Marktgräfinnenwanderung : „Ein Brückenschlag zu den Menschen“

Von der Winterbacher Dorfkirche bis zum Restaurant „Zum Roseneck“ führte die vierte Marktgräfinnenwanderung.

(cos) Leichter Nieselregen, Nebelschwaden – Herbstwetter pur. Dennoch, zur 4. Marktgräfinnenwanderung kamen am Freitag mehr als 30 Wanderteilnehmer. Pünktlich sind alle am vereinbarten Treffpunkt, der historischen Dorfkirche St. Matthäus von Winterbach zur Stelle gewesen.

Nach einem kurzen Exkurs über die Geschichte des historischen Gotteshauses, das seine erste Erwähnung in einer Urkunde von 1489 fand, ging es auf den festgelegten Wanderpfad im Pfälzer Mühlenland, von der Talaue hinauf auf die Sickingerhöhe zum Rosendorf Schmitshausen. „Schlechtes Wanderwetter gibt es nicht, allenfalls schlechte Wanderausstattung“, scherzte gleich zum Auftakt Ortsbürgermeister Andreas Weizel aus Winterbach, der zusammen mit seiner Frau in regensicherer Wanderkleidung auf  die Tour ging.

Das just zum imaginären Startschuss der Nieselregen einsetzte, ärgerte nicht allein Verbandsbürgermeister Thomas Peifer. „Es hätte doch wahrlich halten können, zur Wochenmitte noch strahlender Sonnenschein und jetzt trübt Petrus den Wandergenuss. Nur gut, dass das Damentrio als Organisatorinnen der Tour einen festen Boden zum Marschieren wählte. Das hätte sonst wahrlich den Spaß etwas trüben können“, so der frohgelaunte Verbandsbürgermeister Peifer.

„Das Damentrio mit unserer Tourismusexpertin Lea Strasser, Sonja Bauer als Vorsitzender des Tourismusvereins Mühlenland-Sickinger Höhe-Schwarzbachtal und der amtierenden Marktgräfin Jasmin Klein hat das glänzend hinbekommen“, lobte Peifer.

Tourismusförderung und Werbung für das Ehrenamt: Beide Überlegungen standen Pate, als 2017 erstmals mit einer „Marktgräfinnenwanderung“ die Angebotspalette für Wanderungen erweitert wurde. Sonja Bauer, die amtierende Vorsitzende des Tourismusvereins „Mühlenland-Sickinger Höhe-Schwarzbachtal“ bei der Wanderung: „Ich selbst wurde 1993 als zweite Markgräfin überhaupt gekrönt. Das Ehrenamt gab mir viel und bis zum heutigen Tag bringe ich mich ehrenamtlich ein. Aber die Zeiten haben sich geändert. Wir alle wissen, dass immer weniger Menschen bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren. Viele Kommunalpolitiker können davon ein Lied singen. Deshalb haben wir diese Wanderung initiiert und das doch mit Erfolg, wie auch die heutige Wanderung zeigt. Es sind nicht allein Teilnehmer aus der Orten unserer Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben dabei und so soll es sein. Wir wollen ja einen Brückenschlag zu den Menschen, für die Menschen und ich glaube, das gelingt!“ 

Viele Gespräche wurden auf dem Weg geführt, auch wenn der Weg hinauf in Richtung Serinihöfchen bei Reifenberg viel Puste kostete. Pfarrerin Elisabeth Brach etwa zeigte sich erstaunt, das jetzt noch Mais grünt. Es war ein Maisfeld des Winterbacher Landwirts Jörg Klein, welches dieser nach der Getreideernte bebaut hatte. Leider in einer nachfolgende Trockenphase des Sommers, was das Maiswachstum doch behinderte, wie auch die Wanderer feststellten.

Auf der Höhe zwischen Winterbach und dem Rosendorf Schmitshausen angekommen wird zur Kurzrast ins Pfarrhöfchen eingeladen. Ortsbürgermeister Pirmin Zimmer aus Reifenberg erwartete die Wanderschar und konnte mit einem ausgezeichneten Vortrag über das Leben und Wirken des Pfarrers Carl Conrad Serini, der aus seinem Pfarrort Winterbach 1834 verbannt wurde und sich in seiner „Einsiedelei“ bei Reifenberg niederließ, glänzen.

Apropos Ehrenamt, Ortsbürgermeister Pirmin Zimmer erinnerte in seinem historischen Vortrag daran, dass es Feuerwehrleute aus Reifenberg waren, die ehrenamtlich die Reste des „Serinihöfchens“ freigelegt hatten und das Schufen, was heute eine durchaus begehrte Raststätte für Wanderer auf der Sickingerhöhe ist. Pirmin Zimmer: „Die Ortsgemeinde, die inzwischen Eigentümerin des bekannten Pfarrhöfchens ist, hat dagegen nichts einzuwenden. Die Nutzung ist kostenfrei, allein wegen der seit Jahren herrschenden Trockenheit erlauben wir nicht, dass im Gelände offenes Feuer entfacht wird. Aus Sicherheitsgründen müssen wir darauf bestehen.“ 

Beim Weitermarsch in Richtung Rosendorf überraschte Ehrenbürger Hans Erich Henkes alle mit einer Einladung zur kurzen Besichtigung des Oskar-Scherer-Platzes in der Dorfmitte. Henkes gab dort einen kurzen Überblick darüber, wie Schmitshausen erstes Rosendorf von Deutschland werden konnte und wie stark das Engagement der Bürger in Sachen europäischer Partnerschaft noch heute ist.

Marktgräfin Jasmin Klein bedauerte im Gespräch vor allem, dass nun auch noch Corona die vielen Bemühungen erschwert. Doch diese 4. Marktgräfinnenwanderung habe einmal mehr Mut gemacht, in Richtung Ehrenamtlichkeit weiter zu wirken. Sie als amtierende Markgräfin wolle dabei jedenfalls mit bestem Beispiel vorangehen.“