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Nahversorgung auf dem Land: „Alle dürfen krank werden, nur unsere Marianne nicht“

Nahversorgung auf dem Land : „Alle dürfen krank werden, nur unsere Marianne nicht“

Der Dorfladen in Wiesbach ist auch in Corona-Zeiten eine Institution im Ort.

(cos) „Unser Marianne im Dorf ist im Augenblick mehr als ein Leuchtturm, was die dörfliche Versorgung mit den Dingen  des täglichen Bedarfs angeht“, stellt Wiesbachs Ortsbürgermeister Klaus Buchmann anerkennend fest. Mit seiner Familie zählt er selbst zum überschaubaren Kundenkreis des Lebensmittelladens und der Ortsbürgermeister weiß gerade jetzt in Zeiten der Corona-Krise, wie wichtig der seit Jahrzehnten mit soviel Herzblut von Marianne Scherer geführte „Tante-Emma-Laden“ in der Hauptstraße ist. „Alle dürften krank werden nur unser Marianne nicht“, merkt auch Werner Wagner an, der nicht nur Teigwaren und Butter für den eigenen Bedarf bei „Marianne“ ordert und sonst auch Zeit für ein nettes Gespräch mit der Ladeninhaberin fand.

Blaue Schutzhandschuhe, Mundschutz aus Papier,  eindreiviertellange, wärmende Jacke – so versieht die nicht allein in Tagen der Corona-Krise hochgelobte Ladeninhaberin im eigenen Lebensmittelgeschäft den Dienst für alle. Seit fast sechs Jahrzehnten ist Marianne Scherer mit ihrem Lebensmittelgeschäft eine regelrechte Institution. Und wie kommen jetzt weiterhin täglich frische Bananen, Erdbeeren, Kiwis oder Kopfsalat auf Wiesbacher Tische? Nun, es sei wie immer, vielleicht doch ein wenig durch die Krise verstärkt.

Ein Lächeln streift ihr bei der Frage nach dem Aufhören übers Gesicht. Nein, auch wenn im Augenblick alles doch etwas hektisch sei ans direkte Aufhören habe sie doch noch keinen Gedanken verschwendet und schon gar nicht im Augenblick, wo doch viele die Rufnummer des örtlichen Einkaufsmarktes wählen.   „Annche, was kann ich fer dich uffschreiwe?“, so beginnen nicht selten die Gespräche, und dann ist Marianne Scherer eifrig mit dem Aufnotieren beschäftigt. „Werd gemach, hann´s uffgeschrebb, mir bringens vorbei!“ Den Bringservice des Ladens besorgt Ehegatte Andreas.

Die Lebensmittelhändlerin aus Leidenschaft hat natürlich nicht nur im Laden selbst alle Vorkehrungen und Hinweise für das bekannte „Abstand-Halten“ mit sichtbaren Bodenhinweisen getroffen. Dass gerade ältere Menschen jetzt über das Telefon den Kontakt zu ihr und dem Lebensmittelgeschäft aufnehmen, sei selbstverständlich und weil Ehegatte Andreas sich einbinden lässt, alles ganz normal.

Marianne Scherer ist mit dem Laden groß geworden und meint auch in der jetzigen Zeit: „Meine Stammkundschaft ist wirklich regelrecht lieb und herzig, mir einfach ans Herz gewachsen in der langen Zeit. Deshalb will ich auch noch so lange es geht, für alle im Ort da sein.“

Mutter Agnes baute den Laden einst auf. Zu einer Zeit, wo es noch nicht die bekannten Discounter auf der grünen Wiese gab. Schon als Fünfjährige räumte sie Regale voll, half beim damals noch üblichen Abpacken der losen Ware mit. Den Wandel überstand der Krämerladen  schadlos und dabei ist das Geschäft wahrlich ein Vollsortimenter mit wohl an die 800 Artikeln, von Fleischware einmal abgesehen. „Dafür haben wir ja noch unsere Landmetzgerei auf der gegenüberliegenden Seite in der Talstraße.“

Jeden Morgen um 6.30 Uhr schließt Marianne Scherer die Ladentür auf, nachdem sie bereits eine halbe Stunde früher die frischen Backwaren von Karl Sprengard aus dem Nachbarort Martinshöhe entgegengenommen hat. „Da kann ich die Uhr danach stellen. Ob Sommer oder Winter, ob Regen, Schnee oder Eis, die noch warmen Weck und das Brot sind pünktlich da“, lobt die Lebensmittelhändlerin ihren handwerklichen Zulieferer.

 „Ich bin alles in einer Person“, sagt Marianne Scherer. „Kauffrau, Verkäuferin, Buchhalterin und auch meine eigene Putze. Müsste ich Personal und Miete für den Laden und das Lager bezahlen, dann könnte ich das nicht machen.“ So aber hat Wiesbach noch seinen „Dorfladen“, der eine wahre dörfliche Institution ist.