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Straßburg eröffnet Drogenkonsum-Raum

Straßburg eröffnet Drogenkonsum-Raum

Experten rechnen mit rund 100 Besuchern pro Tag: In der elsässischen Metropole Straßburg ist ein Drogenkonsumraum eröffnet worden, wo Abhängige unter medizinischer Aufsicht eigene Opiate einnehmen können.

In Straßburg ist jetzt ein Drogenkonsumraum eröffnet worden. In einem Gebäude neben der Uniklinik können Abhängige ihr mitgebrachtes Heroin oder Kokain konsumieren. Anfang Oktober wurde in Paris der erste Drogenkonsumraum in Frankreich eröffnet. Der Raum in Straßburg nun Raum hat die Besonderheit, dass er sich grenzüberschreitend an Abhängige richtet. Zum einen sind die 16 Mediziner, Psychologen und Sozialarbeiter im Haus ein deutsch-französisches Team. Zum anderen sind die Türen sowohl für Abhängige aus Straßburg als auch für die aus dem angrenzenden badischen Landkreis Ortenau offen. Ortenau bildet seit dem Jahr 2010 mit der Stadtgemeinschaft Straßburg als "Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit" den "Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau".

Mit einer grenzüberschreitenden Substitutionspraxis in Kehl, die September 2013 startete, war ein Anfang bei der Drogenhilfe über die Grenzen gemacht. Den gewünschten gemeinsamen Drogenkonsumraum in Straßburg ließ das französische Recht aber lange nicht zu. In Straßburg gehen rund 20 Prozent der verkauften Opiate in die Hände von Abhängigen, die aus dem Badischen kommen. Im Dezember 2015 hatte das französische Parlament aber beschlossen, probeweise für sechs Jahre Drogenkonsumräume in Paris, Bordeaux und Straßburg zuzulassen.

Im "Drogenkonsumraum mit vermindertem Risiko" - so die offizielle Bezeichnung - werden die Abhängigen mit einem Code anonym registriert, zeigen ihre Drogen und erhalten fürs Spritzen, Schnupfen oder Inhalieren sterile Geräte. Außerdem wird medizinische, psychologische sowie soziale Hilfe angeboten.

Der seit 1998 in Straßburg zur Suchthilfe aktive Verein "Ithaque" rechnet mit rund 100 Abhängigen pro Tag, die den Raum in Anspruch nehmen. Alexandre Feltz, in Straßburg beigeordneter Bürgermeister für Gesundheit, sieht es als "eine optimale Sache".

Die Kosten von rund 400 000 Euro für den Drogenkonsumraum wurden von der Stadt Straßburg und dem elsässischen Gesundheitsamt mit je 150 000 Euro sowie von der Uniklinik Straßburg und dem Eurodistrikt Strasbourg-Ortenau mit je 50 000 Euro finanziert. Die jährlichen Betriebskosten von rund einer Million Euro übernimmt die Sozialversicherung aus einem Fonds für Gesundheitsvorbeugung.