Nashörner bekommen Polizeischutz

Aus Angst vor Angriffen von skrupellosen Wilderern hat der Zoo im lothringischen Amnéville jetzt seine Sicherheitsmaßnahmen erhöht.

Auch vor den Zoos in Frankreich machen Trophäenjäger längst nicht mehr Halt. Anfang März wurde das Nashorn Vince mitten im Zoo von Thoiry bei Paris von Wilderern erschossen. Die Täter sägten das Horn des Dickhäuters ab und nahmen es mit. Im Zoo von Amnéville leben acht Nashörner. Um ihre Sicherheit macht sich Zoo-Direktor Michel Louis jetzt Sorgen: "Bereits 2011 hat uns Interpol darüber informiert, dass das Horn eines Nashorns in einem Museum gestohlen worden ist", sagt er unserer Zeitung auf Anfrage.

Für das Nashorn ist sein Horn lebenswichtig. Das Tier benutzt es, um damit den Boden abzusuchen. Den Tätern ist das egal. Sie verkaufen das Horn, das rund 55 000 Euro pro Kilogramm auf dem Schwarzmarkt wert ist. Die Nachfrage ist groß. "In einem sehr verbreiteten chinesischen Volksglauben gilt das Keratin, das sich im Horn befindet, als potenzsteigernd", erklärt Louis. Viele Chinesen glaubten, dass Krebs durch Keratin besiegbar sei.

Vor sechs Jahren hat der Zoo Amnéville seine Sicherheitsmaßnahmen bereits erhöht. Aber seit dem Überfall in Thoiry hat die Geschäftsführung nun Kontakt zur Polizei aufgenommen. Die Beamten fahren nun regelmäßig Streife am Zoo. "Wir haben auch Sicherheitspersonal, das jede Nacht im Zoo ist. Seit dem tragischen Vorfall in Thoiry haben sie Navigationsgeräte mit verstärktem Signal. Damit kann das Sicherheitspersonal die Polizei genau informieren, wo etwas Verdächtiges stattfindet", erklärt Louis.

Seit der Tat von Thoiry hätten die Zoo-Mitarbeiter bemerkt, dass die Besucher sich mehr für die Nashörner interessierten und sich mit ihnen beschäftigten. Und es gibt auch positive Nachrichten von den Nashörnern in Amnéville: Vor zwei Wochen kam dort wieder ein Nashorn-Baby auf die Welt. Weiterer Nachwuchs werde erwartet, denn eine andere Nashorn-Dame sei trächtig, heißt es.