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Kita-Skandal: Polizei vernimmt Kinder, Familien und Erzieher

Kita-Skandal: Polizei vernimmt Kinder, Familien und Erzieher

Wer hätte wann einschreiten müssen? Nachdem es in einer Mainzer Kita zu Gewalt und sexuellen Übergriffen unter Kindern gekommen ist, setzen nun Ermittler die Puzzleteile zusammen. Dabei geht es auch um die Frage, an was sich die Drei- bis Sechsjährigen noch erinnern.

Nach gewalttätigen und sexuellen Übergriffen unter Kindern in einer katholischen Kita in Mainz beginnen die Ermittler in dieser Woche mit ihren Befragungen. Die Polizei will Mädchen, Jungen, Familienmitglieder und Erzieher zu den Geschehnissen vernehmen. Bei den Kindern dürfe dabei nicht lange gewartet werden, weil ihre Erinnerung rasch verblassen könne, sagte der stellvertretende Leiter der Staatsanwaltschaft Mainz , Gerd Deutschler, am gestrigen Montag. Die Ermittlungen richteten sich gegen die Mitarbeiter. "Man kann aber noch nicht konkret sagen, welche von ihnen von Rechts wegen als Beschuldigte anzusehen sein werden", sagte Deutschler. Die Behörde hatte zuvor bereits erklärt, dass möglicherweise mehr als 100 Kinder und Erwachsene befragt werden könnten. Es werde aber kein Kind zur Aussage gezwungen.

Die medizinische Betreuung der möglicherweise traumatisierten Kinder hat bereits begonnen. Es seien Hilfegesuche eingegangen und die ersten Gespräche angelaufen, erklärte der Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Unimedizin Mainz , Michael Huss.

In der Kita "Maria Königin" soll es nach Angaben des Bistums Mainz , das mit den Eltern gesprochen hat, schwere sexuelle Übergriffe, Erpressung und Gewalt unter den drei- bis sechsjährigen Kindern gegeben haben (wir berichteten). Eltern hätten die Kita-Mitarbeiter beispielsweise darüber informiert, dass ihr Kind unerklärliche Verletzungen im Genitalbereich habe. Nach Darstellung des Bistums wurden diese Informationen aber nicht an den Träger - die Pfarrei - oder die Diözese weitergegeben. Die Mitarbeiter hätten nach dem öffentlichen Bekanntwerden der Vorwürfe gesagt, nichts mitbekommen zu haben.

Das Bistum kündigte daher allen sieben Mitarbeitern - sechs Frauen und einem Mann. Es warf ihnen vor, ihre Aufsichtspflicht verletzt zu haben und stellte auch Anzeige. Die Mitarbeiter hätten gewusst, "dass die Verweigerung der Kooperation in der Aufklärung der Angelegenheit die weitergehende Schließung der Kindertagesstätte und ihre Entlassung zur Folge haben würde", unterstrich das Bistum in einer Erklärung am gestrigen Montag. Diese sei dann auch ausgesprochen worden. Die Kita-Mitarbeiter haben sich bislang nicht öffentlich erkennbar zu den Vorwürfen geäußert. Die Kita bleibt bis September geschlossen.

Er führe ständig Seelsorgegesprächen mit den Angehörigen, erklärte Pfarrer Christian Nagel von der zuständigen Pfarrei Mariä Himmelfahrt im Mainzer Stadtteil Weisenau. Am Wochenende wandte er sich auch im Rahmen eines Gottesdienstes an seine Gemeinde und bat um Entschuldigung.

"Die Schließung wurde zwingend notwendig, da wir am 1. Juni erfuhren, dass es über einen längeren Zeitraum zu Gewalt unter Kindern, sexuellen Übergriffen unter Kindern, Erpressungen und Drohungen unter Kindern gekommen war", hieß es in einem neuen Info-Blatt. "Darüber sind wir zutiefst bestürzt und beschämt! Wir entschuldigen uns bei den Betroffenen!"