„Helau“ in der Fastenzeit

Von wegen an Aschermittwoch ist alles vorbei. Zumindest nicht dieses Jahr. Viele Karnevalisten holen ihre abgeblasenen Rosenmontagszüge in der Fastenzeit nach. Den ersten größeren Nach-Zug gab es in Trier – als Abendspektakel.

Der Rosenmontagszug hat Trier mit einigen Tagen Verspätung erreicht. Es ist stockdunkel, als sich die rund 1300 Narren schließlich in Bewegung setzen. Es blinkt und leuchtet überall an Wagen und Kostümen, tonnenweise Süßigkeiten wirbeln unter "Helau"-Rufen durch die Luft. Gut 25 000 Narren säumen nach Polizeiangaben trotz teils strömenden Regens den abendlichen Straßenumzug: Die Stimmung ist bombig - auch wenn gar nicht Rosenmontag ist. "Für uns ist heute Rosensamstag", sagt Christina Baltes aus Temmels von der Obermosel und bestaunt den Lichterzug mit gut 70 Gruppen.

Vieles ist an diesem Samstagabend anders. Denn dieses Jahr ist es ein nachgeholter Rosenmontagszug, weil das Original wegen heftigen Sturms abgeblasen werden musste. Wie in vielen anderen Karnevalshochburgen auch. Die Trierer haben nicht lange gefackelt: "Wir sind der erste größere Zug, der nachgeholt wird", sagt der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK), Andreas Peters. Inzwischen stehen auch andere Nachholtermine fest: In Koblenz rollt der Zug am 28. Februar, in Düsseldorf am 13. März.

Damit feiern die Jecken in der Fastenzeit , in der Närrisches eigentlich tabu ist. In Trier und Koblenz, die zum Bistum Trier gehören, gab es rasch grünes Licht von Bischof Stephan Ackermann : "Nach kurzem Nachdenken war für mich klar, also ich gebe da von mir her eine Zustimmung." Obwohl Karneval für die letzten Tage vor der Fastenzeit reserviert ist. Es war letztlich die monatelange Arbeit der Ehrenamtlichen für den Zug, die ihn überzeugt habe.

"Wir wollten so schnell wie möglich starten, weil viele Gruppen kurzfristig ihre Wagen auf Tieflader oder Anhänger bauen und auch wieder abbauen müssen", sagt Peters. Auch die "Wurfgeschosse" à la Popcorn, Chips und Schokolade könne man auch nicht lange liegenlassen, sagt Zugleiter Stefan Feltes. Was am Samstag den Narren am Rande zugutekommt: Die karnevalistische "Wurfdichte" ist auf einer verkürzten Zugstrecke besonders hoch. "Wir haben eine Top-Resonanz", sagt Peters. Es sei "ein einmaliges Ereignis".

Doch nicht allen gefällt die Narretei nach Aschermittwoch. Der Bund Deutscher Karneval (BDK) lehnt das Nachholen der Züge von Rosenmontag ab. "Karneval ist ein Kulturgut, das an den christlichen Jahreskreis gebunden ist", sagt Vizepräsident Peter Krawietz in Mainz. Es gehe nicht "ums Verbieten und Miesmachen, sondern um den sinnvollen Umgang mit dem Brauch". Er sei der Ansicht: "Wir können nicht beliebig nach Wetterlage schieben." Sonst werde "die Beliebigkeit zu groß".

Die Rheinischen Karnevals-Korporationen (RKK) sind zwar auch der Ansicht, dass Karneval seine feste Zeit hat - vom 11.11. bis Aschermittwoch. Aber dieses Jahr sei eine Ausnahme, sagt Präsident Hans Mayer in Koblenz. Die Vereine hätten nicht nur viel Arbeit, sondern auch Mittel in Millionenhöhe in die Züge gesteckt. Allerdings: Die Züge müssten "zeitnah" nachgeholt werden. Im Frühling oder Sommer sei es zu spät. Zum RKK gehören rund 1500 Vereine in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hessen und dem Saarland.

In der Trierer Narrenschaft jedenfalls kommt der verspätete Rosenmontagszug gut an, trotz des schlechten Wetters. "Von mir aus können wir jetzt jedes Jahr abends feiern", sagt eine als Häsin verkleidete Närrin mit Lichterkette. "Und an einem Samstag finde ich es auch besser." Dem schiebt Zugleiter Feltes aber gleich einen Riegel vor: "2017 wird ganz sicher wieder an Rosenmontag gefeiert."