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Bundestags-Wahlreis 2010: Simon Noll unter den CDU-Kandidatur-Bewerbern

Vier Männer wollen die Zweibrückerin für die CDU als Wahlkreis-Bundestagsabgeordnete beerben : Anita-Schäfer-Nachfolge: Schon vier CDU-Kandidaten

CDU Pirmasens will Florian Bilic vorschlagen. Aus Zweibrücken und der Südwestpfalz gibt es dagegen kein Bekenntnis zu den Bewerbern von dort. Schäfers Unterstützung hat der Kandidat aus dem Kreisverband mit den wenigsten Delegierten.

Die Pirmasenser Christdemokraten machen am Dienstag Nägel mit Köpfen: Auf einem Kreisparteitag wollen sie den 26-jährigen Florian Bilic zu ihrem Bewerber für die Bundestagskandidatur im Wahlkreis 210 (zu dem unter anderem auch Zweibrücken gehört) küren. Die Entscheidung, wer für die Christdemokraten als Nachfolger der Zweibrückerin Anita Schäfer in den Bundestag einziehen soll, fällt am 7. November auf einer Wahlkreiskonferenz, denn es gibt – nach derzeitigem Stand – noch drei weitere parteiinterne Interessenten.

Die 69-jährige Bundestagsabgeordnete hatte am 19. August erklärt, nach 22 Jahren im Bundestag nicht wieder zu kandidieren. Nun gilt es für den Wahlkreis einen neuen CDU-Kandidaten zu finden, der auch Chancen auf den Gewinn des Direktmandats hat. Denn eines ist klar: Nachdem Anita Schäfer fünf Mal nacheinander den Wahlkreis gewann (seit 2002), ist das auch für die Bundestagswahl im September 2021 der Anspruch der vier CDU-Kreisverbände, in deren Gebiet der Wahlkreis hineinreicht.

Der Wahlkreiszuschnitt macht die Suche nach dem Schäfer-Nachfolger interessant: Zum Wahlkreis 210 gehören die Städte Pirmasens und Zweibrücken, der Landkreis Südwestpfalz und die drei Verbandsgemeinden Landstuhl, Ramstein-Miesenbach und Bruchmühlbach-Miesau aus dem Kreis Kaiserslautern – zusammenfinden müssen also die CDU-Kreisverbände Pirmasens, Zweibrücken, Südwestpfalz und Kaiserslautern-Land.

Zumindest in einer Frage herrscht Einigkeit, nämlich über den Ablauf der Kandidatensuche: Gekürt wird der Schäfer-Nachfolger am Samstag, 7. November, ab 14 Uhr in der Pirmasenser Festhalle. Sie biete einfach die besten Voraussetzungen im Wahlkreis für eine solche Veranstaltung, sagt Christof Reichert, Vorsitzender des Kreisverbandes Südwestpfalz. Ihre Größe lasse genügend Abstand für die Delegierten aus den vier Kreisverbänden.

Spannender wird es da schon in der Frage, wer denn für die CDU in en Wahlkampf ziehen wird. Denn nach und nach haben in den vergangenen Wochen gleich vier CDU-Politiker – aus allen vier Kreisverbänden – ihren Hut in den Ring geworfen.

Da ist der 26-jährige FLORIAN BILIC aus Pirmasens, Mitarbeiter der IHK-Geschäftsstelle seiner Heimatstadt, Vorsitzender der Jungen Union in Pirmasens und Stadtratsmitglied.

Aus dem Landkreis Südwestpfalz hat DIRK PALM seine Kandidatur angekündigt, der 46-jährige Hermersberger sitzt für die Christdemokraten im Kreistag und ist Beigeordneter in seinem Heimatort.

Aus Zweibrücken hat vor wenigen Tagen der 37-jährige SIMON NOLL über Social Media angekündigt, der neue Bundestagskandidat werden zu wollen – mit den Worten, er wolle „als Bundestagsabgeordneter mit viel Energie, Arbeit, frischen Ideen und starkem Willen für unsere Region stehen und eintreten“. Der aus Schwäbisch-Hall stammende Christdemokrat kam als Zeitsoldat nach Zweibrücken, war einige Jahre im Vorstand der Jungen Union Zweibrücken-Land und arbeitet mittlerweile beim Zoll.

