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Contwig: Bürgermeister Karlheinz Bärmann tritt vorzeitig zurück

Contwiger Bürgermeister von „so genannten Parteifreunden“ auf Facebook persönlich attackiert : Nach Beleidigungen: Bärmann tritt zurück

Nach heftigen Worten von Parteifreunden auf Facebook legt Karlheinz Bärmann (CDU) das Contwiger Bürgermeister-Amt drei Monate früher nieder als geplant.

Ein politisches Erdbeben erschüttert Contwig. Nach 46 Jahren in der Kommunalpolitik, davon zuletzt elf als Ortsbürgermeister, legt Karlheinz Bärmann dieses Ehrenamt Knall auf Fall nieder. Das Rücktrittsschreiben zum 31. Dezember gab Bärmann am Montag persönlich bei der Verbandsgemeindeverwaltung Zweibrücken-Land ab.

In einem Schreiben an Contwiger Ratsmitglieder machte Bärmann dafür „so genannte Parteifreunde“ verantwortlich, deren Beiträge auf Facebook „mir sehr unter die Haut gegangen“ sind. Bärmann zitiert als „kleinen Auszug“ den (von ihm nicht namentlich genannten) Markus Heinrichs: „Wenn dann bisher der Rat alles zugelassen hat, weil der Herr Provinzfürst sich bei Gegenwind aufführt wie Rumpelstilzchen, wird es echt Zeit, dass er geht.“ Nicht erwähnt Bärmann einen Kommentar von Oliver Duymel (ebenfalls Mitte Dezember) in der Facebook-Gruppe „Contwig“, der Bärmanns Geisteszustand in derart beleidigen Worten anzweifelte, dass der Merkur dies hier nicht wörtlich zitiert.

Bei einem Pressegespräch am Montagnachmittag im Contwiger Rathaus sagte Bärmann: „Ich habe jetzt die Reißleine gezogen, weil ich diese Schmierereien auf Facebook nicht länger hinnehmen wollte. Dass man jetzt so über mich herzieht, das muss muss ich mir in meinem Alter nicht mehr antun. Dass Facebook eine Plattform bietet, um andere niederzumachen, bedaure ich. Gesundheitlich bin ich eh nicht mehr auf der Höhe, es ist bei mir ein übergangener Infarkt festgestellt worden. Meine Entscheidung, zum 31. März 2021 ohnehin das Ehrenamt niederzulegen, hatte ja bereits festgestanden. Nach alledem, was sich jetzt aber auf Facebook abspielte, war es zu viel. Dafür habe ich jetzt selbst die Reißleine gezogen.“

Bärmann betonte, Ziel seiner langjährigen Amtsführung sei stets gewesen ist, gemeinsam und parteiübergreifend Dinge auf den Weg zu bringen. Bärmann gibt seinen Facebook-Kritikern mit auf den Weg: „Wenn diese doch alles so glänzend können und über ein so enormes Wissen verfügen, warum stellen sie sich dann nicht zur Wahl des Ortsbürgermeisters.“

Bärmann bedauert: „Der Anstand ist vielen Leuten einfach abhanden gekommen – das darf ich, nachdem was meiner Person auf Facebook nachgesagt wird, feststellen.“

Die im Dezember gewählte neue Contwiger CDU-Vorsitzende und Bürgermeister-Kandidatin Nadine Brinette sagte auf Merkur-Anfrage: „Wir haben uns zuletzt vor den Weihnachtsfeiertagen bei der Nominierung meiner Person als Kandidatin in der VTC-Turnhalle getroffen. Ich weiß, dass am Rande auch über diese Schmierereien auf Facebook die Rede war. Mir schien aber die Sache insoweit ausgeräumt, als wir einhellig dafür plädierten, uns auf diese Ebene nicht zu begeben. Karlheinz Bärmann hat für die Ortsgemeinde Contwig viel getan und erreicht. Nicht umsonst ist Bärmann solange Ortsbürgermeister der größten Ortschaft der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land gewesen. Das, was jetzt mit ihm auf Facebook gemacht wird, wird vom CDU-Ortsverband Contwig-Stambach völlig abgelehnt. Das ist nicht unser Stil, das können wir nicht gut heißen. Auf diese Art und Weise lassen sich auch weder die Vorstandschaft noch Mitglieder auseinander dividieren.“ Brinette betonte, die Kritiker seien nicht Mitglied in ihrem Ortsverband.

Der CDU-Vorsitzende Zweibrücken-Land, Björn Bernhard, sagte auf Merkur-Anfrage: „Was auf Facebook alles passiert, habe ich am eigenen Leib bei meinem Wahlkampf erlebt. Deshalb kann ich gut nachvollziehen, wie sich Karlheinz Bärmann jetzt fühlen muss. Natürlich verurteilen wir alle solche Schmierereien aufs Schärfste. Bärmann hat so viele Verdienste um seinen Heimatort, das ist einfach stillos.“

Parteiübergreifend bekommt der zurückgetretene Ortsbürgermeister inzwischen Zuspruch und Verständnis für seine persönliche Entscheidung. Anders als die CDU schickte die SPD Contwig sogar eine Pressemitteilung. Man habe „mit Bestürzung und Verwunderung“ auf den überraschenden Rücktritt reagiert, schreibt David Betz. „Wir haben in den zurückliegenden Jahrzehnten gut und vertrauensvoll mit Karlheinz Bärmann zusammengearbeitet. Wir verurteilen es zutiefst, wie würde- und anstandslos nun mit ihm umgesprungen wird. 46 Jahre hat sich Bärmann ehrenamtlich politisch engagiert – länger als manche derer, die mit Schmutz werfen alt sind. Dass er nun, drei Monate vor dem selbst gewählten Ende seiner Amtszeit, dermaßen und unwidersprochen aus den eigenen Reihen angegriffen wird, ist für uns nicht nachvollziehbar. Respekt sieht anders aus. Es zeigt aber auch, dass die CDU in Contwig und Stambach offenbar tief gespalten ist. Das kann für unsere Gemeinde nicht gut sein.“

Die SPD wünsche Bärmann „von ganzem Herzen, dass er die nun freie Zeit mit seiner Familie – allen voran seinen Enkeln – genießt“.