Der Mann, der kämpfen will

Zweibrücken. Ohne Fleiß geht es nicht. Und ohne Selbstbewusstsein erst recht nicht. Torsten Wilhem Töllner verfügt ganz offenkundig über beide Eigenschaften. Wie auch anders? Schließlich ist Töllner als Unternehmensberater tätig, er ist Vater von fünf Kindern, privat schwingt er gerne den Kochlöffel und schreibt im stillen Kämmerlein Kriminalromane, die er für den guten Zweck verkauft

Zweibrücken. Ohne Fleiß geht es nicht. Und ohne Selbstbewusstsein erst recht nicht. Torsten Wilhem Töllner verfügt ganz offenkundig über beide Eigenschaften. Wie auch anders? Schließlich ist Töllner als Unternehmensberater tätig, er ist Vater von fünf Kindern, privat schwingt er gerne den Kochlöffel und schreibt im stillen Kämmerlein Kriminalromane, die er für den guten Zweck verkauft.So viele Dinge unter einen Hut zu bringen, das geht nur mit Fleiß. Und für das, was Töllner jetzt vorhat, braucht er auch das bereits genannte Selbstbewusstsein. Denn: Töllner will in die Politik. Und zwar in die große Politik. "Ich will bei den Bundestagwahlen im nächsten Jahr für die SPD für den Wahlkreis 211 kandidieren", erklärt er im Merkur-Gespräch. Der Wahlkreis 211 umfasst die Region Pirmasens/Zweibrücken. 2009 hatte Anita Schäfer für die CDU den Wahlkreis gegen die Zweibrücker SPD-Kandidatin Sabine Wilhlem verteidigt.

Nun will es also Töllner versuchen. Aber hat er da überhaupt die Rechnung mit seinen Parteifreunden gemacht? Töllner ist, wie er freimütig bekennt, erst am 1. Februar 2012 in die SPD eingetreten. "Ich habe keinen Stallgeruch", gibt er unumwunden zu. Doch Töllner sieht die Unabdingbarkeit einer solchen "Ochsentour" nicht. "Für die Wähler ist die Persönlichkeit des Politikers entscheidend. Und nicht, wie lange er bereits in der Partei dient. Und eben mit meiner Persönlichkeit möchte ich den Wähler überzeugen", unterstreicht der 41-Jährige.

Ob die Sozialdemokraten Töllner tatsächlich aufs Schild heben werden, ist aber noch Zukunftsmusik. Töllner weiß das - und ist bereit, zu kämpfen. Er ist überzeugt davon, überzeugen zu können. Da ist es wieder, das Selbstbewusstsein. "Ich habe bereits mehrere Führungsaufgaben in der Wirtschaft wahrgenommen. Ich weiß, wie Wirtschaft läuft. Es ist wichtig für unsere Region, dass sie von jemandem vertreten wird, der dieses ökonomische Fachwissen besitzt", erklärt der studierte Betriebswirt.

Apropos vertreten: Töllner kritisiert mit Blick auf die Wahlkreisabgeordnete Anita Schäfer von der CDU, dass die Region "in Berlin praktisch nicht wahrgenommen wird". Er wolle hier neue Impulse geben. Die Region Zweibrücken/Pirmasens/Südwestpfalz werde unter Wert verkauft. "Wenn man auf einer Karte ein Fähnchen in die Westpfalz steckt, dann sieht man, dass die Region keineswegs - wie viele meinen - am Rande Europas liegt. Im Gegenteil: Wir liegen mitten in Europa." Die Nähe zu Frankreich werde viel zu wenig in politische und ökonomische Vorteile umgemünzt. "Deutschland und Frankreich sind die beiden treibenden Kräfte in Europa. Und hier ist die Nahtstelle!", begeistert sich der gebürtige Norddeutsche.

"Die Region braucht Wirtschaftskompetenz, damit Unternehmen dafür geworben werden können, sich hier anzusiedeln. Ich denke an Unternehmen der Umwelttechnologie. Erneuerbare Energien bieten nicht nur den dringend nötigen Klimaschutz, sondern auch eine Chance für Wirtschaft und Arbeitsmarkt", erklärt der Unternehmensberater.

