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Auffangstation für Luchse in Maßweiler

Auffangstation Maßweiler : Pflege für „Pinselohren“

Der Luchs, die größte Raubkatze Europas, stromert wieder durch Rheinland-Pfalz. Möglich macht dies ein Projekt zur Wiederansiedlung. Künftig gibt es auch eine Anlaufstelle für vierbeinige Sorgenfälle.

Einst war er weit verbreitet, dann ausgerottet, jetzt hat er sich neu etabliert. Dank eines EU-Projekts ist der Luchs wieder Rheinland-Pfälzer. Von einer „Erfolgsgeschichte für den Artenschutz“ sprach Umweltministerin Anne Spiegel (Grüne) kürzlich. Experten der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz siedelten im Verlauf von fünf Jahren mit Partnern wie Landesforsten und WWF Deutschland 20 Luchse an. Die ersten Jungtiere kamen 2017 zur Welt - insgesamt wurden mindestens 18 Jungtiere aus neun Würfen geboren.

Mittlerweile hat sich im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen ein neuer Populationskern der größten Raubkatze in Europa gebildet. Dem trägt ein neues Projekt in Maßweiler nun Rechnung: die nach Angaben der Organisatoren erste Auffangstation für Luchswaisen in Deutschland. „Luchse bekommen im Durchschnitt nur zwei Jungtiere pro Jahr und die Sterberaten sind in den ersten zwei Jahren sehr hoch“, sagt Betriebsleiter Florian Eiserlo von der Auffangstation Tierart der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. „Wir versuchen, jedes gefundene Jungtier zu retten und zurückzuführen.“

Verwaiste oder verletzte Tiere werden meistens von Wanderern, Förstern, Jägern oder Forstarbeitern entdeckt. „Wir haben nun die Kapazität, zeitgleich zwei erwachsene Luchse und drei bis neun Jungtiere aufnehmen zu können“, schildert der Diplom-Biologe. Das neue Gehege sei funktional, artgerecht und sicher für Mensch und Tier. „Da wir Jungtiere versorgen müssen, die eventuell noch verletzt oder krank sind, sind zusätzlich beheizbare Innengehege gebaut worden. Wir hoffen natürlich, so wenig Tiere wie möglich retten zu müssen.“

In Maßweiler werden die „Pinselohren“ von Pflegern versorgt und bestmöglich auf ein Leben in freier Wildbahn vorbereitet. „Die Verweildauer hängt vom Alter und Gesundheitszustand ab und kann bis zu einem Jahr betragen“, sagt Eiserlo. Primär sei die Auffangstation für junge, verwaiste und verletzte Luchse aus dem Pfälzerwald gedacht. „Jedoch konnten wir die Anlage so gestalten, dass auch für Tiere aus anderen Regionen Kapazitäten entstanden und wir ebenfalls Luchse aus Thüringen, Baden-Württemberg und Bayern aufnehmen können.“

Auch die Umweltschutz-Organisation World Wide Fund For Nature (WWF) ist vom Nutzen überzeugt. „Wir sind sehr erfreut über die Fertigstellung der Auffangstation. Sie wird einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Populationsentwicklung der Luchse in Rheinland-Pfalz, Deutschland und darüber hinaus leisten“, meint Moritz Klose, Programmleiter Wildtiere Deutschland und Europa beim WWF. Trotz des positiven Bestandstrends von etwa 125 bis 135 erwachsenen Tieren kehre der Luchs nur sehr langsam nach Deutschland zurück. „Jedes Jungtier, das das Erwachsenenalter erreicht, zählt.“

Eiserlo zufolge ist der Luchs gut für die Natur. „Er ist die größte Raubkatze in Europa und trägt maßgeblich zu einem gesunden Wildtierbestand bei. Ein ausgeglichenes Verhältnis von Beutetieren und Beutegreifern ist essenziell für unsere Flora und Fauna“, betont er. „Daher ist die Unterstützung der Luchse nicht nur aus Artenschutzgründen, sondern generell für unsere Natur wichtig.“

Umweltministerin Spiegel sagte auf der Abschlussveranstaltung des EU-Projekts im September: „Die freigelassenen 20 Luchse, die aus den slowakischen Karpaten und der Schweiz stammen, haben in ihrer neuen Heimat erfolgreich Reviere etabliert und für Nachwuchs gesorgt.“ Und das an dem Ort, wo sie einst natürlich vorkamen, jedoch ausgerottet wurden.

Ein Vorbild für die neue Station ist das Erhaltungszuchtprogramm des Iberischen Luchses im spanischen Mittelgebirge Sierra Morena – unter anderem mit der Beteiligung des IZW (Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung). Die Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen (Niedersachsen) setzt sich ebenfalls für heimische Wildtiere und besonders für bedrohte Arten wie dem Luchs ein. „Den großen Bedarf solcher Einrichtungen“, sagt Eiserlo, „zeigt die steigende Zahl verwaister Jungtiere in den vergangenen Jahren.“