Buddha-Legende vertont

Auf mittelalterliche Musik spezialisiert ist das Vokalensemble Dialogos, das nach New York, Paris und London nun auch in Hornbach gastierte. Die rund 95 Zuhörer waren begeistert.

Einen Hauch großer Weltmusikbühne erlebten die Zuschauer am Freitagabend im Hornbacher Fabianstift beim Euroclassic-Festival: Das Vokalensemble Dialogos, das auch schon in New York, Paris und London gastierte, präsentierte "Barlaam & Josaphat - Eine christianisierte Version des Lebens von Buddha".

Unter der musikalischen Leitung von Katarina Livljanic verwebte das Trio Musik-, Prosa- und Reimfassungen aus verschiedenen Ländern und Jahrhunderten zu einer einzigartigen Version einer der bekanntesten mittelalterlichen Legenden. Ursprünglich stammt die Legende wohl aus dem Indien des dritten/vierten Jahrhunderts und erzählt die Geschichte des jungen Siddhartha, dem späteren Buddha. In der christlichen mittelalterlichen Version wird König und Christenhasser Abenner prophezeit, dass sein Sohn Josaphat eines Tages Christ wird. Abenner beschließt deshalb, den Prinzen von Leid, Alter und Krankheit zu isolieren. Dennoch trifft Josaphat eines Tages den Eremiten und seinen späteren Lehrmeister Barlaam. Barlaams Parabeln und Eingebungen faszinieren Josaphat, er konvertiert er zum Christentum. Vertont wurde die Erzählung mit mittelalterlichen Instrumenten wie Fidel, Rebec, Flöten und Harfe. Das Ensemble Dialogos verbindet neue Erkenntnisse der Musikwissenschaft mit Elementen aus Theater und expressiver Musik. Schrille, hohe Flötentöne markieren das Entsetzen von Josaphats Vater, als dieser von der Konvertierung seines Sohnes erfährt. Die exzessive Wiederholung der Wortes "morts", Tod, unterstreicht jedoch die Standhaftigkeit Josaphats Glauben in einem Umfeld, in dem Christen die Todesstrafe drohte. Livljanics voller Gesang und die projizierte deutsche Übersetzung der Texte erinnern dabei an traditionelle Opernpräsentationen. Plötzliche, abgehackte Sprecheinlagen unterbrechen oft diesen Gesang und verdeutlichen den Dialog zwischen den Charakteren: Mal spricht Abenner, mal Barlaam, mal Josaphat.

Dialog findet aber auch noch anders statt: In sechs Sprachen präsentierte Livljanic verschiedene Passagen der Legende. Dadurch entsteht ein Dialog zwischen unterschiedlichen Sprachen und Kulturen, aber auch zwischen den Religionen und zwischen mittelalterlichen und modernen Musikkulturen. Die rund 95 Zuschauer applaudierten noch lange, nachdem der letzte Ton verklungen war.