Mitmach-Show mit vielen Tiefen

Kaum lustig, oft krampfig, immer wieder peinlich berührend: So war Ralf Schmitz' Auftritt am Samstag in der Saarbrücker Congresshalle für Nicht-Fans. Die waren aber in der Minderheit. Die meisten der 1300 Zuschauer jubelten.

Für die einen ist es ein witzloser Abend der Peinlichkeiten und enttäuschten Erwartungen, für die anderen genau die erwartet-geniale Show der etwas anderen Art: Comedian Ralf Schmitz wusste am Samstagabend in der Saarbrücker Congresshalle zu polarisieren. Ausverkauft war sie, und am Applaus gemessen zählte die Mehrzahl der Fans zum Lager der Begeisterten. Die schreckt schon der Auftakt nicht ab, als Schmitz auf die mit Umzugskartons, Lampe, Kloschüssel und abgenutztem Sessel dekorierte Bühne stürmt und übertrieben gestikuliert, als sei dies das erste Mal, dass er mit Applaus empfangen wird.

Minutenlang kaspert er herum, bricht Sätze immer wieder ob seiner scheinbaren Verblüffung ab, um gekünstelte Kicheranfälle draufzusetzen. Die Ulknudel fordert das Publikum mehrmals auf, Fragen zu beantworten, veralbert die Antwortenden dann und äfft sie nach. Die Fans sind da getreu dem Motto seiner Tour dennoch "Aus dem Häuschen". Darin geht's unter anderem um seinen Ärger mit unfähigen Handwerkern am Bau. Der 40-Jährige zeigt kuriose Bilder von Bausünden, auf einem ist etwa die Toilette mitten in die Küche gebaut oder von Baumarktmitarbeitern, die sich im Ausstellungsbereich verstecken. Auch erzählt er konstruiert-klingende Anekdoten vom Werkeln in den heimischen vier Wänden. Einmal stürzt darin eine nicht fachgerecht errichtete Mauer um, dann hat ein Waschbecken einen Schaden. Auch berichtet er vom Versuch, mit roher Gewalt einen Nagel in eine Betonwand zu treiben. Am meisten freuen sich die Fans , wenn sie in die Show einbezogen werden. Das macht Schmitz gewohnt üppig. Eine junge Frau in der ersten Reihe wünscht, dass er sich auf ihren Schoß setzt - was er gerne tut. In der Folge ruft er sie auf die Bühne, um mit ihr eine Szene zu spielen. Sie mimt eine Bäckereiangestellte, die ihm Brötchen verkaufen soll. Danach wird die Szene mit identischem Text wiederholt, wobei sich Schmitz auf Publikumswunsch in den Besoffenen-, den Wut- und den Erotik-Modus versetzt. Besonderes Letzterer wirkt zum Fremdschämen, wenn er versucht, die Frau anzugrabschen und anzüglich-doppeldeutiges von sich gibt wie "harte Laugenstange", "Tüten", kombiniert mit der Geste, sich ein Kondom überzustreifen. "Gott ist das schrecklich", bekennt er und hat Recht. Er meint es aber ebenso ironisch wie sein "Lustiger wird es nicht" zuvor.

Eine andere Frau veralbert er für die Art, wie sie "Stromleitung durchgebohrt" ausspricht. Auch sie und noch drei andere - alle kriegen nachher Rosen als Belohnung - ruft er auf die Bühne.

Dass er gekonnt improvisieren kann, zeigt er in den dabei gespielten Sketchen. Er beschreibt seinen Umgang mit einem Wasserrohrbruch und wechselt bei Klingeltönen von Deutsch in eine Fantasiesprache, die nach Russisch oder Holländisch klingt. Er "übersetzt" die Unterhaltung mit einer Frau übers Schwenken in Gebärdensprache und spielt die Begegnung mit einer anderen auf einem Friedhof als Oper, im Techno- oder Heavy-Metal-Stil und beweist dabei Stimmstärke. Als Zugabe mimt er eine Puppe, deren Gliedmaßen ein Mann bewegen muss - beim Versuch, einen Eierkocher zu reparieren. Das ist dann sogar für einen Nicht-Fan lustig.