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Das arbeitsame Leben als Wanderschäfer

Das arbeitsame Leben als Wanderschäfer

In Battweiler ist er sesshaft geworden, der Wanderschäfer aus Schwaben: Von dort stammt seine Frau Ella, mit der er seit 1958 verheiratet ist. Über sein bewegtes Leben hat Erich Offenhäußer sogar ein Buch geschrieben.

Als Erstes fällt einem bei Erich Offenhäußer auf, dass er ein waschechtes Schwäbisch spricht. Ja, er sei bei Schwäbisch Hall geboren und habe dort bis zum 14. Lebensjahr gewohnt, erzählt der 86-Jährige. Den Dialekt hat er über all die Jahre beibehalten. Gleichwohl ist er voll des Lobes für seinen Wohnort Battweiler . "Hier möchte ich nicht mehr weg, bis sie mich hoch zum Friedhof tragen", schwärmt der ehemalige Wanderschäfer. "Hier lebe ich gern und gut", meint er, und außerdem: "Ich habe lauter gute Nachbarn!"

Es war sein außergewöhnlicher Berufswunsch, der ihn vor vielen Jahren in die Pfalz verschlug. "Ich wollte unbedingt Schäfer werden", erzählt Offenhäußer, "also bin ich zu meinem Onkel nach Nussweiler." Das lag damals im von Deutschland besetzten Frankreich. Offenhäußer war gerade mal 14 Jahre alt. Vom Familien- und Betriebssitz in Erzenhausen bei Kaiserslautern ging es dann samt Herde jeden Sommer bis in den Westerwald, ins Bliesgau, an die Sieg oder in die Vorderpfalz. Am häufigsten jedoch besuchte Offenhäußer den Ort Kell am See im Hunsrück.

Nach zehn Jahren bei seinen Onkeln machte der Schäfer sich selbstständig mit einer eigenen Herde. "Bis zu 1000 Schafe habe ich gehabt", erzählt er stolz. Der Ort Battweiler kam ins Spiel, weil er dort seine Winterweide mit großem Stall hatte. Da lernte er dann auch seine Frau Ella kennen, die vom Ruppenthalerhof stammt. 1958 wurde geheiratet, das Paar bekam zwei Söhne und eine Tochter. 1962 hat Offenhäußer in Battweiler sein Grundstück gekauft und darauf gebaut. Seinen Beruf musste er 1989 aufgeben - aufgrund eines Zeckenbisses erkrankte der Schäfer an Borreliose. Traurig ist er darüber nicht, denn im Nachhinein stellte sich das als günstiger Zeitpunkt heraus, ließ doch die deutsche Wiedervereinigung den Schafpreis in den Keller sinken.

Außerdem konnte sich Offenhäußer dann darum kümmern, all seine vielfältigen Erinnerungen aufzuschreiben. 1996 erschien seine Autobiografie namens "Der Wanderschäfer", ein äußerst lesenswertes Buch, in dem geschildert wird, welche Abenteuer dieses fast ausgestorbene Berufsbild bietet. 4500 Bücher habe er verkauft - dieser Erfolg ist kein Wunder, denn Offenhäußer beschreibt darin sehr gradlinig und ohne Tabus sein arbeitsames und spannendes Leben. Heute pflegt er vor allem seinen Gemüsegarten und freut sich darüber, dass ein Haus weiter ein Teil seiner elf Enkelkinder wohnt.