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Der andere Sonntagmorgen in der Stadt

Der andere Sonntagmorgen in der Stadt

Zweibrücken. "Lästig, aber notwendig", fasste Sybille Mohrbacher die Situation gestern Morgen zusammen. Mit 50 weiteren Personen wartete sie in der Turnhalle der Thomas-Mann-Schule, bis die auf dem Gelände der früheren Zweibrücker Stadtgärtnerei gefundene Weltkriegsbombe entschärft war

Zweibrücken. "Lästig, aber notwendig", fasste Sybille Mohrbacher die Situation gestern Morgen zusammen. Mit 50 weiteren Personen wartete sie in der Turnhalle der Thomas-Mann-Schule, bis die auf dem Gelände der früheren Zweibrücker Stadtgärtnerei gefundene Weltkriegsbombe entschärft war. Es wäre "unverantwortlich" gewesen, wenn die Stadt das Gebiet nicht weiträumig evakuiert hätte. Mohrbacher hatte sich Lesestoff mit in die Turnhalle gebracht. Betreut wurden die zusammen 80 Personen in der Thomas-Mann-Schule und in der Friedrich-von-Schiller-Schule von den ehrenamtlichen Mitarbeitern des DRK und des ASB, die Sprudel, Tee und Lunchpakete für die Leute bereithielten. "Wir werden hier gut betreut", sagte Käthe Mallick. Sie hatte sich aber auch von zu Hause etwas mitgebracht. Die Evakuierung sei zwar mit einem gewissen Umstand verbunden. "Aber die Sicherheit geht vor." Während die Erwachsenen sich unterhielten, spielten die Kinder mit einem Seil und an der Kletterstange. Nach zwei Stunden war noch keine Langeweile aufgekommen.Die meisten waren mit dem eigenen Pkw, mit einem Taxi oder zu Fuß in die Schulen gekommen. Die Busse wurden kaum genutzt. "Ein Dutzend" Fahrgäste registrierte Helmut Kalinke nach eineinhalb Stunden. Von acht bis zehn Uhr standen Busse zur Verfügung. "Gut, dass es das Busangebot gibt", sagte Nicole Becker, die mit der Familie in die Thomas-Mann-Schule gefahren war. Auch Franziska Kratz nutzte das Angebot. Denn der Weg zu den Schulen wäre zu weit gewesen. "Man wusste, dass evakuiert wird. Dann konnte man sich darauf einstellen", nahm sie die Unannehmlichkeiten gelassen hin. Bereits um sieben Uhr waren an diesem Sonntagmorgen Menschen in der Fußgängerzone unterwegs. Da bereiteten die Feuerwehrleute ihre Straßensperren vor. Ab acht wurde kein Pkw mehr in den gesperrten Bereich gelassen. Rausfahren war immer möglich. "Wir machen das Beste daraus und fahren nach Kaiserslautern", rief eine Frau aus einem vorbeifahrenden Auto. Mitglieder der Zweibrücker Amicitia waren ebenfalls ausgeflogen: in den Odenwald. "Das haben wir doch gut geplant", sagte der Vorsitzende Alfons Zwick.Gerhard Forbert nutzte den "anderen" Sonntagmorgen zu einem Spaziergang. Zunächst durch die leere Fußgängerzone. "Dann laufe ich ein bisschen durch die Allee und suche mir eine Gaststätte." Eine ältere Frau hatte sich beim Aufstehen Zeit gelassen: "Um acht Uhr stehe ich sonst nicht auf." Um halb zehn war aber auch sie aus dem Haus und unterwegs zur Heilig-Kreuz-Kirche "Jetzt gehe ich in die Kirche. Dort kann ich die Zeit gut verbringen, bis alles vorbei ist."