Das Einmaleins der Demokratie

Der Landtagsabgeordnete Christoph Gensch erklärt Schülern, wie Politik funktioniert. Vortragsreihe an Grundschule.

Mit etwas Fantasie erinnerte der halbrunde Stuhlkreis im Musiksaal der Carl-Orff-Grundschule an die Sitzordnung im rheinland-Pfälzischen Landtag, war der Landtagsabgeordnete Christoph Gensch Sitzungspräsident, die 33 Grundschüler aus den Klassen drei und vier das Plenum, die Abgeordneten.

Wieso das? Ganz einfach. Im Sachunterricht stand die Projektwoche Staat an und da war es doch zwingend geboten, die kleinen Staatsbürger und Demokratieträger von morgen mit denen vertraut zu machen, welche für die Gesetzesarbeit verantwortlich sind. Stellvertretend kam der Zweibrücker CDU-Landtagsabgeordnete Christoph Gensch und freute sich riesig, als ihm aus 33 Kinderkehlen nach alter Schulsitte das, "Guten Morgen Herr Gensch", entgegengeschmettert wurde und der Begrüßte wohl schon mit diesem herzerfrischenden Empfang erahnen konnte, dass hier überaus wissbegierige und pfiffige Staatsbürger von morgen gespannt wie Flitzebogen darauf gewesen sind, was ihnen so ein richtiger "Parlamentarier", ein Abgeordneter des Mainzer Landtags, erzählen würde.

Dass die Schülerrunde im Sachunterricht über den Staat Deutschland doch schon so manches mitbekommen hat, registrierte Gensch wohl sofort, denn kaum war die Deutschlandkarte mit dem Beamer auf die weiße Wand geworfen und die Frage gestellt, wie viele Bundesländer denn es eigentlich gebe, schnellten nicht allein vereinzelt die Finger hoch. 16, kam als Antwort und das Berlin die Bundeshauptstadt sei, war der passende Einstieg zu Landtag und Gepflogenheit in der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz: Mainz. Schon ist die Brücke zur dortigen Arbeit der Landtagsabgeordneten geschlagen und den ersten Freudenbrüller gibt es auch, als der CDU-Abgeordneten den Kleinen darüber Bericht erstattet, wie das mit dem Rederecht im Landtag gehandhabt wird und welche wichtige Funktion und Aufgabe hierbei dem Landtagspräsidenten als Sitzungsleiter zukommt. Mit Rieseninteresse nehmen alle auf, dass bei jedem Abgeordneten am Tisch ein Mikrofon installiert ist und der Präsident per Knopfdruck das "Rederecht" sozusagen freigibt. Der Schülerwunsch, so was auch für die Carl-Orff-Grundschule zu bekommen bleibt nicht aus und die Schülerzustimmung wird lauthals unterstützt als die Klassenlehrerin Maria Paltz-Ripperger mit vielsagendem Lächeln nicht ganz ernst gemeint einwirft: "Da muss die Politik mithelfen, dass wir so etwas auch bekommen!"

Dass Gesetze so etwas wie ein Regelbuch beim Sport sind, verstehen die Schüler schnell und auf die von Gensch gestellte Frage, ob sich alle den vorstellen könnten, ein Spiel ohne Schiedsrichter über die Bühne zu bringen, kommt ein lautes "Nein" im Chor zurück. Man käme also ohne die nicht aus, selbst wenn man manchmal sauer auf die sei, was wiederum einen Schüler, gleich dem Zwischenrufer im Landtag festzustellen: "Wie beim Lehrer auch".

Über diese allgemeine Einstimmung kommen alle schnell zur eigentlichen Arbeit und natürlich wissen alle nach kurzem Überlegen, welche Parteien im Landtag vertreten sind, eine handvoll eben, bei denen auch heftiges Streiten manchmal nicht ausbleibe. Was dann die eigentliche Gesetzesarbeit ausmacht, erarbeitet der Landtagsabgeordnete Gensch als Mediziner mit viel pädagogischem Fingerspitzengefühl. Eine Kleiderordnung soll es geben oder abgeschafft werden. Flugs nennen einige die einheitliche Kleidung bei der IGS Contwig als Beispiel, zwei Schülerinnen haben als junge Menschen schon Erfahrungen mit Schuluniformen in Südafrika und Syrien sammeln können und berichten darüber.

Die Argumente werden vielschichtig vorgetragen, die Meinungsbildung wird spürbar. Die Abstimmung zum Schluss schließt sich als Folge an. Fünf Befürworter für eine Kleiderordnung, die vorschreibt, was im Unterricht die Schüler tragen, die Mehrheit aber ist gegen eine solche Regel. Gensch aber kann mit Fug und Recht für alle verständlich feststellen: "Und so ähnlich funktioniert es im Landtag auch." Dessen Einladung, doch mal den Landtag bei einem Schulausflug zu besuchen, wird stürmisch von allen begrüßt und dann wird noch der Politiker handfest überrascht.

Zum Dank haben die Kinder bei der Vorbereitung der Projektwoche Vielsagendes von Deutschland erarbeitet. Elias Hemmer und Hans Porz informieren über Deutschland umfassend, Nele Agne und Jan Wallé über den Bundespräsidenten und Marven Luff und Linus Jung über Europa. Was Corinna Wilking und Maria Paltz-Ripperger da mit den Kindern erarbeitet hatten, war wirklich hörenswert.

Verbandsbürgermeister Jürgen Gundacker hatte mit dem Thema Kommune die Vortragsreihe eröffnet, am Montag war Gensch zu Gast, gestern war der neue Landgerichtspräsident Markus Gietzen vor Ort, heute ist es ein Polizeivertreter und am morgigen Freitag wird den Eltern alles vorgestellt.