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Andreas Winkler, Volt: Kandidaten im Wahlkreis 210

SERIE KANDIDATEN FÜR DIE BUNDESTAGSWAHL IM WAHLKREIS 210 : Ein Neuling als Einzelkämpfer

Zwölf Direktkandidaten treten im Wahlkreis 210 an, zu dem Zweibrücken und der Landkreis Südwestpfalz gehören. In einer Serie stellen wir die Bewerber vor. Heute: Andreas Winkler, Volt

Neu – wenn es um die Bundestagskandidatur von Andreas Winkler aus Schmitshausen geht, ist wirklich alles neu: Nicht nur, dass er für eine relativ neue Partei antritt, er selbst ist Neuling im politischen Geschäft, und auch mit der Bewerbung für das Direktmandat betritt er Neuland. Aber nichtsdestotrotz – oder gerade deswegen? – geht er mit viel Elan an diese Aufgabe heran. Noch befinden sich auch die Parteistrukturen im Aufbau, was in der Südwestpfalz auch die Mitgliederzahl widerspiegeln: Drei Volt-Mitglieder sind es in der Region, weshalb die Parteiarbeit momentan auch vom „Distrikt Westpfalz“ mit Sitz in Kaiserslautern federführend gesteuert wird. Aktuell gibt es als Untergliederung des Landesverbandes mit Sitz in Ingelheim noch diese Distrikte, Winkler zeigt sich aber optimistisch, mit wachsender Mitgliederzahl demnächst einen eigenen Kreisverband Südwestpfalz gründen zu können. Denn die paneuropäische Partei Volt, in Deutschland 2018 gegründet, wächst zunehmend. Auf lokaler Ebene hat sie schon erste Erfolge gefeiert – in Frankfurt ist sie in den Stadtrat eingezogen.

Volt ist insofern eine besondere Partei, als dass es sie nicht nur in Deutschland gibt, sondern in vielen europäischen Ländern mit zusammen 25 000 Mitgliedern derzeit – und die Parteistruktur ist auch Programm. Volt will die politischen Herausforderungen nämlich auf europäischer Ebene lösen, steht für einen stärkeren Europa-Gedanken. Klimaschutz? Natürlich, aber mit den europäischen Nachbarn und nicht als deutscher Alleingang.

Aber zurück zu Andreas Winkler, der quasi als Einzelkämpfer sich und seine Partei bei den Südwestpfälzern bekannt macht. Er war bis vor wenigen Monaten überhaupt noch nicht politisch aktiv, jeder Tag als Bundestagskandidat beschert ihm neue Erfahrungen, berichtet er. Dass er in die Politik eingestiegen ist, hängt mit der Corona-Krise zusammen. Die dabei zutage getretenen Pflege-Defizite haben ihn nachdenklich gemacht und geärgert, erklärt er: „Ich möchte was ändern, darum bin ich jetzt politisch aktiv.“ Weil er das Parteiprogramm gut fand, hat er sich für Volt begeistert; im Wissen, dass es sich um eine kleine, noch wenig bekannte Partei handelt: „Europa ist natürlich das Kernthema, aber europäisches Denken beinhaltet eben alle Politikthemen, ob Soziales oder Klima.“

Kleine Partei, politischer Neuling: Dennoch nimmt Winkler seine Bundestagskandidatur sehr ernst. „Sie dient auch dazu, unsere Partei, ihr Programm und mich als ihr Sprachrohr in der Region bekannt zu machen“, sagt der 32-jährige Sozialassistent, der momentan in Bingen Biotechnologie studiert. Dafür ist hoher Einsatz gefragt. Ob er Plakate klebt oder Flyer verteilt, er ist quasi als „Ein-Mann-Show“ unterwegs, plant sogar Volt-Events in der Südwestpfalz. An Elan und Ideen fehlt es ihm nicht, er habe großen Spaß an seiner neuen politischen Aufgabe, sagt Winkler: „Ich bin wirklich mit Herzblut dabei.“

Auch wenn es im Bundestagswahlkampf um die große Politik in Deutschland geht, tritt er ja für die Südwestpfalz an. Was will der Volt-Politiker für seine Heimatregion erreichen? Wichtig ist ihm Bürgerbeteiligung, Winkler spricht sich für die Einführung von Bürgerbudgets aus, mit denen in Kommunen Projektvorschläge von Bürgern finanziert werden sollen. Und auch ein kostenloses Bürgerticket für Bus und Bahn steht auf seiner politischen Agenda, da macht sich sein Wohnsitz in Schmitshausen bemerkbar, wo er seit zehn Jahren lebt: „Der Personennahverkehr muss ausgebaut werden auf dem flachen Land.“

Von Arbeitslosigkeit betroffene Bürger sollen wieder ein richtiges Leben führen können, macht sich Winkler für eine neue Sozialpolitik stark: „Was mit der Agenda 2010 entstanden ist, das ist doch nicht menschenwürdig.“ Und natürlich spricht er, wenn es um Sozialpolitik geht, auch die Pflegesituation an, die auch in der Region stark verbesserungswürdig sei.

„Mehr Windkraft“ fordert der Volt-Bundestagskandidat – auch in der Region, wobei er den Pfälzerwald frei von Windkraftanlagen halten will, denn es gebe noch genug andere Standorte im Wahlkreis. Zwar setze seine Partei konsequent auf erneuerbare Energie, so Winkler, wichtig sei Volt aber, dass auch der Mensch in der Klima- und Umweltpolitik immer im Auge behalten wird.