Reiterferien beim RV Dahnertal : Fast unbegrenzte Möglichkeiten

In den Reiterferien beim RV Dahnertal haben Kinder und Jugendliche jede Menge Spaß mit ihrem Lieblingstier. Fast spielerisch lernen sie dabei besser reiten und fürs Leben.

„Schön links belasten, leicht links zupfen und rechten Schenkel dran. Dann geht dein Pferd auch schön um die Wendung“, korrigiert Gabi Rauscher die junge Reiterin in dem Stangenlabyrinth. Selbst im Presse-Gespräch behält die Reitlehrerin beim RV Dahnertal alle ihre Ferienkinder im Blick. Heute dürfen sie die Schulpferde durch einen vielfältigen Gelassenheitsparcours reiten. Fast nach Indianermanier: Ohne Sattel, den Popo in der Reithose direkt auf dem Pferderücken. So ist jede Bewegung des Pferdes viel genauer zu erspüren als im Sattel.

Pferde wie Tommy-Pony vertragen überhaupt nicht, wenn jemand am Zügel zerrt. „Wenn man über Gewicht und Schenkel mit ihm kommuniziert, reagiert er sofort“, erklärt die passionierte und erfahrene Reitlehrerin. Sie sagt: „Ich habe da schon meinen Ehrgeiz: Die Kinder sollen in dieser Ferienwoche auch wirklich etwas lernen und mitnehmen – und dabei Spaß haben.“

Ein Blick in die zwar konzentrierten, jedoch strahlenden Gesichter rundum bestätigt: das klappt. Reitschüler wie die sechs Schulpferde in der lichten Reithalle sehen gleichermaßen zufrieden aus. Gelassen schreiten sie über die klappernde Holzwippe, über Plastikplanen, durch den blauen, mit Wasser gefüllten „Graben“, das kunterbunte Bällchenbad oder den Hütchenslalom.

„Wir haben jeden Morgen etwas anderes gemacht“, berichtet Lara Bromm. Die 18-jährige Reiterin betreut seit einigen Jahren das Ferienlager gemeinsam mit Gabriele Rauscher-Klein und Ehemann Peter Klein. Mit sichtlichem Spaß. Begeistert zählt auch das Dutzend Acht- bis 16-Jähriger auf: Neben dem Gelassenheitstraining Reiterspiele, Voltigieren, Sitzübungen an der Longe. Bei den Reiterspielen führten sie sich in zwei Mannschaften durch einen Parcours, holten einen Löffel, balancierten die darauf platzierte Kartoffel um die Wette rund um ein Hindernis.

Dass Sitzübungen an der Longe nicht nur extrem nützlich für einen verbesserten Sitz im Sattel und das erwünschte, lockere Mitschwingen mit der Bewegung des Pferdes aus dem Becken heraus sind, bestätigt Luca Naab. „Das hat super Spaß gemacht. Ich habe dann viel besser auf dem Pferd gesessen“, erzählt der 13-Jährige.

Beine hochziehen bis weit über den Widerrist des Pferdes, dessen höchste Rückenstelle gleich vor dem Sattel, oder eben ausbalancieren auf dem Franklin-Ball, einem knochenförmigen Sitzball, war für viele eine neue Erfahrung. Den Kindern gefielt besonders gut die Kombination aus Reiterspielen am Vormittag und Reitstunden am Nachmittag.

Selbstverständlich gehört auch das fachgerechte Umsorgen der anvertrauten Pferde dazu: von der Koppel holen, Hufe auskratzen, Beine abspritzen, putzen oder füttern. „Meine Schulpferde sind mein Augapfel“, betont Gabi Rauscher-Klein. Die bei ihrem Erwerb zum Teil als „unhändelbar“ eingestuften, heute kooperativen Pferde verrichteten alle einen „tollen Job“, bei dem die Reitschüler viel lernen könnten. Die Kinder und Jugendlichen gehören in den Ferien nur teilweise zum Verein, sondern kommen aus einem weiten Umkreis. Trotz Corona-Auflagen hat sich der RV Dahnertal dazu entschlossen, eine Ferienfreizeit sogar mit Übernachtung anzubieten. „Wenn sich sich die Menschen in Ferienfliegern knubbeln dürfen, können wir auch den ganzen Tag an der frischen Luft und mit Abstand zueinander agieren“, findet der Vereinsvorsitzende, Peter Klein. Der gelernte Koch bereitet auch das beliebte Mittagessen zu, etwa Spaghetti mit Blognese und für die Vegetarier Spirulini mit frischen Tomaten und Mozarella.

Im Indianer-Tipi und einem weiteren Zelt, dem Heulager auf dem Dachboden, der leeren Reiterstube und leeren Pferdeboxen findet jedes der acht Übernachtungskinder seinen eigenen, ruhigen Schlafplatz. Nur das Schnauben der Pferde ist zu hören. Gabriele Rauscher-Klein lacht: „Wir haben hier fast unbegrenzte Möglichkeiten.“