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Angeklagter erkundigte sich vor zweitem Überfall über Strafmaß

Angeklagter erkundigte sich vor zweitem Überfall über Strafmaß

Obwohl er längst von der Polizei ins Visier genommen wurde, soll ein 28-Jähriger innerhalb von elf Tagen zum zweiten Mal dieselbe Bank in Martinshöhe überfallen haben. Zwischendurch habe er laut Polizei auch darüber nachgedacht, sich zu stellen.

Relativ schnell nach dem ersten Überfall auf die Filiale der Kreissparkasse Kaiserslautern in Martinshöhe geriet der Angeklagte ins Visier der Fahnder. Es sei aber nicht gelungen, ihn zu verhaften. Das berichteten gestern zwei Polizeibeamte, die im letzten Juli für den Fall zuständig waren, vor dem Zweibrücker Landgericht. Zeugen vor Ort hätten am 18. Juli keine näheren Angaben zur Person oder dem Fluchtfahrzeug machen können. Erst durch die Auswertung der Überwachungskamera habe ein Bild des mutmaßlichen Täters veröffentlicht werden können. "Am folgenden Dienstag wurde uns von der Kirkeler Polizeiwache ein Zeuge genannt, der den Angeklagten erkannt hatte", sagte einer der Kriminalhauptkommissare. Weitere Hinweise seien gefolgt. Noch am gleichen Tag sei die Wohnung des 28-Jährigen in Burbach entdeckt worden. Ein Mitbewohner habe berichtet, dass die Tatwaffe aus dem Internet bestellt worden sei. Am Tag darauf - vermutlich durch seinen Kollegen informiert - habe der Angeklagte sich per Telefon bei der Polizei gemeldet. "Er wollte sich wohl stellen und erkundigte sich nach dem Strafmaß", so der Beamte. Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft seien ihm dann sieben Jahre Haft in Aussicht gestellt worden. Der mutmaßliche Täter habe aber dann noch "Probleme" angeführt. So sei die Waffe "scharf gewesen" und er habe im Saarland eine Postfiliale überfallen, weshalb er dann wohl doch mit einer weitaus höheren Strafe gerechnet hat und seine Flucht fortsetzte. Der Verteidiger legte nach der Aussage Widerspruch gegen die Verwertung der Angaben aus diesem Telefonat ein. Es habe keine Belehrung seines Mandanten über dessen Rechte stattgefunden.

Besonders dreist: Obwohl längst das Handy des Verdächtigten von der Polizei überwacht wurde, soll er dann wenige Tage später am 29. Juli noch einmal in derselben Bank zugeschlagen haben. Die Beute habe insgesamt rund 18 500 Euro betragen (beim ersten Überfall sollen es rund 10 000 Euro gewesen sein). Am Wochenende davor - so ergaben die Ermittlungen - hat er in einem Saarbrücker Hotel übernachtet und könnte sogar auf dem Nauwieser Fest gewesen sein.

Nach dem zweiten Raub soll er von Stuttgart zuerst nach Salzburg ausgereist sein. Von dort habe sein Weg dann nach Kroatien geführt, wo er in der Stadt Milna am 2. August von der dortigen Polizei festgenommen wurde. Diese habe auch ein Teil der Beute sichergestellt. Der Prozess wird an diesem Donnerstag um 14 Uhr fortgesetzt.