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Bechhofen: Kindergarten-Erweiterung kommt neben das DGH

Bechhofer Rat hat entschieden : Kindergarten kommt neben das DGH

Der Bechhofer Rat hat die viel diskutierte Entscheidung in der Standortfrage mit den Stimmen der CDU getroffen.

Paukenschläge zur Ratssitzung am Rosenmontag im großen Saal des Bechhofen Dorfgemeinschaftshauses. In zwei Wahlgängen verweigern SPD-Fraktion und Bündnis 90/Grüne die Zustimmung zur Wahl von Michael Sonntag (CDU) als Amtsnachfolger des verstorbenen Ersten Ortsbeigeordneten Siegbert Bernhard. Bei der Stimmauszählung gab es zweimal ein Patt mit 8 Ja- und Nein-Stimmen. Entschieden ist dagegen die Frage zum Bau eines weiteren, neuen Kindergartens als Erweiterung der bestehenden Einrichtung. In unmittelbarer Nachbarschaft des Dorfgemeinschaftshauses wird gebaut.

Kurz und schmerzlos das Einführungsprozedere des Professors Johannes Huwer als nachrückendes Ratsmitglied in der CDU-Fraktion. War es eine Vorahnung von Ortsbürgermeister Paul Sefrin oder lediglich ein Erinnern daran, wie die CDU in der vorausgegangenen Wahlperiode die Weichen dafür stellte, dass mit einer notwendigen Satzungsänderung (Hauptsatzung) ein weiterer Ortsbeigeordneter gewählt werden konnte und alle im Rat den Vorschlag der SPD-Fraktion akzeptierten, dieses Ehrenamt dem vorherigen SPD-Fraktionssprecher Achim Scherer zu übertragen? Am Sitzungsabend jedenfalls rief Paul Sefrin dieses kommunalpolitische Miteinander allen nochmals in Erinnerung und fügte dabei noch hinzu: „Der Erste Ortsbeigeordnete wie der weitere Beigeordnete sind gleichgestellt, das will ich nicht unerwähnt lassen.“

Zwar benannte CDU-Fraktionssprecher Matthias Roos nur das Ratsmitglied Michael Sonntag als Kandidaten, doch die Auszählung des Stimmergebnisses nach dem Urnengang war doch überraschend. Den 8 Ja-Stimmen der CDU-Fraktion, standen 8 Nein-Stimmen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen gegenüber. Wer unter den zahlreichen Zuhörern im Sitzungssaal insgeheim gehofft haben mag, im zweiten Wahlgang würde sich daran was ändern, wurde wiederum enttäuscht. Die vorherige Pattsituation hatte auch diesmal Bestand. Für den Vorsitzenden Paul Sefrin blieb deshalb nur die lakonische Feststellung, dass der CDU-Kandidat nicht die notwendige Zweidrittel-Mehrheit bei der Wahl für sich verbuchen konnte und es somit bei der Vakanz beim Ersten Ortsbeigeordneten von Bechhofen bleibt, was Ortsbürgermeister Paul Sefrin als „sehr bedauerlich“ bewertete.

Würde die kurze Sitzungsunterbrechung im Hinblick auf die Hygienevorgaben mit dem in den Sitzungssaal herein strömenden frischen Wind möglicherweise auch die gewählten Bürgervertreter beflügeln? Ganz im Sinne etwa der erneut zahlreich stumm demonstrierenden Bürger vor Sitzungsbeginn beim Dorfgemeinschaftshaus? Anzutreffen mit Pappschildern, auf denen unter anderem zu lesen war: „Gemeinsam für Bechhofen“?

Ortsbürgermeister Paul Sefrin beließ es nach dem Aufruf des Beratungspunktes „Neubau Kindertagesstätte – Standortentscheidung“ bei einer knappen Faktenzusammenfassung. Seit drei Jahren wird an einer Lösung gearbeitet, liegen  Machbarkeitsstudien vor, stehen die Forderungen des Landesjugendamtes im Raum, war fehlender Bedarf an Plätzen keine Frage. Kein Anbau am Bestand, das sei ebenso unstrittig, stellte Paul Sefrin nochmals fest und nannte dafür plausible  Gründe. „Wir haben dazu gelernt“, bekannte CDU-Fraktionssprecher Matthias Roos ganz offen und betonte nochmals, dass seine Fraktion zu keiner Zeit daran gedacht habe, die Rollschuhbahn zu zerstören. Vieles wäre vielleicht erspart geblieben, hätte man die Dorfvereine gleich in die Überlegungen mit einbezogen. Roos listete detailliert die Vor- und Nachteile der Standorte beim DGH und am Friedhof auf. Nicht allein die Fachkräfte des Kindergartens, übergeordnete Stellen und sonstigen Beteiligten würden klar dafür tendieren, dass der „Neubau“ nahe zum Bestand kommen sollte. Eine gute Lösung, zumal die Rollschuhbahn auch bei der Arbeit mit den Kleinen einzubeziehen sei. Derweil beim Friedhof nur eine Nutzfläche von 725 Quadratmetern zur Verfügung stünde, könnte in der Nachbarschaft auf eine von 1030 Quadratmetern, ebenerdig und lichtdurchflutet, zurückgegriffen werden. Zudem habe schon im Juni 2018 die Entscheidung aller „Anbau beim DGH“ gelautet, rief Matthias Roos in Erinnerung und zeigte abschließend auf, welche Chance sich auch für die seit 2014 ständig im Raum stehende Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses mit der Kita nebenan bieten. Die Nutzung für alle Generationen dränge sich förmlich auf. 

Den Bechhofer Rosenmontag 2021 apostrophierte SPD-Fraktionssprecher Bernd Knerr als denkwürdigen Tag. Zahlen, Daten und Fakten  liegen nach seiner Einschätzung nicht komplett auf dem Tisch. Die Entwicklung der Grundschule sei miteinzubeziehen. Für zwei Jahre könnte das Pfarrheim der katholischen Kirchengemeinde an der Rosenkopfer Straße als Notunterkunft genutzt werden, um in aller Ruhe gemeinsam die Dinge auf den Punkt zu bringen. Auch Tim Scherer von Bündnis 90/Die Grünen plädierte für ein Gesamtkonzept, räumte allerdings ein, dass keiner der Standorte perfekt sei.

Eine klare Absage erteilte Ortsbürgermeister Paul Sefrin weiteren Machbarkeitsstudien. Viele Eltern würden auf einen Platz jetzt schon warten. Das Unterbringen von zwei Gruppen in Containern etwa würde 250 000 Euro kosten. Zahlen, Daten und Fakten lägen wie gefordert auf dem Tisch. Sefrin appellierte an die Glaubwürdigkeit als gewählte Ratsmitglieder und forderte eine Entscheidung. Professor Johannes Huwer (CDU) beantragte im Hinblick auf eine verstärkte  Nutzung der Rollschuhbahn deren Sanierung jetzt mit dem Bau des neuen Kindergartens. Mit den Stimmen der CDU und des Bürgermeisters wurde der Standort nördlich des Dorfgemeinschaftshauses dann beschlossen. Mit acht Stimmen waren SPD und Bündnis 90/Die Grünen dagegen. Zu dieser Entscheidung gab für die Oppositions-Fraktionen Ernst Klein eine gemeinsame Erklärung zu Protokoll (Bericht folgt).