1. Pfälzischer Merkur

Zweibrücken: Bürger beobachtet Flugzeug und wittert Kerosin-Ablass, Bundeswehr dementiert

Bundeswehr dementiert : Verdächtige Streifen: Bürger wittert Kerosin-Ablass

Bundeswehr dementiert: Die weißen Streifen seien „Luftverwirbelungen“. Augenzeuge Thomas Broschart: „Ich bin skeptisch“.

Ein Flugzeug nähert sich Zweibrücken, dreht eine Schleife, kommt wieder zurück, fliegt dicht über die Rosenstadt hinweg – und zieht dabei weiße Streifen hinter sich her. Diese Beobachtung hat Thomas Broschart gemacht. Und er ist beunruhigt. Der Zweibrücker wittert nämlich: Es könnte sich hier um einen weiteren Fall von Kerosin-Ablass gehandelt haben.

Rheinland-Pfalz ist in dieser Hinsicht durchaus leidgeprüft. Alleine in den Jahren 2016 bis 2018 kam es laut Umweltministerium zu insgesamt 17 Treibstoff-Ablässen; dabei wurden in der Gesamtsumme 563 Tonnen Kerosin über Rheinland-Pfalz abgelassen (vielfach waren dabei die Regionen Pfälzerwald, Südwestpfalz, Hunsrück und Eifel betroffen; wir berichteten mehrfach).

Thomas Broschart sieht also berechtigte Gründe dafür, nachzubohren, wie er bei seinem Anruf in der Merkur-Redaktion deutlich macht.

„Am 3. September, in der Zeit von 12.45 bis 13.10 Uhr, habe ich das Flugzeug, das diese eigentümliche Schleife über unserer Region flog, beobachtet“, sagt er. „Die Maschine flog über Martinshöhe in Richtung Ramstein. Dann geriet sie außer Sichtweite, plötzlich tauchte sie rechts von Ramstein wieder auf und flog dann direkt – und für mein Empfinden auch relativ tief – über Zweibrücken hinweg.“

Broschart sagt, er habe beobachtet, wie die Maschine „zwei weiße Striche“ hinter sich herzog. Für den Zweibrücker ein Hinweis, dass womöglich Treibstoff abgelassen wurde.

„Kondensstreifen können es nicht gewesen sein. Die bilden sich meines Wissens erst in einer Höhe von 4000 bis 5000 Metern.“

Die von ihm beobachtete Maschine sei auf jeden Fall niedriger geflogen – er habe dort fast ins Cockpit schauen können, veranschaulicht Broschart und legt zur Dokumentation mehrere Fotos vor, die er von dem Fluggeschehen machte (siehe Foto unten links). Der Zweibrücker sagt, er habe bei den Fotos nicht herangezoomt.

Broschart sagt, er habe das Geschehen am 3. September in seiner Mittagspause verfolgt, zwei Monteure einer anderen Firma, die mit ihm die Pause verbrachten, hätten das Flugmanöver gleichfalls beobachtet. Auch die beiden Monteure seien über das Verhalten der Maschine, die Kurve, die diese flog, verwundert gewesen.

Welche Maschine könnte es gewesen sein? Der Merkur fragte bei der DFS (Deutsche Flugsicherung) in Hessen nach. Die dortige Presseabteilung hat keine Informationen zu besagtem Flug und verweist auf das Luftfahrtamt der Bundeswehr in Köln.

Dort wiederum erklärt ein Sprecher schriftlich auf unsere Anfrage: „Bei dem angesprochenen Flugbetrieb handelt es sich um ein Transportflugzeug der Bundeswehr vom Typ A-400M. Das Luftfahrzeug flog in dem angegebenen Zeitraum im Rahmen von Absetzübungen im Bereich Zweibrücken.“

Und wurde bei diesem Flug Kerosin abgelassen? Die Antwort: „Bei Treibstoffschnellablässen handelt es sich um ein meldepflichtiges Ereignis. Die erfolgten Treibstoffschnellablässe werden auf der Internetseite des Luftfahrt-Bundesamt unter www.lba.de veröffentlicht. Zur Einsicht muss in das Suchfenster der Homepage LBA ,Treibstoffschnellablass’ eingegeben werden.“

Weiter erklärt der Sprecher: „Ich gehe bei den in den Bildern dokumentierten Streifen von sogenannten ,Contrails’ aus. Dabei handelt es sich um Luftverwirbelungen an den Tragflächenenden.“

Nun ist diese Antwort weder ein klares Ja oder Nein. Der Merkur fragt abermals nach. Daraufhin merkt ein Sprecher des Luftfahrtamtes der Bundeswehr deutlich an, dass „während des Flugs kein Treibstoff abgelassen worden ist“.

Thomas Broschart beruhigt diese Antwort nicht. „Ich bin skeptisch“, sagt er. Der Zweibrücker erklärt, er sei gelernter Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister. Er verfüge über sensible Messgeräte „mit sogenannten VOC-Fühlern“. Diese hätten nach dem von ihm beobachteten Flugmanöver eine Luftverschmutzung in den Räumlichkeiten in Zweibrücken, in denen sie platziert seien, gemessen.

„Vorher zeigten sie 0,7 Volt an – beide Fühler gingen nach dem Flugmanöver auf 2,7 Volt hoch.“ Für Nichtexperten bringt es Broschart auf den Punkt: „Die Anlagen haben eine erhebliche Verschlechterung der Luft in den Räumen gemessen.“

Nun sei dies kein eindeutiger Beleg, dass aus dem Flieger wirklich Kerosin abgelassen wurde – und dass dieses zu Boden sank und in dem Bereich, in dem Broscharts Messinstrumente aufgestellt waren, für besagte erhebliche Luftverschmutzung sorgten.

Zumal Experten, die in der Vergangenheit die Praxis des Treibstoff-Ablasses aus Flugzeugen verteidigten, dies mit der Begründung taten, unten, auf dem Boden, komme von dem Kerosin praktisch nichts mehr an, der Treibstoff (der bereits in geringsten Mengen als hochgiftig und krebserregend gilt), werde in der Luft verwirbelt.

Broschart sieht diese Aussagen von Experten allerdings skeptisch. Ebenso wie die Aussage der Bundeswehr, im konkreten Fall am 3. September sei über Zweibrücken und der Region überhaupt kein Treibstoff abgelassen worden.

Der Zweibrücker argwöhnt, dass die Menschen in den betroffenen Regionen lediglich beruhigt werden sollen. Und die Aussage der Bundeswehr, am 3. September habe er lediglich „Contrails“ beobachtet, befriedigt ihn keineswegs.

Rheinland-Pfalz ist in Sachen Kerosin-Ablass leidgeprüft. Alleine in den Jahren 2016 bis 2018 wurden laut Umweltministerium 563 Tonnen Kerosin über Rheinland-Pfalz abgelassen. Foto: dpa/Daniel Reinhardt

„Ich werde mit den Herstellern der Fühler meiner Messgeräte Kontakt aufnehmen. Ich werde sie bitten, Tests zu machen, Öldampf zu vernebeln und im Anschluss zu prüfen, wie die Fühler darauf reagieren“, kündigt er an. „Ich bleibe am Ball.“