1. Pfälzischer Merkur

Virtueller Verbandstag des Saarländischen Fußballverbandes

Unterschiedliche Ansichten : Der eine will gar keinen Aufsteiger – der andere gleich drei

Die verschiedenen Interessen der Clubs beim virtuellen Verbandstag des Saarländischen Fußballverbandes unter einen Hut zu bekommen, scheint eine kaum lösbare Aufgabe. Wie die unterbrochene Saison im Falle eines Abbruchs gewertet würde, hätte Auswirkungen auf mehrere Saarpfalz-Vereine.

Hoffentlich denken die Vertreter der saarländischen Fußballvereine daran, die Akkus ihrer Laptops, Smartphones oder Tablets vor dem 9. Juni gründlich aufzuladen. Denn beim Verbandstag des Saarländischen Fußballverbandes (SFV) – der online durchgeführt wird – warten ein strammes Programm und viele kontroverse Fragen. Die Krux: Die sportliche Wertung der bisher nur unterbrochenen Saison wird in jedem Fall Verlierer hervorbringen.

Überwiegende Einigkeit herrscht in folgendem Punkt: Die Runde soll abgebrochen werden. Das hatte bereits eine Umfrage des Verbandes im April ergeben. 75 Prozent der Clubs gaben damals an, in dieser Spielzeit nicht mehr kicken zu wollen.

Final entschieden wird das – voraussichtlich – am 9. Juni. Vor der Online-Versammlung sind 19 Anträge verschiedener Clubs beim Verband eingegangen, welche dieser am Dienstagabend auf seiner Internetseite veröffentlichte. Die Anträge decken sich weitestgehend mit dem vorangegangenen Votum. Nur der ATSV Saarbrücken möchte, dass die Saison zu Ende geführt wird. Und der TuS Nohfelden plädiert dafür, die Entscheidung zu vertagen. Denn aktuell sei „nicht abschätzbar, wann ein Spielbetrieb (...) wieder möglich sein wird. Aus dieser Ungewissheit heraus sollte man sich nicht der sinnvollsten Option berauben“, so der TuS.

Doch in allen anderen 17 Vereinsanträgen wird der Abbruch der Runde gefordert. In dieser Hinsicht liegen die Clubs also auf der Linie des Verbandes, der selbst einen entsprechenden Antrag eingereicht hat.

Unterschiede gibt es dennoch. Denn darüber, wie die Saison sportlich gewertet werden soll, herrscht Uneinigkeit. Der SFV möchte, dass der Meister der jeweiligen Spielklasse aufsteigt. Dieser soll durch den Quotient aus den erreichten Punkten und den ausgetragenen Spielen zum Zeitpunkt des Abbruchs ermittelt werden. Weitere Aufsteiger soll es nicht geben, Relegationsspiele entfallen. Es werden auch keine Absteiger ermittelt. In der Folgesaison solle es dafür einen vermehrten Abstieg geben. Geltende Regelungen zu Vereinswechseln blieben damit unverändert gültig.

Diesem Vorschlag will man unter anderem bei der DJK Ballweiler-Wecklingen nicht folgen. Die erste Mannschaft des Vereins, die von Peter Rubeck trainiert wird, liegt in der Verbandsliga Nordost auf Rang zwei. Wenig überraschend also, dass die DJK fordert, dass auch der laut Quotientenregel Zweitbeste den Gang in die klassenhöhere Saarlandliga antreten darf. Dafür plädiert der Verein im Gegensatz zum SFV dafür, dass der Tabellenletzte absteigen soll.

Insbesondere bei der Auf- und Abstiegsfrage gehen die Meinungen der Clubs weit auseinander. Einige plädieren wie der SFV dafür, dass niemand absteigt. Die SF Bietzen-Harlingen fordern hingegen gleich zwei Absteiger. Auch die Zahl der geforderten Aufsteiger variiert in den Anträgen. Der TuS Lappentascherhof, Tabellenzweiter der Kreisliga A Bliestal, möchte zwei Mannschaften das Aufstiegsrecht einräumen. Sollten aber die Teams auf den Plätzen zwei und drei den gleichen Quotienten aufweisen, sollen laut TuS-Antrag beide aufsteigen. Das würde in dieser Spielklasse bedeuten, dass auch der Dritte SV Höchen, der punktgleich bei gleicher Anzahl ausgetragener Spiele hinter Lappentascherhof liegt, in die Bezirksliga aufsteigen dürfte.

Auch im Hinblick auf den Zeitpunkt der Wertung gibt es unterschiedliche Ansichten. So sind beispielsweise die SF Hostenbach dafür, nicht den Quotienten beim Abbruch der Runde heranzuziehen – sondern die Hinrundentabelle. Der FC Rastpfuhl stört sich unterdessen an der Quotientenregelung selbst. Der FCR liegt in der Verbandsliga Südwest mit zwei Punkten vor dem FV Siersburg an der Tabellenspitze, weist aber den minimal schlechteren Quotienten auf, weil Siersburg ein Spiel weniger ausgetragen hat. Rastpfuhl beantragt nun, dass nur die Tabellenplatzierung berücksichtigt wird – oder beide aufsteigen. Der VFL Primstal und der FV Biesingen fordern indes gleich eine komplette Annullierung der Saison – ganz ohne Auf- oder Absteiger.

Fortsetzung oder Abbruch? Keine Aufsteiger oder gleich drei? Quotient oder Platzierung? Wertung aller Spiele oder nur der Hinrunde? Der Verbandstag wird zahlreiche Entscheidungen treffen müssen, die manchem Verein nicht schmecken werden. Da zudem erste Beratungen über die mögliche Spielklassenreform sowie die Fortsetzung des Saarland-Pokals (wir berichteten) auf der Tagesordnung stehen, sollten sich die Vereinsvertreter auf einen langen Tag einstellen. Und ihre mobilen Endgeräte aufladen.

www.saar-fv.de