Töllner blickt nicht nur aus der Vogelperspektive auf die Region. Er zoomt auch näher heran. Zu Zweibrücken meint der Politik-Quereinsteiger etwa, mit Blick auf den derzeit diskutierten Bahnhaltepunkt Rosengarten: "Warum muss in Zeiten knapper Kassen, wo dringend gespart werden muss, für viel Geld ein solcher Bahnhaltepunkt gebaut werden? Zudem der Name "Rosengarten' ja überhaupt nicht passt. Von dem geplanten Bahnhaltepunkt bis zum Rosengarten wäre es noch ein ganz schön weiter Weg."

In Bezug auf Pirmasens stößt Töllner erheblich auf: "In dieser Stadt sind 30 Prozent der unter 15-Jährigen Menschen, die in Armut leben. Das ist ein Skandal." Bei diesem Punkt ereifert sich Töllner sichtlich. Denn, so hebt er hervor, soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit, sind wichtige Ziele für ihn.

"Das ist auch der Grund, warum ich mit meinem Lebenslauf in die SPD eingetreten bin. Obwohl ich ja aus gut behüteten Verhältnissen komme. Ich bin fünffacher Vater, für mich ist es wichtig, für eine Gesellschaft einzutreten, die jedem die Chance gibt, sich zu bilden, einen Beruf zu ergreifen, der Freude macht, in einer Gesellschaft zu leben, in der die Lücke zwischen Arm und Reich nicht noch weiter auseinandergeht." Für dieses Ziel will er ackern. Aber es gibt die Hürde Wahltag. Und die Hürde, für den Wahlkreis 211 aufgestellt zu werden. Ob Töllner für die SPD antreten wird? Die Zukunft wird es zeigen. Töllner zumindest ist zum Kämpfen bereit.

wahlkreis211.de

"Die Region wird in Berlin praktisch nicht wahr-

genommen."

Torsten Töllner über Anita Schäfer

Zur Person

Torsten Wilhelm Töllner wurde am 25. Juli 1970 bei Bremen geboren. Seine Familie besaß die Töllner Puddingwerke in Bochum, die an Dr. Oetker verkauft wurden. Vor dem Studium der Philosophie, Politologie und Betriebswirtschaftslehre absolvierte Töllner eine Bankkaufmann-Ausbildung bei der Norddeutschen Landesbank. Nach dem Abschluss als Betriebswirt kehrte er zu dem Kreditinstitut zurück, wo er Leiter des Internationalen Personalbereiches wurde. Es folgten Stationen als Vertriebsleiter des Tüv Rheinland und als Geschäftsführer des Tüv Austria-Schweiz. Seit Februar arbeitet er als Unternehmensberater bei Procedera in Berlin. Seit Beginn des Jahres engagiert er sich - gemeinsam mit 29 anderen Mitstreitern - ehrenamtlich für die Region als "Botschafter für die Südwestpfalz" (wir berichteten). Töllner hat insgesamt fünf Kinder aus zwei Beziehungen. In die Südwestpfalz kam der Norddeutsche der Liebe wegen. Seine Partnerin kommt ebenfalls aus einer Unternehmerfamilie; ihr Vater war Albert Haag, ein Schuhfabrikant mit Stammwerk in Zweibrücken. eck

Am Rande

Der Zweibrücker SPD-Vorsitzende Kurt Pirmann, Stadtverbandsvorsitzender der SPD, bestätigt auf Merkur-Anfrage, dass es ein Gespräch zwischen ihm und Torsten Töllner gab. Töllner habe ihm dabei ein Konzept mit seinen politischen Überzeugungen und Zielen überreicht. Ob die SPD das frischgebackene Parteimitglied für die Bundestagswahl 2013 als Wahlkreis-Kandidat nominieren wird? Pirmann: "Wir werden das parteiintern besprechen." eck