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Autorenlesung in der Himmelsbergkapelle: Die traurige Realität der damaligen Zeit

Autorenlesung in der Himmelsbergkapelle : Die traurige Realität der damaligen Zeit

Sigrid Georgine Stemler las aus ihrem Roman „Nahe der Grenze“ in der Himmelsbergkapelle.

Von Nadine Lang


„Am 14. März fand die Bombardierung von Zweibrücken statt“, erinnerte Elisabeth Brach, Vorsitzende des Vereins Kultur in der Himmelsbergkapelle bei der Begrüßung der Gäste, die zur Lesung von Sigrid Georgine Stemler gekommen waren.

Darum sei der Termin zu dieser Lesung auch an dieses Ereignis angelehnt, handelt der Roman der Autorin doch von der Thematik Weltkrieg, Evakuierung und Rückkehr. „Es ist ein biographischer Roman und fängt im Jahr 1904 an und endet 1995“, erklärte Sigrid Georgine Stemler über ihren Roman „Nahe der Grenze“. Darin geht es um die Geschichte ihrer Familie, die im kleinen Örtchen Hilst zuhause war und beginnt bei Magdalena, die zum zehnten Mal in den Geburtswehen liegt. Zwei Jahre später stirbt die Mutter und lässt den Mann Georg hilflos zurück. „Er haderte mit sich und der Welt“, erzählte Sigrid Georgine Stemler. Nur einer von vier Söhnen kehrte aus dem Krieg zurück, stattdessen übermittelte Mal für Mal der Postbote den Verlust eines Kindes. „Der Krieg hatte unsagbares Leid über die Bevölkerung gebracht“, erzählte Stemler weiter. Mit dem jüngsten Kind – Berta - ging die Geschichte weiter. Die Zuhörer durchlebten ihre verbotene Liebe zu Jakob, von dem sie Tochter Elisabeth bekam und die traurige Realität der damaligen Zeit, in der trotz aller Liebe ein anderer Mann geheiratet werden musste, weil er besser für die Familie sorgen konnte.
1939 war Berta mit dem fünften Kind erneut schwanger. Da die Region evakuiert werden sollte, musste sie schlagartig ihren Heimatort verlassen, ausgerechnet ohne Elisabeth, da sie im Alter von 14 Jahren nicht mehr als Kind zählte. Mit Elisabeths Stimme ging die Geschichte schließlich weiter, die lange Zeit ohne ihre Mutter zurechtkommen musste. „Die Einsamkeit schnürte mir die Kehle zu“ erzählte Stemler aus Elisabeths Sicht. Im Jahr 1941 beendete Sigrid Georgine Stemler ihre Lesung, die trotz ernstem Thema interessant, spannend und fesselnd war. Und auch die angeschlossene kurze Fragerund zeigte, dass die Zuhörer Gesprächsbedarf hatten und zum Teil aus eigenen Familiensituationen erzählen konnten. Nach einer Pause zeigte Hartmut Jatzko Ausschnitte aus dem dazu passenden Film „Heute noch müssen wir fort“, in dem er selbst mitgewirkt hatte und in dem es ebenfalls um die Evakuierung in der deutsch-französischen Grenzregion geht (zu finden auch in der ARD-Mediathek). „Was hier damals vorgefallen ist, darüber wurde kaum berichtet“, erklärte Hartmut Jatzko und fährt fort: „ Es zeigt aber auch, wie notwendig es ist, das wir uns um die Flüchtlinge kümmern, die das heute durchmachen.“ Jatzko und Stemler wohnen beide in Krickenbach und Kaiserslautern und wurden vor nicht allzu langer Zeit eher zufällig aufeinander aufmerksam, nachdem sie sich bis dahin nicht kannten. Durch den gemeinsamen Bezug zum Thema Evakuierung beschlossen die beiden, die Lesung mit den Filmausschnitten zu kombinieren.