1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken-Land

Aufwendige Sanierung der Kirche St Wendelinus in Reifenberg

Sankt-Wendelinus-Kirche Reifenberg wird für 230 000 Euro saniert : Kirche erhält Wandbilder zurück

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Wandbilder im Reifenberger Gotteshaus aufgrund damals gültiger Vorgaben des Vatikan übertüncht. Im Zuge der noch bis in den späten Herbst dauernden Generalsanierung der Kirche werden sie nun wieder freigelegt.

Eine Großbaustelle ist derzeit die Sankt-Wendelinus-Kirche von Reifenberg. Rund 230 000 Euro werden in die Innensanierung des Gotteshauses investiert.

Dabei verhelfen die Kirchenverantwortlichen dem altehrwürdigen Gotteshaus auch wieder zu früherem Wandschmuck. Großformatige Wandmalereien über den beiden Seitenaltären der Kirche sind freigelegt worden. Pfarrer Bernhard Selinger von der Großpfarrei Heiliger Bruder Konrad (mit Sitz in Martinshöhe), zu der die Kirchengemeinde Reifenberg zählt, geht davon aus, dass noch bis zum Spätherbst die Renovierungsarbeiten den Kirchenalltag im Reifenberger Gotteshaus bestimmen.

Trotz Corona und den damit verbundenen Problemen verlaufen die Innensanierungsarbeiten gut, stellt Architekt Hermann Held aus Contwig fest. Die Zusammenarbeit mit dem Bischöflichen Ordinariat in Speyer hat für das Architekturbüro aus dem Schwarzbachtal schon lange Tradition. Die gelungenen Kirchensanierungen der historischen Kirchen von Labach oder die von Martinshöhe sind dafür beste Beweise. Die Abstimmungen mit Diözesankonservator Wolfgang Franz bereite kein Problem, Unterstützung erfährt Hermann Held zudem vom Gebietsingenieur des Bistums, Reneo D’Onghia.

Begonnen hatten die Sanierungsarbeiten im vergangenen Herbst. Nach etlichen Tests vor Ort war klar, dass der einstige Wandschmuck über den beiden Seitenälteren wieder freigelegt wird. Der Reifenberger Toni Hüther, früher langjährige Kirchenrechner, Hobbyhistoriker und bester Kenner was die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Bistums in Speyer angeht, weiß davon ein Lied zu singen: „Es bedurfte vieler klärender Gespräche. Da hatten wir dicke Bretter zu bohren, bis die Gesamtsanierung unserer Kirche in trocknen Tüchern gewesen ist.“

Bei der Kirchensanierung Sankt Barbara in Knopp überzeugte bereits die Restauratorin und Konservatorin Eva Lincul aus Neustadt an der Weinstraße. Dort hatte sie in den Wintermonaten bei bissiger Kälte ausgezeichnete Arbeit verrichtet. In Reifenberg stand sie wieder vor einer ähnlichen Herausforderung. Handwerklich unterstützt wurde sie dabei von den beiden Restauratorkollegen Heidi Kiesslinger und Bruno Helmstetter. Im Oktober Jahres begannen die eigentlichen Freilegungsarbeiten zu den beiden Ölbildern. Toni Hüther weiß aus den Kirchenbüchern und eigener Erfahrung, dass einige Jahre nach Kriegsende entsprechend den Vorgaben des Vatikans erstmals die Zeugnisse sakraler Kunst über den Seitenaltären einfach übertüncht wurden. Dem damaligen Kirchenzeitgeist und der Order aus Rom folgend. Hüther: „Otto Fußhöller aus Landau, ein anerkannter Maler und Kirchendekorator seiner Zeit, hatte die Wandbilder 1894 geschaffen“.

Ehe die beauftragte Restauratorin und Konservatorin Eva Lincul mit den eigentlichen eigentlichen Freilegungsarbeiten begann, wurden probehalber kleinere Teilfläche freigelegt – um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, ob es überhaupt Sinn macht, sich der mühevollen Arbeit hinzugeben. Die Teilproben verliefen vielversprechend, weshalb es grünes Licht für die eigentliche Freilegung gab. Beim Marienaltar auf der linken Seite sind Papst Leo XIII. auf dem Betstuhl und mit dem Papstwappen zusammen mit Papst Innozenz, welcher ein Ablassband in Händen hält, dominant. Im Hintergrund ist der Petersdom von Rom zu sehen. Darüber hat der Malkünstler Fußhöller Mutter Maria als „Rosenkönigin“ dargestellt. Sie neigt sich zum Heiligen Domenikus und der Heiligen Katharina von Siena herab und übergibt ihnen jeweils einen Rosenkranz. Die Bildsequenz soll die Gläubigen an die Bedeutung des Rosenkranzgebets erinnern.

Gegenüber rechts des Chorraums steht der Wendelinusaltar der Kirche. Dargestellt ist die Grablegung des Heiligen Wendelinus in seiner früheren Einsiedelei. Das Bildmotiv bot zudem eine passende Gelegenheit, dem Stifter und Förderer Jakob Zimmer zu danken. Der in die Staaten ausgewanderte Sohn des Ortes übermittelte 1893 25 000 Mark heim ins Deutsche Kaiserreich und legte damit den Grundstein dafür, dass die Gläubigen seines Heimatortes eine eigene Pfarrei werden konnten.

Auch der Neubau der Kirchenbasilika im heute saarländischen St. Wendel ist im Reifenberger Wandbild des rechten Seitenaltars verewigt. Schwebende Engel tragen zudem drei Kronen. Damit erinnert der vorderpfälzische Künstler symbolisch an die königliche Abstammung des Schutzpatrons der Reifenberger Dorfkirche.

Doch nicht allein mit den beiden freigelegten Wandbildern wird die Kirche wieder mehr Authentizität erlangen. Passend zum bereits vorhandenen Altartisch auf der linken Seite, wird jetzt auch zum Wandbild auf der Rechten ein Sandsteinaltartisch kommen. Der Taufstein wird vom Wendelinusaltar zur Kirchenmitte versetzt. Das Gewölbe im Chorraum soll passend zum Blau der Wandbilder gestaltet werden. Nuanciert farblich abgesetzt werden die Längswände, an denen sich auch die Kreuzwegstationen befinden. Mit dieser Farbgebung wollen die Verantwortlichen erreichen, dass diese sich besser abheben und ins Blickfeld des Kirchenbesuchers gelangen.

Völlig veraltet war die Elektroinstallation des Gotteshauses. Für mehr als 20 000 Euro wird die Firma Bozek und Christmann aus Nünschweiler Elektrotechnik nach dem neuesten Stand installieren. Notwendige Maler- und Verputzarbeiten verschlingen fast 100 000 Euro. Den Ausführungsauftrag hierfür erhielt die Firma Schnöll aus Bexbach.

Das Gotteshaus bekommt auch eine Toilette. Platz dafür muss im hinteren Bereich der Sakristei geschaffen werden. Mit rund 150 000 Euro fördert das Bistum Speyer die umfassende Innensanierung. Den Rest übernimmt die Kirchenstiftung (früher Kirchengemeinde) Reifenberg.