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Demokratische Bürger demonstrieren gegen Demo-Tour des Nationalen Widerstands Zweibrücken

Protest in Contwig gegen Neonazi-Kundgebung : „Die kommen nicht in unser Dorf!“

Gut 60 Contwiger protestierten am Samstag gegen einen Mini-Aufmarsch des Nationalen Widerstands Zweibrücken in Contwig – und betonen den respektvollen Umgang im Ort miteinander, der auch ein Zeichen gegen Rechtsextreme sei.

Soll man Aktionen von Neo-Nazis am besten einfach ignorieren, oder lieber ein eigenes Zeichen dagegen setzen? Aufgrund eines am Samstag inszenierten Kundgebungsmarathons der vom Kameradschaft „Nationaler Widerstand Zweibrücken“ durch Zweibrücken, Contwig, Pirmasens und Kaiserslautern, hatte sich David Betz aus Contwig mit Freunden dazu entschlossen, dieser Aktion mit eigenen Worten zu entgegnen.

Nicht in direkter Konfrontation zu der rechtsextremistischen Gruppe, sondern mit einer Demonstration danach. Betz ist zwar für die SPD aktiv, hatte die Demo aber als Bürger als überparteiliche Aktion gestartet.

„Man kann die nicht einfach ignorieren, das ist uns früher schon einmal zum Verhängnis geworden“, sprach Betz am Samstagnachmittag die in bunter Aufmachung erschienenen rund 60 Teilnehmer an. „Auch wenn es nur acht waren – wir müssen uns das in unserem friedvollen Dorf nicht gefallen lassen. Das ist nicht die Welt, die wir hier haben wollen und sie zum Glück in Contwig auch nicht haben“, verwies er auch auf die „Integrationskraft“ des Ortes am Beispiel aufgenommener Flüchtlinge. „Die fühlen sich jetzt wohl als Teil unserer Gesellschaft, nehmen am Dorfleben teil und haben sich unfassbar gut integriert“. Einer dieser Flüchtlinge fange jetzt sogar ein Medizinstudium an, um in Zeiten des Ärztemangels seine Dankbarkeit für die damalige Aufnahme in die Bevölkerung ausdrücken zu können. „Deswegen musste ich diese Veranstaltung heute in Contwig anmelden, weil ich nicht akzeptieren kann, dass diese braunen Brüder versuchen, in Contwig Fuß zu fassen. Noch nicht mal um Inhalte zu verbreiten, sondern weil sie es auf der Karte haben“, erläuterte Betz seine Motivation zur Demo und betonte abschließend unter dem Applaus der Anwesenden: „Die kommen nicht in unser Dorf!“ Respektvolles Miteinander sei man in Contwig gewohnt. Darauf solle jeder Wert legen und braunen Parolen entsprechend entgegnen.

Katja May aus Contwig beleuchtete anschließend das Problem Rassismus in Deutschland, das sich nicht nur bei Auftritten rechtsextremer Gruppierungen zeige, sondern auch ein gesellschaftliches Problem sei. Nur tolerant zu sein reiche oft nicht. Man müsse nach außen zeigen, dass man Rassismus ablehne und dafür auch, so wie heute, auf die Straße gehen, appellierte May.

„Contwig ist bunt“, schallte es anschließend vielstimmig auf dem Rathausplatz. Ein Motto auf vielen Transparenten, auch an Contwigs Ortseingang.