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Harald Glöckler predigt in Saarbücken: „Mit Nächstenliebe hat das nichts zu tun“

Harald Glöckler predigt in Saarbücken : „Mit Nächstenliebe hat das nichts zu tun“

Den Protest gegen seinen Auftritt in der Saarbrücker Ludwigskirche nimmt der exzentrische Modedesigner gelassen.

Der Modemacher Harald Glööckler steht für Glitzer und Glamour. Am 27. November (19.30 Uhr; Eintrittskarten übers Internet: www.dekaart.de) kommt er auf seiner so genannten Kirchentour, „Glööckliche Weihnachten“, zusammen mit Kathy Kelly und dem Tenor Jay Alexander in die Saarbrücker Ludwigskirche. Der Auftritt sorgte bereits im Vorfeld in den sozialen Netzwerken für Unmut.

Wie ist die Idee zu dieser Kirchentour entstanden?

Glööckler Die Idee entstand, nachdem ich mit viel Erfolg bei einem „GoSpecial“ in einem großen Kino in Sulzbach im Taunus als Speaker (Sprecher, Anm. d. R.) auftrat. „GoSpecial“ ist ein moderner Gottesdienst, der speziell für kirchendistanzierte Menschen konzipiert ist, Menschen, die der Kirche eher kritisch gegenüber stehen. Über 700 Besucher besuchten diesen Gottesdienst. Eine große Teilnahme, über die sich einige Gemeinden freuen, beziehungsweise so mancher Pfarrer, wie man so schön sagt, ,die Finger lecken’ würde.


Hatten Sie vor dem ersten Auftritt Bedenken?

Glööckler Bedenken möchte ich nicht sagen, aber ich hatte schon einen großen Respekt davor, da ich ein Mensch bin, der sehr professionell arbeitet und immer das Beste abliefern möchte. Ich kann ja auch als Motivationstrainer gebucht werden, aber in einer Kirche zu sprechen ist doch noch einmal eine andere Sache.

Was werden Sie den Besuchern auf der Tour predigen?

Glööckler In diesem Fall geht es ja nicht um eine Predigt, sondern darum den Menschen die Weihnachtsgeschichte vorzulesen, darüber zu sinnieren, zu reflektieren und ihnen meine Ansicht betreffs der Weihnachtsgeschichte und Weihnachten nahe zu bringen.

Im Vorfeld hat die geplante Veranstaltung in Saarbrücken schon für Wirbel gesorgt...

Glööckler Wissen Sie, ich habe nie gesagt, dass ich an diesem Abend predigen würde. Mich hat auch keiner gefragt, sondern wie oft üblich, ist das Fallbeil der Verurteilung über den Geächteten heruntergerast, ohne ihn zu befragen oder anzuhören. Das allerdings erscheint mir wenig christlich. Die meisten Äußerungen haben mit Nächstenliebe nichts zu tun, sondern sind tief unter der Gürtellinie. Allerdings tangiert mich das nicht einmal peripher, denn das sind allenfalls geäußerte Emotionen einzelner Personen, oftmals getragen von Neid, Selbstzweifeln, nicht erfüllten Wünschen und einem unbefriedigten Leben. Oftmals verurteilen und verachten Menschen gerade das, was sie sich selbst nicht zugestehen können und was sie anderen neiden. Dies mündet dann oftmals in einer selbstherrlichen Verurteilung anderer. Diese Menschen nehmen sich das Recht und richten darüber, was andere im Namen des Glaubens oder Gottes tun dürfen und was nicht. Und genau dieses Verhalten war Jesus zuwider. Zitat: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie!“ (Johannes-Evangelium 8, 7, Anm. d. R.)

Was halten Sie Ihren Kritikern entgegen, die denken, dass die Ludwigskirche nicht der geeignete Ort für diesen Abend ist?

Glööckler Ich halte ihn gar nichts entgegen. Sie haben ein Recht auf eine eigene Meinung.

Gehen Sie regelmäßig in die Kirche und was bedeutet diese für Sie?

Glööckler Nein, ich gehe nicht regelmäßig in die Kirche, aber ich bete regelmäßig. Um Gott nahe zu sein, benötigt man nicht zwingend eine Kirche. Ich mag die Kirche als Gebäude, als Ort der Ruhe und Stille sehr gern, habe allerdings seit einigen Jahren gewisse Probleme mit der Institution Kirche und bin deshalb auch ausgetreten.

Wie gläubig sind Sie?

Glööckler Ich bin in einem gesunden Maße gläubig. Ich glaube an eine höhere Macht oder wie immer wir das nennen möchten, allerdings warne ich auch vor fanatischem Glauben.

Wie feiern Sie selbst Weihnachten?

Glööckler Ich feiere Weihnachten mit Freunden, Familie und Billy King, mit meinen zirka 300 großen und kleinen Engeln im Haus, mit meiner Mutter-Gottes-Statue im Garten und natürlich mit echten Engeln, die immer um uns herum sind. Am Abend kommt das Christkind. Es duftet herrlich nach Weihnachtsbraten, nach Gebäck, Zimt, Vanille, Orange und nach Nüssen. Und es glitzert noch mehr im Hause „Glööckler“ als sonst. Das ganze Chateau Pompöös erstrahlt im weihnachtlichen Lichterglanz.

Die Fragen stellte Marko Völke