Und noch viele andere Grausamkeiten Kinder mit Peitsche, Gewehr, Strom und Chili gequält

Pirmasens · Wegen Misshandlung achtjähriger Zwillinge in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in 19 Fällen hat das Amtsgericht Pirmasens zwei Männer zu jeweils vier Jahren Haft verurteilt. Die Täter zeigten sich vor den Richtern reuig.

Die beiden Männer spannten ein Netz der Gewalt über den Kindern aus, wenn die Mutter aus dem Haus war – und verlangten von den damals Achtjährigen unter anderem, eine Kreuzspinne zu essen (Symbolbild).

Die beiden Männer spannten ein Netz der Gewalt über den Kindern aus, wenn die Mutter aus dem Haus war – und verlangten von den damals Achtjährigen unter anderem, eine Kreuzspinne zu essen (Symbolbild).

Foto: picture alliance / dpa/Sven Hoppe

Das ist das Maximum: Am Dienstag hat das Amtsgericht Pirmasens zwei 29- und 26-jährige Männer wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu je vier Jahren Gefängnis verurteilt. Damit ist es an die Grenze des für ein Amtsgericht Möglichen gegangen, hat also seine Strafgewalt von vier Jahren ausgeschöpft. Und dieses Urteil ist bereits rechtskräftig, weil beide Angeklagten unmittelbar nach dessen Verkündung erklärten, nicht dagegen vorgehen zu wollen. Zudem ordnete das Gericht Haftfortdauer an. Die Pirmasenser bleiben im Gefängnis.

Als „hochgefährliche Charaktere“ beschrieb der Vorsitzende Richter Alexander Kolb die beiden angeklagten Männer in seiner Urteilsbegründung – der eine sei „extrovertiert und manipulativ“ und der andere „arrogant“ und latent pädophil (Er hatte sich einmal nackt zu dem Mädchen ins Bett gelegt). „Ein Glück, dass den Kindern nicht noch mehr passiert ist.“ Den beiden Angeklagten sei anzurechnen, dass sie gleich zu Beginn des Prozesses Geständnisse abgelegt und damit den Kindern ihre Zeugenaussagen vor Gericht erspart hätten.

Bei dem älteren Angeklagten handelt es sich um den einstigen Lebensgefährten der Mutter der malträtierten minderjährigen Zwillinge und bei dem jüngeren Angeklagten um dessen damaligen Freund, den er seinerzeit hatte eine Zeit lang in seinem Haus in Pirmasens wohnen lassen.

Mit seinem Urteil entsprach das Schöffengericht dem Antrag des Zweibrücker Staatsanwalts Christian Heinekamp, der den beiden Männern zu Prozessbeginn Misshandlung von Schutzbefohlenen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in 19 Fällen und damit Ungeheuerliches vorgeworfen hatte.

Demnach haben die beiden Freunde zwischen dem 7. Mai 2022 und dem 7. Mai 2023 zwei Kinder der damaligen Lebensgefährtin des älteren in dessen Wohnhaus mehrmals und in unterschiedlicher Weise überwiegend gemeinsam gequält. Unter anderem wurden den damals achtjährigen Zwillingen, ein Junge und ein Mädchen, mehrfach am ganzen Körper mit einem sogenannten Taser, einem angeblich zur Selbstverteidigung der Lebensgefährtin angeschafften Elektroschocker, Stromstöße versetzt und Peitschenhiebe verpasst. Damit sollten die Kinder zu Hausarbeiten angehalten werden.

Einmal wurde dem Jungen gar mit einem Schrotgewehr ins Knie geschossen. Zudem wurden die Kinder unter Androhung von weiteren Elektroschocks gezwungen, scharfe Chilischoten in ihre Körperöffnungen einzuführen, Hanf-Zigaretten zu rauchen sowie Tequila und alkoholhaltigen Eistee zu trinken. Auch hatten die beiden Männer von den Kindern verlangt, eine lebende Kreuzspinne und Mehlwürmer zu essen. Aber damit nicht genug: Der ältere der beiden Männer schoss dem Mädchen mit einem Blasrohr einen Pfeil in den Rücken, den er ihr dann mit einem Messer aus der Haut kratzte. Anderntags zertrümmerte er einen Porzellanteller auf dem Kopf der Kleinen. Darüber hinaus „feierten“ die Männer mit den Zwillingen „Tage des Schmerzes“, an denen die Kinder unter anderem mit sportlichen Übungen gedrillt wurden. So wurde ihnen, um sie zur exakten Ausführung von Liegestützen anzuhalten, ein aktiver Elektroschocker unter den Bauch gestellt.

Unabhängig von dem Geständnis der beiden Angeklagten: „Wir haben eine sehr erdrückende Beweislage“, sagte Staatsanwalt Heinekamp in seinem Plädoyer. Offenbar hatten die beiden Männer „so viel Spaß gehabt“, dass sie ihr Tun „auch noch auf Video aufgenommen haben“. „Das ist perfide, das ist unterste Schublade!“ Sie hätten die Kinder nicht, wie sie während der Verhandlung vorgaben, „erziehen“, sondern „jeder aus eigenem Antrieb quälen“ wollen – über einen langen Zeitraum und immer dann, wenn die Mutter nicht im Hause war.

„Das war kein Augenblicksversagen!“, stellte der Staatsanwalt klar. „Die Angeklagten haben den Kindern kaum vorstellbare Schmerzen zugefügt.“ Er gehe davon aus, dass es sich bei den aufgedeckten Taten „nur um die Spitze des Eisberges“ handele. Ohne die Geständnisse hätte das Verfahren an das mit einer höheren Strafgewalt ausgestattete Landgericht Zweibrücken verwiesen werden müssen.

Die Verteidiger der beiden Angeklagten, die Saarbrücker Rechtsanwälte Luigi Cerino und Yves-Alexander Valentin, hatten für ihre Mandanten Freiheitsstrafen von zwei Jahren und sechs Monaten beziehungsweise von zwei Jahren und drei Monaten beantragt. Sie verwiesen darauf, dass der ältere der beiden Männer „beeinflusst von den Sozialen Medien“ gehandelt und nun „alles verloren“ hätte: Frau, Haus, Beruf, Familie. Und der jüngere der beiden Männer in das häusliche „System“ des älteren hineingeraten und vereinnahmt worden sei. An der Schuld ihrer Mandanten ließen die beiden Verteidiger aber keinen Zweifel.

Der 29-jährige Angeklagte gab sich in seinem letzten Wort vor Gericht einsichtig: „Ich bin mir meiner Taten bewusst.“ Und der 26-jährige Mittäter sagte: „Ich weiß, dass es unverantwortlich war und dass es dafür keine Entschuldigung gibt.“

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