„Fliegenschiss an Läuseschenkel“

Bei Ausbilder Schmidt gehören ruppige Umgangsform, Machosprüche und das Herumtrampeln auf den Konventionen der politischen Korrektheit zum guten Ton. Das kam bei seinen Zweibrücker Fans gut an.

Wenn im deutschen Kabarett das Militär verherrlicht, der Franzose noch als Feind angesehen und auch sonst die politische Korrektheit mit Füßen getreten wird, dann kann es sich nur um Ausbilder Schmidt handeln, der Parodie eines Unteroffiziers, gespielt von Holger Müller aus Idar-Oberstein. Am Samstagabend gastierte der Komiker im ausverkauften Wintergarten der Zweibrücker Festhalle - 160 Besucher ließen sich bereitwillig mit "Tach, ihr Pappnasen" begrüßen und antworteten mit "Tach, du Sack".

Lieber Guido als Uschi

Wer es nett haben wollen, könne ja zuhause Arte auf Französisch anschauen, legte der 47-Jährige gleich mal die Stoßrichtung fest. Als "Drecksack durch und durch" kannte er keine Gnade mit Veganern, Laktoseintoleranten oder Leuten, die meinen, "dass wir den Weltfrieden mit Singen und Klatschen hinkriegen". Elsass und Lothringen wurden da kurzerhand als zu Deutschland gehörende Gebiete angesehen, Bilder von Panzern als Deko im Kindergarten gefordert oder "immer mehr Luschen in unserer Gesellschaft" beklagt. Überall fehle Zucht und Ordnung, würden schon die Kinder immer mehr verweichlicht - und an der Spitze unseres Heeres steht auch noch eine Frau. Lieber als Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wäre ihm selbst Guido Westerwelle , gestand Ausbilder Schmidt.

Die Franzosen aber servierten in ihren Sterne-Restaurants "Fliegenschiss an Läuseschenkel" und sorgten fürs Aussterben der Deutschen, da sie dem Storch seine Nahrung wegfräßen. Und mit Menderes Bagci sei einer Dschungelkönig geworden, der unfähig sei, auch nur zwei Tage im deutschen Wald zu überleben. Natürlich trug Müller all diese Unflätigkeiten mit Augenzwinkern vor; das wirkte jedoch irgendwie erfrischend gegenüber einem den moralischen Zeigefinger erhebenden Politkabarett. Zwischendurch blitzte bei all dem militärischen Habitus durch, dass Holger Müller privat doch wohl ein ganz anderer Typ ist. Sympathisch etwa das Geständnis, beim Anflug auf Kundus (in Afghanistan trat der Komiker vor Bundeswehr-Soldaten auf) Muffensausen bekommen zu haben, da dieser aus Sicherheitsgründen im Sturzflug durchgeführt werden musste.

Fast die deftigsten Sprüche kamen von den Zetteln, die das Publikum in der Pause ausfüllen durfte: Da wünschten sich welche, der Ausbilder möge doch das Nachbarhaus wegsprengen, weil man eine Garage anbaue wolle; auch ob Schmidt nicht "bei der Heimreise noch zwei Schuss auf Homburg abgeben" könne, wurde gefragt. Schwächen zeigte das Programm nur bei den Phantasiegeschichten, wie etwa bei dem Drehbuch für einen Actionfilm, in dem der Ausbilder zusammen mit Reiner Calmund , Herbert Grönemeyer und Biene Maja-Freund Willi die Kanzlerin aus den Händen von Terroristen befreit - das wirkte zu wirr und unausgegoren, wenn auch die Calmund-Parodie gelang.