielen Ideen musste man eine gemeinsame Linie extrahieren. Dabei war klar: Ist man weiter gegen alles, wird man nichts verändern. Man muss handeln, reden reicht nicht. Das hat zur Konsequenz, dass man sich den äußeren Bedingungen anpasst. Bei dieser Transformation haben wir aber unsere Ziele und Ideale nicht aufgegeben.Jede Partei setzt sich heute irgendwo für Umweltschutz ein. Glauben Sie, dass es die Grünen in 30 Jahren noch geben wird?Ruf: Mit Sicherheit. Sie sind das Original, alle andere nur Kopien, die gemerkt haben, dass es ohne Umweltschutz nicht geht. Andere Parteien haben viele "grüne" Ziele übernommen. Viele unserer Ziele von 1984 sind heute aktueller als damals: eine Begegnungsstätte für alle Generationen, die Bahnverbindung nach Homburg. Pohlmann: Es muss sie noch geben. Denn auch wenn andere Parteien sich Elemente abschreiben: Sie haben unseren Ansatz nachhaltiger Politik nicht verstanden, ihnen fehlt unser roter Faden. Grüne sehen einen Zusammenhang zwischen aktueller Entwicklung und der Zukunft. Die nachfolgenden Generationen sollen den gleichen Handlungsspielraum haben, wie wir ihn auch haben. Problematisch ist da etwa der Umgang mit der Atomenergie. Das Problem schien schon überwunden, nun wird darüber nachgedacht, Laufzeiten zu verlängern oder gar neue Kraftwerke zu bauen. Dabei weiß man noch immer nicht, wohin mit den Abfällen.Wie grün ist für Sie Zweibrücken im Vergleich zu anderen Städten?Ruf: Es gibt viele ökologischen Landwirte und bei den erneuerbaren Energien haben wir erste Erfolge erzielt. Windkraft findet noch gar nicht statt. Und der öffentliche Personennahverkehr ist in Zweibrücken schlecht ausgebaut, die Fahrradwege in einem schlechten Zustand. Pohlmann: Vordergründig ist Zweibrücken eine grüne Stadt, schon allein durch die grüne Achse als Alleinstellungsmerkmal. Aber grün sein, heißt ja mehr als ein paar Bäume zu haben. Im Bereich Klimaschutz und energetische Sanierung von Gebäuden ist noch sehr viel zu tun. Aber grüne Politik ist nicht nur Energie- und Klimaschutzpolitik, sondern auch der Einsatz für soziale Belange. Beispiele hierfür sind unser Einsatz in der lokalen Kinder- und Jugendarbeit. Wenn Sie die zwei wichtigsten Ziele Ihres lokalen Engagements nennen müssten, welche wären es?Ruf: Dass Zweibrücken eine gentechnikfreie Zone wird. Der Stadtrat hat zugestimmt, aber die Umsetzung klappt noch nicht. Die Landwirte müssen noch unterschreiben. Außerdem ist mir eine Busverbindung Zweibrücken-Mörsbach-Kirrberg-Homburg wichtig, als Ergänzung zur bestehenden Verbindung über Einöd. Das haben wir auch im Stadtrat beantragt. Pohlmann: Zentraler Punkt wäre für mich ein lokales Klimaschutzkonzept. Es wird immer so getan, als sei das eine nationale Aufgabe. Aber man muss sich an die eigene Nase fassen. Zweibrücken müsste für die städtischen Gebäude ermitteln, wie viel Kohlendioxid sie in die Luft pusten und Maßnahmen ergreifen. Dafür sehe ich aber bisher keine Ansätze. Wichtig wäre auch die Formulierung und Umsetzung eines Handlungsprogramms zur nachhaltigen Entwicklung. Die vom Stadtrat abgenickte Lokale Agenda 21 sehe ich hierfür als Einstieg.Stichwort Klimaerwärmung: Ist der Planet durch lokales, grünes Engagement zu retten?Ruf: Wenn viele lokale grüne Engagements auf der ganzen Welt kommen, dann kann es klappen. Aber die Klimaerwärmung lässt sich nur abmildern. Es ist zu spät, sie zu verhindern. Pohlmann: Das sehe ich genauso. Man kann nicht mit dem Finger auf die Uno oder die Bundesregierung zeigen, sondern muss selbst etwas tun. Wenn das klappt, dann ist es mit lokalem Engagement möglich, die Klimaerwärmung auf ein vertretbares Maß zu reduzieren. Man muss lokale Verantwortung für ein globales Problem übernehmen. Bis das in allen Köpfen ist, dauert es aber noch sehr lange.Was tun Sie selbst für den Umweltschutz?Ruf: Ich betreibe für meinen Betrieb mehrere Photovoltaik-Anlagen, dazu die erste Biogasanlage auf einem Ökobetrieb in Rheinland-Pfalz. Sie versorgt unseren Hof mit umweltfreundlicher Wärme. Wir befeuern sie mit Kleegras oder Abfällen von unseren Tieren. Auf einen Pflug, der viel Kraftstoff benötigt, verzichte ich weitgehend. Und bei Urlaubsreisen verzichte ich grundsätzlich aufs Fliegen. Pohlmann: Ich gehe zu Fuß oder fahre mit dem Fahrrad. Wenn es nicht unbedingt sein muss, verzichte ich auf das Auto. Außerdem gehe ich mit Heizung und Strom bewusst um. Das Ziel ist aber nicht für den Umweltschutz zu frieren, sondern Bedürfnisse bewusst zu befriedigen. Außerdem bin ich an fünf Bürgersolaranlagen beteiligt. Wegen der Ausrichtung meines Daches konnte ich leider keine selbst bei mir anbringen.

Zur PersonNorbert Pohlmann (53) ist den Zweibrücker Grünen 1998 beigetreten. Zuvor hatte er 1975 in Osnabrück sein Abitur abgelegt. 1983 promovierte er zu einem zellbiologischen Thema in Heidelberg. Er ist Grünen-Kreisvorstandssprecher und Stadtratsmitglied für die Grüne Liste.Auch Achim Ruf (47) vertritt die Grünenbewegung im Stadtrat. Er besuchte bis 1983 das Hofenfels-Gymnasium, machte bis 1988 eine Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister. 2002 übernahm er den Landwirtschaftlichen Betrieb seines Vaters und stellte ihn auf ökologischen Landbau um. ek