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Unterricht und geschlossene Schulen: Abiturzeugnis per Post

Unterricht und geschlossene Schulen : Abiturzeugnis per Post

Wie die IGS Contwig versucht, die Schüler per Fernunterricht trotz Corona weiter zu unterrichten.

(cos) Das Virus Corona hat uns alle bekanntlich im Griff, kein Teil des öffentlichen Lebens ist davon ausgeschlossen. Die Kindergärten sind geschlossen, Notbetreuung wird angeboten, nicht anders ist es bei den Schulen. Wie es denn bei der IGS „Goetheschule“ Contwig laufe, wollte der Pfälzische Merkur wissen und hat bei Rektor Thomas Höchst einmal nachgefragt, schließlich ist die erst vor geraumer Zeit mit neuer Mensa und Klassenzimmern ausgestattete Bildungsstätte gerade wegen ihres hohen Niveaus an „Digitaler Präsenz“ bei Schülern nicht allein aus der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land und der Stadt Zweibrücken beliebt.

„Das Abitur haben wir unter den bekannten Schwierigkeiten abgehakt, letzte Märzwoche sind nochmals mündliche Prüfungen gewesen, 47 Abiturientinnen und Abiturienten erhielten leider per Post ihre Reifezeugnisse. Außergewöhnlich, aber der momentanen Situation einfach so geschuldet“, hält Rektor Thomas Höchst fest. Noch bevor die offizielle Schulschließung über den Ticker aus dem Mainzer Bildungsministerium im Schulsekretariat eintraf, habe man sich zudem schon Gedanken für den Fall X gemacht, berichtet dieser weiter. Diese Entwicklung sei, so die Einschätzung von Höchst, vorhersehbar gewesen und da wollte man bei der IGS Contwig nicht gänzlich unvorbereitet sein. Insbesondere nicht in der Frage, wie man mit den rund 700 Schülern über Tage, vielleicht Wochen oder gar Monate kommunizieren will, um vom schlimmsten Szenario auszugehen.

Zwar wirbt, wie andere Bildungsstätten auf seiner eigenen Homepage auch die IGS mit der Lernplattform „Moodle“, doch für Höchst ist von Anfang an klar gewesen: „Moodle wird dem Anfangsansturm unmöglich standhalten können, deshalb habe ich mit dem Kollegium zumindest für die Anfangszeit nach anderen Lösungswegen gesucht und solche auch gefunden.“ Thomas Höchst und das Lehrerkollegium setzten auf den Emailkontakt zu den Eltern. 700 Adressen wurden, soweit nicht schon vorhanden, zusammengetragen.

Die Eltern wurden bewusst einbezogen. „Natürlich konnten wir uns denken, dass vielleicht auch mancher Vater oder Mutter den PC daheim für die Homeoffice-Arbeit benötigt, aber das Einbeziehen der Erziehungsberechtigten erschien uns aus vielerlei Hinsicht wichtig und hat sich, seitdem wir in Emailkontakt mit den Eltern und Schülern stehen, bewährt. Das Bindeglied zu den Eltern ist der jeweilige Klassenlehrer. Dieser verschickt die Emails mit den Aufgaben aus den Hauptfächern. Die Wahlpflichtfächer sind im Augenblick außen vor, damit wollte man die Eltern nicht auch noch belasten, weil die in der häuslichen Umgebung ja das alles weitervermitteln.

Alle Schüler erhalten jetzt per Email Basis- und Zusatzprogramme. Das Basisprogramm sei leistbar, so die Einschätzung von Höchst, und damit sich niemand daheim in der häuslichen Lernumgebung langweilen müsse, würden Zusatzprogramm jeweils vom jeweiligen Fachlehrer mitgeliefert. An den Fall, dass nicht überall und in jeder Familie Scanner und Drucker verfügbar sind, wurde auch gedacht. Über den Klassenlehrer können die Unterlagen auch per Post angefordert werden. Wochenpläne gibt es und zum Wochenende kommen bei jedem Schüler Lösungsblätter an. Höchst: „Unser Einsatz für selbständiges Lernen zahlt sich in Zeiten wie diesen natürlich besonders aus, das wird gewiss Eltern und Schülern gerade besonders bewusst.“

Nach den Osterferien soll es Videokonferenzen zwischen den Schülern und der jeweiligen Fachlehrerin geben. Eine Lanze bricht Thomas Höchst für das Lehrerkollegium. Dieses bringe sich unwahrscheinlich engagiert und einfallsreich ein. „Da gibt es tolle Einfälle, alle suchen nach neuen Möglichkeiten und das wollen wir auch für die Zeit nach der Corona-Krise nutzen.“