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Polizei befragt Kinder mit Plüschbären

Polizei befragt Kinder mit Plüschbären

Nach den sexuellen Übergriffen unter Kindern in einer Mainzer Kita ermittelt die Polizei auch mit Hilfe ihres Maskottchens. Die Hoffnung ist, dass die jungen Zeugen auf diese Weise eher etwas erzählen.

Sexuelle Übergriffe unter Kindern in einer katholischen Kita in Mainz haben bundesweit Schlagzeilen gemacht - nun befragt die Polizei ganz junge Zeugen mit einem Plüschbären. "Oskar ist unser Polizeimaskottchen, so groß wie manches Kind und ganz kuschelig", sagte Kriminalhauptkommissarin Ines Rose der Deutschen Presse-Agentur. "Wir können mit Oskar nachspielen, wofür das Kind vielleicht keine Worte hat. Es kann bei ihm auch dahin deuten, wo es möglicherweise angefasst worden ist."

Zu Details der Ermittlungen in der katholischen Kita äußerte sich Rose nicht - das obliegt der Staatsanwaltschaft. In der Einrichtung soll es laut dem Bistum Mainz schwere sexuelle Übergriffe, Erpressung und Gewalt unter den Kindern gegeben haben. Die Diözese kündigte den sieben Mitarbeitern und schloss die Kita bis September (wir berichteten).

Ines Rose (56), seit 36 Jahren bei der Kripo und mit einer zusätzlichen Ausbildung als Psychotherapeutin, befragt ihre jüngsten Zeugen in einem besonderen Raum im Mainzer Polizeipräsidium. Dort gibt es keinen Schreibtisch, aber halbrunde gemütliche Bänke.

Nach einem Vorgespräch mit den Eltern und dem Kind zeigt Rose ihm die Videokameras, die alles aufzeichnen. Es soll sich erst mit der Situation vertraut machen. Nur wenn der kleine Zeuge zustimmt, beginnt die Polizistin mit ihren Fragen: "Wir zwingen niemanden." Zuerst erkundigt sie sich etwa nach Familie und Freunden. "Dann frage ich behutsam weiter, so frei wie es geht, ohne Suggestivfragen."

Problematisch sei, dass die Kinder oft bereits von ihren Eltern befragt worden seien. "Das verändert die Aussagen, dann ist es schwer für die Kinder, das auseinanderzuhalten. Das vermischt sich", erklärte Rose.

Höchstens eine halbe Stunde lang spricht sie mit einem kleinen Jungen oder einem kleinen Mädchen. Dann erstellt sie am Schreibtisch gemäß den Videoaufzeichnungen ein Protokoll, Wort für Wort.