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Die Fieberkurve steigtFacco rechnet nicht mit Problemen Massiver Personalaufwand für Evakuierung

Die Fieberkurve steigtFacco rechnet nicht mit Problemen Massiver Personalaufwand für Evakuierung

Zweibrücken. Der Bombenfund in der Zweibrücker Innenstadt (wir berichteten) hält auch die beiden Krankenhäuser in der Stadt auf Trab. Bevor die Bombe am Sonntagmorgen entschärft wird, muss das St.-Elisabeth-Krankenhaus, das im Evakuierungsbereich liegt, geräumt werden. Die rund 80 Patienten werden bis zur Entschärfung der Fünf-Zentner-Bombe im Evangelischen Krankenhaus untergebracht

Zweibrücken. Der Bombenfund in der Zweibrücker Innenstadt (wir berichteten) hält auch die beiden Krankenhäuser in der Stadt auf Trab. Bevor die Bombe am Sonntagmorgen entschärft wird, muss das St.-Elisabeth-Krankenhaus, das im Evakuierungsbereich liegt, geräumt werden. Die rund 80 Patienten werden bis zur Entschärfung der Fünf-Zentner-Bombe im Evangelischen Krankenhaus untergebracht. Für beide Institutionen ein enormer logistischer Aufwand. "Wir haben gestern Abend noch an den Vorbereitungen gearbeitet", erklärt Thomas Oberinger (Fotos: pm), Direktor der Pflegedienste des Evangelischen Krankenhauses. Besprechungen mit der Stadt und den Hilfsdiensten standen an, zudem mussten Patienten verlegt oder wenn möglich entlassen werden. Am Sonntag um acht Uhr wird das St.-Elisabeth-Krankenhaus mit der Evakuierung beginnen. "Bei einer sehr optimistischen Rechnung werden wir in drei Stunden alle Patienten im Evangelischen Krankenhaus haben", meint Melanie Müller von Klingspor, Sprecherin des Katholischen Krankenhauses. Unter den knapp 80 Patienten befinden sich sieben Intensivfälle, zwei davon müssen beatmet werden, das erschwere den Transport natürlich. "Zudem haben wir acht infektiöse Patienten, die natürlich getrennt transportiert werden müssen", erklärt Müller von Klingspor. Begonnen wird mit den Intensivpatienten, danach werden die Patienten vom sechsten Stockwerk beginnend abwärts herausgebracht. Müller von Klingspor: "Wir haben glücklicherweise zwei getrennte Ausgänge, einen für die Liegendpatienten und den Haupteingang für die Gehfähigen und diejenigen im Rollstuhl - das erleichtert die Sache ein wenig." Die infektiösen Patienten kommen ganz zum Schluss an die Reihe. Sie müssen in gesonderten Aufzügen heruntergebracht und in gesonderten Rettungswagen gefahren werden. "Der Abtransport wird eine logistiche Meisterleistung", meint die Sprecherin. "Wir haben ja nicht so viele Fahrstühle für die Betten, daher dauert das seine Zeit", erklärt Müller von Klingspor. Am Ausgang werden vom DRK zwischen 30 und 40 Rettungsfahrzeuge bereit gestellt. Müller von Klingspor: "Die Liegendpatienten müssen dann von ihren Betten auf die Tragen gelegt werden, am Evangelischen Krankenhaus dann in bereitstehende Betten." Die Patienten, die fähig sind zu laufen und während des Transports keine medikamentöse Versorgung brauchen sowie die Rollstuhlfahrer werden in einem Stadtbus transportiert. Zunächst werden die Intensivpatienten befördert, die beim Rücktransport am Schluss dran kommen. "So bleiben sie am längsten im Evangelischen Krankenhaus. Für diese Patienten bedeutet der Transport Stress, dadurch kann es zu einem instabilen Kreislauf kommen", unterstreicht sie, "jeder dieser Patienten wird daher von einer eigenen Intensivschwester begleitet, die auch oben im Krankenhaus dabei bleibt". Daneben werde auch eine Anästhesistin mit ins Evangelische Krankenhaus fahren. Wie lange die Patienten im Evangelischen Krankenhaus bleiben, ist abhängig von der Entschärfung der Bombe. "Die Stadt möchte um elf Uhr beginnen. Wenn die Entschärfung wie geplant 30 bis 45 Minuten dauert, hätten wir am Nachmittag wieder alle Patienten bei uns." Dazu müsse aber alles reibungslos funktionieren. Die durch die Evakuierungsaktion entstehenden Kosten vermag Dr. Günter Merschbächer, Geschäftsführer des Katholischen Krankenhauses, derzeit nicht einzuschätzen. "Für die Kosten der Transporte muss das Krankenhaus nicht aufkommen", erklärt er. Sonstige Kosten gebe es für zusätzliches Personal, dazu kämen die Ausfälle in der Patientenaufnahme. Merschbächer: "Dafür kommt das Krankenhaus auf. Aber für uns sind die Kosten momentan zweitrangig, es geht zunächst um die Versorgung der Patienten." Zweibrücken. Der Zweibrücker Einzelhandelschef Mario Facco (Foto: pm) rechnet mit einem planmäßigen Start des verkaufsoffenen Sonntags. "Ich glaube nicht, dass die Entschärfung der Fliegerbombe das Ganze beeinflussen wird", erklärt der Vorsitzende der Werbegemeinschaft im Gespräch mit dem Pfälzischen Merkur. Oberbürgermeister Helmut Reichling habe ihm signalisiert, dass aller Voraussicht nach die Bombe bis spätestens 13 Uhr entschärft sei. Die Händler seien eingehend informiert worden. Facco sieht keinerlei Behinderungen für den verkaufsoffenen Sonntag. So könnten, wenn alles nach Plan laufe, die Besucher ohne Probleme anreisen. Auch der prognostizierte starke Regen sei kein Hindernis, das den Ablauf der Bombenentschärfung beeinträchtigen könne. "Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas in Zweibrücken durchgeführt wird", sagt er. Die Evakuierung müsse für die Hilfskräfte eigentlich Routine sein. Unverständlich ist für Facco ein Flugblatt der Stadt. Darin wird der Zeitrahmen für die Bombenentschärfung auf bis zu 15 Uhr terminiert. Das stünde im Widerspruch zu Reichlings Aussagen. Auch die Aussage des städtischen Pressesprechers Heinz Braun, der von 14 Uhr gesprochen hatte (wir berichteten), unterscheide sich hiervon. Für Facco stiftet dies unnötige Verwirrung, die dazu führen könnte, dass Kunden am Sonntag fernblieben.Auch der Flohmarkt finde am Sonntag statt. Er werde vom Schlossplatz auf den außerhalb des Sperrgebietes gelegenen Herzogplatz verlegt. Die Gewerbeausstellung auf dem Alexanderplatz soll bereits einen Tag vorher aufgebaut werden, da dies die Betriebe innerhalb so kurzer Zeit sonst nicht schaffen würden. Sie werde aber auf jeden Fall stattfinden. nobZweibrücken. Feuerwehr, THW, ASB und DRK ziehen an einem Strang, damit die Evakuierung wie vorgesehen über die Bühne geht. "Wir haben zusammen über 300 Leute im Einsatz", erklärt DRK-Pflegedienstleiter Hans Prager im Gespräch mit dem Merkur. Auch Helfer des DRK-Kreisverbandes Homburg werden sich beteiligen. Los geht es um 7.30 Uhr. Dann werden sich die Kräfte auf dem Festplatz an der Rennwiese treffen und von dort zu den Einsatzorten fahren. Schwerpunkt ist die Evakuierung des Krankenhauses St. Elisabeth (siehe nebenstehender Bericht). "Es sind auch zehn Intensiv- und zehn Infektionspatienten darunter", berichtet Prager. Diese würden die Hilfskräfte vor besondere Herausforderungen stellen. Insgesamt werden über 40 Fahrzeuge eingesetzt, mit denen die Patienten liegend verlegt werden können. Außer der Klinik müssten auch 30 Pflegebedürftige aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. "Diese bringen wir in das Wichernhaus", sagt der DRK-Koordinator. Er betont, dass sämtliche Fahrten die Feuerwehr organisiere. Prager geht davon aus, dass die Evakuierung "flott über die Bühne geht". Schließlich sei der Zeitrahmen von vier Stunden großzügig bemessen. Die Hilfskräfte seien nur für die gesundheitlich beeinträchtigten Menschen im betroffenen Gebiet zuständig. Alle anderen könnten zur Hauptschule West, die vom ASB betreut wird oder zur Thomas-Mann-Schule kommen. Hier sei das DRK für die Betreuung der Anwohner zuständig. "Jeder erhält ein Lunchpaket und etwas zu trinken", versichert der DRK-Pflegedienstleiter. Wichtig sei vor allem, dass der Rettungsweg für die Evakuierung freigehalten werde. Dieser ist am Sonntag ab acht Uhr komplett gesperrt. Die Strecke führt vom Katholischen Krankenhaus über die Oselbachstraße in Richtung EBZ und dann über die 22er-Straße hin zum Evangelischen Krankenhaus. "Auch der Parkplatz der AOK muss dringend freigehalten werden", stellt Prager klar. nob "Wir haben gestern Abend noch an den Vorbereitungen gearbeitet."Thomas Oberinger"Für uns sind die Kosten momentan zweitrangig."Günter Merschbächer