Und aus dem Landkreis Kaiserslautern kommt PATRICK BERBERICH. Der 41-jährige Rechtsanwalt und Diplom-Bauingenieur wohnt in Bann.

Vier Kreisverbände, jeder mit einem Bewerber – das sieht nach spannenden Wahlgängen am 7. November aus. Die CDU-Wahlordnung sieht einen ersten Wahlgang mit allen Kandidaten vor. Erreicht keiner die absolute Mehrheit, kommt es zu einem zweiten Wahlgang zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen. Kommt es soweit, wird es richtig interessant – denn dann haben ja zwei Kreisverbände keinen Bewerber mehr im Rennen und seine Delegierten müssen sich entscheiden, wen sie unterstützen.

Obwohl es momentan noch überhaupt nicht sicher ist, ob die vier Kreisverbände überhaupt „ihren“ Bewerber unterstützen. Für Pirmasens ist das geklärt, da herrscht Einigkeit bereits vor der Nominierung diesen Dienstag. Schon vor einigen Wochen hatte der Pirmasenser CDU-Stadtverbandsvorsitzende Bernhard Matheis über den Pirmasenser Bewerber Bilic gesagt: „Ein guter Mann.“

Nicht so eindeutig stellt sich Reichert hinter Palm, sein Vorgänger als Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion. Wer erwartet hat, dass der CDU-Kreisverband Südwestpfalz wie der Nachbar in Pirmasens auf einem Kreisparteitag seinen Bewerber aufs Schild hebt, sieht sich getäuscht. Als Grund dafür, auf eine solche Veranstaltung zu verzichten, nennt Reichert die aktuelle Corona-Situation. Normalerweise kämen auf Kreisparteitage der Christdemokraten im Landkreis etwa 200 Mitglieder, und er sehe keinen Veranstaltungsort in der Region, die eine solche Größenordnung an Veranstaltungsteilnehmern corona-konform zulasse.

Aber auch auf die Frage, ob sich dann zumindest der Kreisvorstand hinter den Hermersberger Kandidaten stelle, weicht der Kreisvorsitzende aus. „Wir werden uns im Vorstand alle vier Bewerber anschauen und uns dann für denjenigen entscheiden, der uns am geeignetsten erscheint“, sagt Reichert – und weist darauf hin, dass alle vier Kreisverbände vereinbart hätten, sich mit allen Bewerbern zu beschäftigen. Ein Rückhalt für Palm sieht jedenfalls anders aus.

Berberich indessen kommt aus dem Kreisverband, der den geringsten Anteil am Wahlkreis hat, aber er hat eine prominente Fürsprecherin: Anita Schäfer lässt keinen Zweifel daran, dass sie ihn für den geeigneten Nachfolger hält. Und auch wenn er aufgrund der Stimmenverhältnisse bei der Wahlkreiskonferenz als Außenseiter gelten sollte, vor Überraschungen ist die Partei nicht gefeit – das hat die heutige Bundestagsabgeordnete vor 23 Jahren bewiesen. Damals galt ebenfalls aus einer Viererrunde um die Nachfolger von Klaus-Dieter Uelhoff der damalige Wallhalber Verbandsbürgermeister Ulrich Metzger als ausgemachter CDU-Kandidat, dann aber kam Anita Schäfer – und ist 22 Jahre geblieben.

Noll ist eher weniger bekannt – und erst vor wenigen Tagen auf die Bühne des parteiinternen Wahlkampfs getreten und hat bislang noch keinen prominenten öffentlichen Fürsprecher aus den eigenen Reihen. Der Zweibrücker CDU-Kreisverbandsvorsitzende Christian Gauf sagte am Sonntag auf Merkur-Anfrage, Ende Oktober würden sich alle vier Kandidaten den Zweibrücker Delegierten vorstellen. Danach werde man sehen, ob die Zweibrücker Delegierten einheitlich oder unterschiedlich (was gut möglich sei) abstimmen. Weiß Gauf persönlich schon, wen er gerne als Kandidaten bevorzugt? Aktuell ja – aber mehr wolle er vor der Vorstellung noch nicht verraten: „Es gibt vier gute Kandidaten.“