Wohin mit jungem Terrorverdächtigen?

Ein damals erst zwölf Jahre alter Deutsch-Iraker soll einen Anschlag auf den Ludwigshafener Weihnachtsmarkt geplant haben. Er fliegt auf. Hinter verschlossenen Türen will das Familiengericht nun klären, wo der Junge künftig unterkommt.

Das Familiengericht Ludwigshafen berät heute an geheimem Ort über die weitere Unterbringung eines 13-jährigen Terrorverdächtigen. Er steht im Verdacht, im vergangenen Jahr einen Anschlag auf den Ludwigshafener Weihnachtsmarkt geplant zu haben. Der noch strafunmündige Junge wurde zunächst mit Zustimmung der Eltern in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht und befindet sich laut Behörden derzeit außerhalb von Ludwigshafen.

Die Jugenddezernentin von Ludwigshafen, Cornelia Reifenberg, hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass nach langem Suchen ein freier Träger der Jugendhilfe für die pädagogische Betreuung gefunden worden sei. Es sei vorstellbar, dass dies zu einer langfristigen Lösung führen könne, sagte Reifenberg. Bundesweit sei zuvor erfolglos bei rund 100 Trägern der Kinder- und Jugendhilfe nach einer Unterbringung für den Jugendlichen gesucht worden.

Das rheinland-pfälzische Innenministerium hält den Jungen nach wie vor "in gewisser Weise für gefährlich." Diese Bewertung sei aber nicht in Stein gemeißelt und werde fortlaufend aktualisiert, teilte das Ministerium in der vergangenen Woche mit.

Aus Sicherheitsgründen wird die Anhörung nach Angaben der Ludwigshafener Justiz nicht im Amtsgericht stattfinden. Es gab keine konkreten Angaben dazu, wie lange die Anhörung voraussichtlich dauern wird und wann möglicherweise mit einer Entscheidung zu rechnen ist.

Der damals erst zwölf Jahre alte Deutsch-Iraker soll am 26. November auf dem Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen vergeblich versucht haben, ein mit Sprengpulver gefülltes Konservenglas zu zünden. Am 5. Dezember soll er das Glas in einer Tasche nahe dem Rathaus deponiert haben, wo es entdeckt wurde (wir berichteten). Dieser Fall hatte bundesweit für einiges Aufsehen gesorgt.

Das Landeskriminalamt (LKA) in Mainz wertet den jungen Deutsch-Iraker als Indiz dafür, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) über das Internet zunehmend auch strafunmündige Kinder ins Visier nimmt. Nach Ansicht der Behörden könnte es künftig weitere Fälle von radikalisierten Minderjährigen geben. Das rheinland-pfälzische Familienministerium kündigte in der vergangenen Woche an, die Präventionsarbeit zu verstärken und damit bereits in Kindertagesstätten und Schulen zu beginnen.