HintergrundBomben, Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs, werden in Zweibrücken immer wieder gefunden. Zuletzt am 16. Dezember 2008 bei Arbeiten an der Landebahn des Flughafens. Geräumt wurde nur der Tower. Der Flugbetrieb war beeinträchtigt, ein Berlin-Flug fiel aus. Am 23. November 2006 wurde bei den Arbeiten für das Hilgard-Center eine Bombe gefunden. 2000 Menschen in der Innenstadt mussten evakuiert werden, darunter auch das Altersheim am Rosengarten. Am 21. Januar 2006 wurde im Luitpoldpark an der Fasanerie eine Bombe entdeckt. Bei der Entschärfung wurden neben 700 Leuten auch Teile des Gewerbeparks Dorndorf evakuiert. Am 22. August 2000 wurde bei der Sanierung des Rathauses eine Bombe gefunden. Tausend Menschen wurden evakuiert. Die Entschärfung war problematisch und dauerte über eine Stunde. Am 22. Juli 1999 wurde bei Kanalarbeiten in der Oselbachstraße morgens eine Bombe gefunden. 500 Personen wurden evakuiert. Zum Stadtfestauftakt am gleichen Nachmittag war die Bombe entschärft. Am 8. November 1997 entdeckte ein Baggerführer auf einem Grundstück neben der Feuerwache eine Bombe. Auch die Justizvollzugsanstalt war betroffen. Am 25. Juni 1997 wurde bei Baggerarbeiten in der Saarpfalzstraße eine Bombe gefunden. Am 22. Januar 1996 entdeckte der Kampfmittelräumdienst auf Luftbildern Bomben unter der Rennwiese. sf