Luxemburg will Image aufpolieren

Luxemburg will in Europa und der Welt nicht als reiner Finanzplatz gelten. Mit einer Imagekampagne, dem sogenannten Nation Branding, will das Land seinen ramponierten Ruf nach der Finanzaffäre zurechtrücken.

Was ist das Erste, das einem in den Sinn kommt, wenn man an Luxemburg denkt? Vielleicht ist es Großherzog Henri, der Sitz des Europäischen Gerichtshofs oder der weltweite Finanzplatz? Letzterer war im vergangenen Jahr wegen der "Luxleaks"-Affäre negativ in die Schlagzeilen geraten und sorgte so für einen schlechten Ruf des Großherzogtums. Das Image soll nun mit einer professionellen Marketingkampagne, dem Nation Branding, aufpoliert werden.

Mit Beginn seiner EU-Ratspräsidentschaft am 1. Juli will sich das Land weltweit positiv vermarkten, auch ein Logo soll entwickelt werden. "Nation Branding ist das Bild, was man sieht, wenn man an Luxemburg denkt", erklärte der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn in der Zeitung "Luxemburger Tageblatt". Die luxemburgische Wirtschafts-Staatssekretärin Francine Closener ist demnach überzeugt, dass der Schweiz eine Finanzaffäre weniger geschadet hätte, da die Menschen mit dem Alpenstaat noch andere Charakteristika verbänden als den Finanzplatz.

"Luxemburg und seine Vorzüge sind nicht ausreichend im Ausland bekannt. Viele luxemburgische Akteure kommunizieren jeder auf seine eigene Art und Weise, ohne Kohärenz zwischen den verschiedenen Aussagen", heißt es auf der Webseite der Kampagne ( www.nationbranding.lu ). Um dem entgegenzuwirken, soll nun eine "echte Landesmarke" entwickelt werden. Mit ihr soll der Bekanntheitsgrad sowie das Ansehen Luxemburgs weltweit gesteigert und das Land attraktiver für Touristen, Investoren, Unternehmen und qualifizierte Arbeitskräfte gemacht werden. Zudem soll der kulturelle, politische und wirtschaftliche Einfluss steigern.

In einer ersten Phase hat das Meinungsforschungsinstitut TNS Ilres 1000 Einwohner sowie 500 Grenzgänger nach ihrem Blick auf Luxemburg befragt. Als klaren Favoriten bei den Stärken des Landes sehen sie dessen Mehrsprachigkeit (86 Prozent der Luxemburger, 89 Prozent der ausländischen Einwohner, 94 Prozent der Grenzgänger). Hoch im Kurs stehen auch die medizinische Versorgung, die Natur, das "Multikulti", die Sauberkeit sowie die Freizeitangebote.

Gefragt nach den Charakter-Eigenschaften der Einwohner Luxemburgs nannten die Befragten: materialistisch, stolz, konservativ, wenig offen, verwöhnt und bequem. Aber auch familienfreundlich, sehr wenig arrogant, multikulturell und wenig egoistisch.

Ausländische Bevölkerung und Grenzgänger nannten dabei häufiger "Multikulti" als Stärke (86 beziehungsweise 88 Prozent) - Luxemburger selbst teilten diese Sicht nur zu 68 Prozent. Sie sehen sich selbst auch egoistischer als die beiden anderen Gruppen.

Bürger aus dem Großherzogtum waren aufgerufen, sich mit Fotos und Wörtern an der Kampagne zu beteiligen und online einen Fragebogen auszufüllen. Derzeit werten die Marketingfachleute die Daten aus. Das Ergebnis ist offen, aber möglich sei es, das Land als Brückenbauer und Vermittler darzustellen, sagte die Staatssekretärin dem "Tageblatt".