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Kaum neue Lehrer: Viele Musikschulen blasen Trübsal

Kaum neue Lehrer : Viele Musikschulen blasen Trübsal

Es fehlt an Geld und auch an Nachwuchslehrern. Hilfe erhoffen sich die Schulleiter vom Land. Es gibt aber auch ein Zeitproblem.

Den Musikschulen in Rheinland-Pfalz macht neben der Finanzierung und Zeitstress der Kinder durch Ganztagsschulen zunehmend auch ein Mangel an Lehrkräften zu schaffen. Immer weniger junge Menschen interessierten sich für den Beruf des Musikschullehrers, weil er als sozial unsicher wahrgenommen werde, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Musikschulen in Rheinland-Pfalz, Christoph Utz. Das Thema stand auch auf dem Programm der Mitgliederversammlung des Verbandes am Freitag in Frankenthal.

Die Situation werde zunehmend dadurch verschärft, dass viele Musikschullehrer als Honorarkräfte ohne soziale Absicherung arbeiten müssten, sagte Utz. Auch die nicht enden wollende Diskussion um die Finanzierbarkeit von freiwilligen Leistungen der Kommunen trage zur Verunsicherung bei. Qualifizierte Kräfte seien aber nötig, wenn man guten Unterricht anbieten und die mit den Eltern geschlossenen Verträge erfüllen wolle.

Der zunehmende Trend zu Ganztagsschulen in Rheinland-Pfalz ist nach Utz‘ Darstellung für die Musikschulen mit Chancen und Problemen verbunden. Einerseits biete sich hier eine neue Betätigung für die Musikschulen, indem sie Musik-AGs für die Kinder in der Schulzeit organisierten. Dabei gehe es aber nicht um Instrumental- oder Gesangsunterricht – also das Kerngeschäft der Musikschulen. Den außerschulischen Unterricht in Einklang mit der Ganztagsschule zu bringen, die mitunter bis 17.30 Uhr dauere, werde immer schwieriger, weil die Kinder weniger Zeit dafür hätten, berichtete Utz.

Hinzu kämen andere Schwierigkeiten, zum Beispiel, dass oft beide Elternteile berufstätig seien und keine Zeit dafür hätten, das Kind nach der Schule noch in die Musikschule zu fahren. „Da haben sich einfach Strukturen verändert“, sagte Utz. „Das ist kein Problem der Nachfrage, sondern der Organisation.“

Umso mehr ist es nach Ansicht von Utz es nötig, Wege zu finden, wie Musikschulen mit jenen Einrichtungen kooperieren könnten, in denen die Kinder sich tagsüber aufhielten. „Das ist eigentlich unser zentrales Problem.“ Auf diese Weise könnten auch viele Kinder und Jugendliche für den Instrumental- und Gesangsunterricht gewonnen werden, die sonst nicht den Weg in die Musikschule fänden.

Um sicherstellen zu können, dass der Musikschulunterricht für alle erschwinglich bleibe, müsse das Land seine Zuschüsse erhöhen, forderte Utz. Die Landesförderung für die 42 kommunalen Musikschulen habe einmal zehn Prozent des Gesamtbudgets der Musikschulen in Rheinland-Pfalz ausgemacht. Derzeit liege es mit 2,8 Millionen Euro aufgrund mehrjähriger Stagnation nur noch bei sieben Prozent.

Geschätzte 3,45 Millionen Euro wären derzeit aber nötig, um die Musikschulen in ihrer Substanz zu erhalten, meinte Utz. Dabei erfordere die Übernahme zunehmender Aufgaben wie der Integration, der frühkindlichen Bildung und der Inklusion eigentlich noch mehr.

Das Kulturministerium in Mainz erklärte, Rheinland-Pfalz stehe im Vergleich mit anderen Ländern gut da. In den Jahren vor 2014 sei die Förderung der Musikschulen auch immer wieder erhöht worden, so etwa 2002 von 1,5 Millionen auf 2,5 Millionen Euro und dann noch einmal 2006 und eben 2014. Angesichts der schwierigen Haushaltssituation in Zeiten der Schuldenbremse sei dies bereits ein Fortschritt, der so in anderen Förderbereichen nicht umgesetzt worden sei.

„Es ist wichtig, dass die Gebühren für die Eltern erschwinglich bleiben“, meinte indes Utz. Tatsächlich müssten die Gebühren aber regelmäßig erhöht werden. „Das erschwert die Zugänglichkeit für alle.“ An manchen Schulen lägen die Gebührenanteile der Eltern inzwischen bei 75 Prozent der Kosten. Damit sei das Gebührenniveau teilweise so hoch, dass von einer Bildungsgerechtigkeit im Land im Bereich der musisch-kulturellen Bildung kaum noch gesprochen werden könne. Zukunftsfähig sei eine dauerhafte Aufteilung: „Ein Drittel Land, ein Drittel Kommunen, ein Drittel Eltern.“

(dpa)