Metz bekommt Kongresszentrum

Auf fünf Ebenen soll im französischen Metz ein neues Kongresszentrum entstehen. Nach der Fusion der Regionen Elsass und Champagne-Ardenne will sich die Stadt mit dem Gebäude profilieren. Doch das stößt nicht überall auf Gegenliebe.

 Auf 4300 Quadratmetern soll das Kongresszentrum in Metz entstehen. Auf den Fotos sind die Entwürfe von außen (oben) und innen zu sehen. Fotos: Wilmotte & Associés Architectes
Auf 4300 Quadratmetern soll das Kongresszentrum in Metz entstehen. Auf den Fotos sind die Entwürfe von außen (oben) und innen zu sehen. Fotos: Wilmotte & Associés Architectes

Das lothringische Metz leistet sich ein neues Kongresszentrum in der Stadtmitte. Der Neubau für 57 Millionen Euro soll bis zum Jahre 2018, zusätzlich zum Messegelände am Stadtrand, direkt am Metzer Bahnhof entstehen, mit Blick auf das Centre Pompidou. Dessen Strahlkraft will die Moselle-Hauptstadt nutzen, um zahlungskräftige Kongresstouristen zu locken.Von den vier Architektenbüros, die zum Wettbewerb eingeladen waren, machte Wilmotte & Partners aus Paris das Rennen. Das Architektenbüro zählt zu den hundert größten der Welt.

Der kompakte, quaderförmige Bau enthält auf fünf Ebenen ein großes Auditorium mit Balkon und Bühne für 1200 Besucher sowie 15 Sitzungssäle mit je 25 bis 600 Plätzen. Hinzu kommen noch zwei Räume für Ausstellungen und Gala-Diners mit zusammengerechnet 4300 Quadratmeter Fläche.

Architektonisch gelang Wilmotte kein aufregender Entwurf. Gerade für die Verhältnisse in Frankreich , wo man die große architektonische Geste liebt, ist das Gebäude eher schlicht und nüchtern. Neben der großen Funktionalität und den großzügigen, lichtdurchfluteten Foyers und Wandelgängen, die rundum Ausblicke auf die Stadt und die markantesten Sehenswürdigkeiten bieten, punktete er bei der Jury auch durch die Verwendung des gelben "Metzer Sonnensteins" für die Verkleidung der Fassade. Mit dem regionalen "Pierre de Jaumont", aus dem unter anderem auch die Kathedrale gebaut ist, schlägt Wilmotte die Brücke zum baukulturellen Erbe der Stadt.

Viele in Metz halten den Plan, in ein neues Kongresszentrum zu investieren, für mutig, wenn nicht riskant. Schon vor Jahrzehnten, noch unter Bürgermeister Jean-Marie Rausch angedacht, hatte sich das Vorhaben aufgrund anderer Bauprojekte immer wieder verzögert. Im September erst hat das 60 Kilometer entfernte Nancy am Bahnhof sein "Centre Prouvé", ein neues Kongresszentrum für 800 Besucher, eröffnet.

Aber auch angesichts der knapper werdenden Zuweisungen des Staates an die Gebietskörperschaften halten die meisten Konservativen, aber auch die Grünen das Bauvorhaben für obsolet. Vor allem der sozialistische Metzer Bürgermeister Dominique Gros und der konservative Stadtverbandspräsident Jean-Luc Bohl haben sich für das Kongresszentrum stark gemacht.

Von den 57 Millionen Euro Kosten übernimmt die Stadt mit 30 Millionen Euro , der Stadtverband zehn Millionen Euro . Mit 2,5 Millionen Euro beteiligt sich die Industrie- und Handelskammer, mit fünf Millionen der Staat und mit einer Million Euro die Region. Das Départe ment Moselle unter seinem konservativen Präsidenten Patrick Weiten hat seine Finanzierungszusage von zehn Millionen Euro jedoch im Frühjahr zurückgezogen. Falls sich Weiten nicht umstimmen lässt, muss die Finanzlücke mit Krediten gefüllt werden.

Während manche vor einem Überangebot an Kongresshäusern in Frankreich warnen, sind Gros und Bohl von der Notwendigkeit des Projekts überzeugt: Erst durch das Kongresszentrum werde sich die Investition ins Centre Pompidou auszahlen und der Standort durch das geplante Einkaufszentrum "Muse" nebst Designer-Hotel von Philippe Starck noch an Attraktivität zulegen. Gerade in Anbetracht der Fusion mit den Regionen Elsass und Champagne-Ardenne, so Gros außerdem, müsse sich Metz jetzt positionieren.