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Tierauffangstation „Tierart“ in Maßweiler

Tierauffangstation „Tierart“ in Maßweiler : Entsetzt vom Leid, begeistert vom Einsatz

Bei der Spendenübergabe gab es für die Zumba-Gruppe von Carolin Drumm auch eine Führung durch die Tierauffangstation.

Der Besuch der Tierauffangstation „Tierart“ in Maßweiler warf die Mitglieder der Zumba-Gruppe der Zweibrückerin Carolin Drumm in ein Wechselbad der Gefühle. So begeistert die zehn Frauen von der großartigen Leistung des Vereins „Pfotenhilfe“ auf dem Gelände der ehemaligen SS-Station im Wallhalbtal sind, so entsetzt waren sie über die Leidensgeschichten, die viele der dort untergebrachten Tiere erlebt hatten. „Wenn Kinder dabei sind, erzähle ich das deutlich abgespeckter“, erklärte Tim Zeller. Dem 32-jährigen Zoo-Tierpfleger sind die Liebe zu seiner Aufgabe und der verantwortungsbewusste Umgang mit den ihm anvertrauten, oft traumatisierten Tieren spürbar anzumerken.

Jedes der Tiere, Tiger, Puma, Wildkatzen, Füchse, Waschbären, Rehe, Igel, Schafe und Ziegen, hat einen Namen. Wie Lulu, das schwarze Kamerunschaf, das frei herumläuft. Da Lulu nicht weiß, dass sie ein Schaf ist, lässt sie sich entsprechend nicht in die bunt gemischte Schafherde integrieren. „Ihr dürft sie auf keinen Fall streicheln“, warnte Tim Zeller. Das fände das zutrauliche Schaf, das leider ohne jeglichen Kontakt zu Artgenossen als Haustier von Hand aufgezogen wurde, zwar toll, doch dann beginne sie vor Begeisterung den Menschen zu stubsen. „Da ist schnell eine Kniescheibe durch“, warnte der Zootierpfleger.

Das unterschätzte Risiko und eine zunehmende Population in Deutschland beschert der Tierauffangstation aktuell auch eine Flut an Waschbären. Wie putzig sind die kleinen Kerlchen mit ihren hübschen Gesichtern und dem langen, buschigen Schwanz, ihrer nachweislich hohen Intelligenz und den geschickten Fingern. Das finden leider auch viele vermeintliche Tierliebhaber, die Waschbären dann als Haustier halten. Im Babyalter ist das noch niedlich, doch ausgewachsene Tiere können mit einem Biss eine Walnuss knacken. „Wenn die dann im Spiel oder Ärger mal zubeißen, stellen viele fest, dass diese Haustierhaltung doch keine so gute Idee war“, berichtet Tim Zeller. 300 Anfragen für die Unterbringung von Waschbären hatte Tierart in diesem Jahr. Doch mit einem Gehege für Jungtiere und einer ganzen Gehegereihe für erwachsene Tiere ist die Kapazität ausgereizt.

Die Aufgabe der Tierauffangstation ist es, bedrohte Tiere zu heilen, aufzuziehen und aufzupäppeln und dann wieder auszuwildern. Da Waschbären in Deutschland nach dem Gesetz nicht heimisch seien, dürfen sie nicht ausgewildert werden und müssen bleiben. Igel und vor allem Füchse werden in artgerechter Haltung jedoch schrittweise dem helfenden Menschen wieder entwöhnt und ausgesetzt.

„Hier werdet ihr keinen Fuchs sehen“, prophezeite der Tierfachmann an einem Fuchsgehege mit unzähligen Bauten und Unterschlüpfen. Er freute sich: „Das ist auch gut so.“ Nähere sich ein Fuchs in Freiheit vertrauensvoll einem Menschen, stehe er gleich unter Tollwutverdacht und werde erschossen. Bei den nur wegen ihres Fells so gezüchteten Silber- und Pastellfüchsen beschrieb Tim Zeller das brutale Geschäft der Pelzindustrie.

Viel lieber hörte die Gruppe die Geschichte der ehemaligen Zirkus-Tigerin Varvara, die auf Grund falscher Ernährung als halbtoter Trümmerhaufen nach Maßweiler kam. Zufrieden lag das edle Tier in seinem großen Gehege in der Sonne und schlief. Die Tierpfleger hatten vor fünf Jahren wenig Hoffnung gehabt, die jetzt 17-jährige Seniorin jemals wieder so weit zu bringen.

Zu den besonderen Erfolgserlebnissen zählt auch Rubby, der zierliche Rehbock. Rehe seien fast unmöglich aufzuziehen, da sie ein sehr kompliziertes Verdauungssystem hätten. „Außerdem geben sie schnell auf“, weiß Tim Zeller um den oft mangelnden Überlebenswillen. Hatte im vergangenen Jahr von zehn Rehen nur eins überlebt, waren es in diesem Jahr schon zwei von drei Tieren. Dabei sei nicht jedes gemeldete Jungtier wirklich ein Problemfall. Blieben Menschen direkt neben einem Kitz stehen und riefen nach Stunden bei Tierart an, weil die Mutter nicht komme, liege das schlicht an deren Fehlverhalten. Menschen meinten oft, Tierbabies bräuchten Hilfe. Doch anders, als Menschen-Babies, seien diese viel schneller viel weiter entwickelt. Gehen die Eltern auf die Jagd, verstecken sie den Nachwuchs. Wird er von Menschen gefunden und in bester Absicht „gerettet“, entstehe ein unnötiger „Problemfall“.

400 000 Euro Fixkosten inklusive den Gehältern für die rund 20 Mitarbeiter, Futter, Tierarztkosten und Baumaßnahmen hat die Tierauffangstation jährlich. Da wegen Corona die Einnahmen bringenden Führungen ausfallen mussten, hatte Carolin Drumm als passives Mitglied bei TierArt Einnahmen aus ihren Zumbakursen gespendet. Weitere Teilnehmerinnen und Tierart-Sympatisantinnen hatten sich angeschlossen, sodass die Übungsleiterin bei der Führung am Sonntag die stolze Summe von 600 Euro liebevoll verpackt überreichen konnte. Der Verein ist froh, dass mit Auflagen und in kleineren Gruppen wieder Führungen stattfinden.

www.tierauffangstation.de