Hölle von Verdun lockt Massen an

Die Schlachtfelder von Verdun wurden zum Inbegriff für die Grausamkeit des Ersten Weltkriegs. 100 Jahre nach Kriegsbeginn verzeichnen die dortigen Erinnerungsstätten einen neuen Touristenrekord. Und es wird mit einer Steigerung gerechnet.

Es war eines der blutigsten Kapitel des Ersten Weltkrieges, das sich 1916 im französischen Verdun abspielte. Hunderttausende deutsche und französische Soldaten kamen in der "Hölle von Verdun " ums Leben, von ihren Feldherren als "Kanonenfutter" verheizt. Verdun wurde zum Inbegriff für die Sinnlosigkeit des Krieges. Heute sind die Schlachtfelder von Verdun , rund 150 Kilometer westlich von Saarbrücken gelegen, eine der zentralen Erinnerungsstätten des Ersten Weltkriegs (1914-1918): grüne Hügel und Mulden, die harmlos anmuten, die aber von unzähligen Granaten und Minen in den Boden gebombt wurden; der Bajonettgraben, wo nur noch die Spitzen der Bajonette aus dem Boden ragen, weil die Soldaten bei Detonationen unter Erdmassen begraben wurden; das zerstörte Dorf Fleury oder auch das Beinhaus von Douaumont, wo die Knochen von rund 130 000 nicht identifizierten deutschen und französischen Soldaten liegen.

100 Jahre nach Kriegsausbruch wurde im Sommer 2014 weltweit des Ersten Weltkriegs und seiner Opfer gedacht, und Verdun lockte zahlreiche Touristen an. Trotz des eher verregneten Sommers strömten sie in Scharen auf die ehemaligen Schlachtfelder. Ende September war mit 640 000 Besuchern ein neuer Rekord erreicht. Im gesamten Jahr 2013 waren es nur 550 000 Besucher gewesen. Vincent Jacquot vom Fremdenverkehrsamt des Départements Meuse freut sich über das rege Interesse an den historischen Stätten: "Wegen des Jubiläums haben wir natürlich mit mehr Besuchern gerechnet als in einem ,normalen' Jahr, und diese Erwartungen wurden auch erfüllt." 2016 könnte dieser Rekord noch übertroffen werden. Dann jährt sich zum hundertsten Mal die Schlacht von Verdun . Spätestens dann soll auch das "Mémorial de Verdun ", das Museum unweit der Schlachtfelder, wieder öffnen. Derzeit ist es wegen Sanierung geschlossen.

Der Großteil der Touristen - etwa 80 Prozent - sind Franzosen; ein Drittel der ausländischen Besucher sind Deutsche. Für das große Interesse der Franzosen hat Jacquot folgende Erklärung: "Das Gedenken an den Ersten Weltkrieg ist in Frankreich sehr wichtig, mehr noch als in Deutschland." Die Erinnerung daran sei auch heute noch sehr lebendig: "Jeder Franzose kennt eine Familiengeschichte vom Großvater oder Urgroßvater aus dieser Zeit." Tatsächlich ist der Erste Weltkrieg als "la Grande Guerre" ("der Große Krieg") im kollektiven Gedächtnis der Franzosen tief verwurzelt, während in Deutschland der Zweite Weltkrieg stärker im Bewusstsein verankert ist. Auch die zahlreichen Feierlichkeiten, die im Gedenken an das Kriegsgeschehen in Frankreich gefeiert wurden, und die ausführliche Berichterstattung in den Medien hätten zu dem Besucherstrom beigetragen, ist Jacquot überzeugt. Hotels und Restaurants profitierten ebenfalls von dem Jubiläum. In der Hochsaison verzeichneten die Hotels des Départements einen Zuwachs von zehn bis 15 Prozent.

Über den Winter sind einige der Erinnerungsstätten geschlossen, doch wenn sie im Februar ihre Tore wieder öffnen, dürften die Touristenmassen erneut strömen.