„Deutsch ist am schwersten“

Viele Flüchtlinge wollen so schnell wie möglich arbeiten. Vorher müssen sie aber Deutsch lernen. Und wissen, welcher Job der richtige für sie ist. Der Syrer Wassim Assi ist auf einem guten Weg dahin.

Wassim Assi ist seit Anfang 2014 in Deutschland. Aus dem syrischen Damaskus geflohen, kam der gelernte Koch nach etlichen Stationen in Trier an. "Ich will Anlagenmechaniker werden", sagt der 32-Jährige, der seit Anfang dieses Jahres ein mehrmonatiges Praktikum beim Sanitär- und Heizungsbauer Dietsch + Greinert in Trier begonnen hat. "Aber das Deutsch ist so schwer", so Assi.

"Er muss Geduld haben", sagt sein Chef Elmar Schlösser. Nach der siebenmonatigen Einstiegsqualifikation wird er entscheiden, ob Assi bei ihm eine Lehre beginnen kann. Der Syrer ist einer von rund 80 jungen Migranten in Rheinland-Pfalz, die es über ein Netzwerk-Projekt immerhin schon mal in einen Handwerksbetrieb geschafft haben.

Das Projekt haben die vier Handwerkskammern (HWK) im Land, die Bundesagentur für Arbeit und das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium im August 2015 ins Leben gerufen. Ziel sei es, jungen Flüchtlingen individuell beim Suchen und Finden einer Stelle zu helfen, sagt Flüchtlings-Netzwerker Jürgen Rauschenbach der HWK Trier .

A und O sei die deutsche Sprache. Die Nachfrage nach dem Projekt sei bei Flüchtlingen groß, sagt die Leiterin der Abteilung Lehrlingswesen, Ursula Westermann, in Koblenz. Wöchentlich gebe es viele Anfragen, aber in den meisten Fällen seien die Deutsch-Kenntnisse eben noch nicht ausreichend.

Der Syrer Assi hat auch schon mehrere Deutschkurse besucht. Im Alltag kann er auch ganz gut reden und verstehen. "Aber die Fachbegriffe machen ihm Schwierigkeiten", sagt sein Chef. Diese müsse er aber auch können: "Er muss ja auch mal eine Anleitung lesen können." Derzeit wird er in der Firma als Helfer eingesetzt.

"Integration gelingt nur über die Sprache", sagt Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne). Daher müsse deutlich mehr Geld für Sprach- und Integrationskurse in die Hand genommen werden. Die derzeitigen Plätze seien nicht ausreichend. "Uns fehlen dafür 300 Millionen Euro", sagt sie. Plus noch mal 50 Millionen Euro für 1000 weitere Lehrer. "Wenn Integration gelingen soll, muss man da nachlegen."

Im Bezirk Trier ist etwa ein Dutzend Migranten vermittelt worden. "Das hat sich gelohnt. Jeder, der in Arbeit geht, integriert sich", sagt Rauschenbach. Er geht davon aus, dass es noch deutlich mehr werden, wenn Sprachkurse auslaufen. "Ab April wird es einen richtigen Schub geben."

Über die Handwerkskammer Koblenz seien bis Ende 2015 bereits fast 40 Migranten an Betriebe vermittelt worden, sagt Westermann. Die meisten machten zunächst eine Einstiegsqualifikation als Vorstufe für eine Ausbildung - auch, weil sie noch besser Deutsch lernen müssten. Wenn es gut laufe, könne die Zeit später als erstes Lehrjahr angerechnet werden.

Das Projekt sei "auf jeden Fall ein guter Ansatz", von dem beide Seiten profitierten, sagt Westermann. Dem Migranten werde beim Einstieg in beruflicher Bildung geholfen. Und die Betriebe hätten Interesse daran, möglichen Nachwuchs angesichts des Fachkräftemangels zu fördern. "Es ist auch die schiere Not, die Betriebe dazu treibt", sagt Triers HWK-Chef Manfred Bitter.