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„Battwiller Baggewatscher“ spielen „Stirb schneller Liebling“

„Battwiller Baggewatscher“ spielten „Stirb schneller Liebling“ : Wenn es anders kommt als man denkt

Mit großartigen schauspielerischen Leistungen bescherte das Laien-Ensemble „Battwiller Baggewatscher“ seinem Publikum in der ausgebuchten Konrad-Loschky-Halle einen spannenden, unterhaltsamen Abend. Groteske Irrungen-Wirrungen, delikate Verwechslungen und ein überraschender Schluss machten die Krimi-Komödie „Stirb schneller Liebling“ zum kulturellen Hochgenuss.

„Stirb schneller, Liebling!“ Diesen Wunsch mag auch der eine oder andere Theaterzuschauer in der Battweiler Konrad-Loschky-Halle zwischendurch einmal gedacht haben, denn die gleichnamige Krimi-Komödie der „Battwiller Baggewatscher“ schien sich im zweiten Akt ein Stück weit hinzuziehen. Gefühlt zu ausführlich wurde die unfähige, zerstörerische Verschlimmbesserung des italienischen Haushandwerkers Giovanni beschrieben. Scheinbar! Doch bei dem grandiosen und völlig überraschenden Schluss in dem hoch spannenden dritten Akt erschloss sich rückblickend, welche Schlüsselszenen diesen vorbereitet hatten.

Dabei war es nicht nur köstlich, Stefan Jung in seiner Rolle als „Retter“ zu erleben. Sein Lieblingssatz: „Keine Probleme. Isch helfe. Isch repariere alles“, ließ die Zuschauer und letztlich auch die Protagonisten das Schlimmste ahnen. Doch auch die übrigen Rollen schienen den großartigen Laienschauspielern gleicher Maßen auf den Leib geschrieben zu sein und machten die große Groteske aus Irrungen-Wirrungen und Verwechslungen in der Krimi-Komödie fast drei Stunden lang zum unterhaltsamen Genuss.

Dabei war die Geschichte scheinbar simpel. Das Unternehmer-Ehepaar Kurt (Peter Wendel) und Gertrud Hackle (Sonja Blügel) hat sich nicht nur auseinander gelebt, sondern führt einen regelrechten Rosenkrieg, an dem das Umfeld rege teilnimmt. Während der Klopapier-Fabrikant am liebsten mit seinen Fußballkumpels die Spiele anschaut, träumt seine elitär ausgerichtete Gattin davon, endlich die Firma zu verkaufen und dafür das Landgestüt zu erwerben, um in der Gesellschaft anerkannt zu sein. Nerzstola, zwei Angestellte plus Handwerker und ein „Kleiderschrank, in dem drei Familien hausen können“ trösten sie nicht darüber hinweg. Dennoch erträgt sie nur scheinbar Kurts Liaison mit seiner vollbusigen und auf seinen Reichtum erpichten Sekretärin Susi Aulendorf (Carolin Gewohl), die sich bereits als künftige Frau Hackle wähnt.

Stattdessen engagiert Gertrud eine Auftragskillerin, ebenso wie ihr Ehemann, um das Vermögen zu bewahren, statt es in einer Scheidung zu verlieren. Beide haben dabei ein ebenso unglückliches Händchen, wie bei der Auswahl ihres Personals. Das halbblinde Hausmädchen Agnes (Monika Jung) hat Gertrud nur eingestellt, weil sich deren Kurzsichtigkeit meist zum Nachteil von Kurt auswirkt. Etwa, als sie ihm als einer vertrockneten Pflanze Gießwasser über den Kopf schüttet oder anstelle der für einen Fisch gehaltenen Ananas diesen im Mixer püriert.

Als sich die beiden Auftragskiller, Ralle (Britta Konert) und Tamara Blugowa (Jennifer Platz), die sich von ihrer Ausbildung her kennen, begegnen, stellen sie ihr Dilemma fest: Führen beide ihren allerersten Auftrag aus, bekommt keiner von ihnen sein Geld. Wie gut, dass Kurts mannstolle Schwester Hilda (grandios: Urgestein Rita Kircher) ihnen begegnet und das nächste Missverständnis produziert. In der Annahme, beide seien von der Eheberatung, sichert sie ihnen die Bezahlung zu, in der Hoffnung, dann doch noch das von Kurt längst versprochen Cabrio zu erhalten.

Spätestens als Susi, mit ihrer roten Handtasche für Gertrud gehalten, fast überfahren wird und Giovanni, mit seinem Werkzeugkoffer für Kurt gehalten, fast von einem Indianerpfeil getroffen wird, wächst die Spannung ob der Verwechslungen zusätzlich.

Ähnlich mannstoll wie Hilda ist Gertruds Freundin Luisje Koschnik (Hanna Blinn). Sie hat sich in den Kopf gesetzt, Butler James (Nils Müller) zu ihrem achten Ehemann zu machen. „Finger weg vom Butler“, mahnen Gertrud und Hilda sie immer wieder.

Dabei ist es der scharfsinnige, spitzzüngige und ständig lösungsorientiert Dienstbelissene, der schließlich Gertrud und Kurt gleichzeitig um die Ecke bringt: Denn nichtsahnend setzt er die von Giovanni herausgedrehte Sicherung wieder ein und verpasst Gertrud und Kurt so den finalen elektrischen Todesstoß.

Im Himmel angekommen, fragt sich das Ehepaar mit leuchtendem Heiligenschein und Engelskleidchen, wie es denn überhaupt zu dem Rosenkrieg hatte kommen können. Wie gut, dass Gottes Stimme ihnen verspricht, sie erneut auf die Erde zu senden und zusammenzubringen, „damit ihr es beim nächsten Mal besser machen könnt!“