Der Ludwigskirche droht die Pleite

Die Tore der Ludwigskirche sind seit gestern dicht. Nur bei Gottesdiensten und Konzerten ist das Kulturdenkmal noch zugänglich. Grund ist das Ende eines Bürgerarbeit-Projekts.

In der Saarbrücker Ludwigskirche bestaunen tagtäglich Touristen die barocke Pracht. Künftig können sie das berühmte Bauwerk, verewigt auf Briefmarken und Zwei-Euro-Münzen, nur noch von außen bestaunen. Weil der Bund Fördergelder strich, fallen sechs Bürgerarbeiter weg, die bisher die Aufsicht geführt haben. Statt von dienstags bis sonntags ist die Ludwigskirche nur noch bei Gottesdiensten und Konzerten geöffnet.

"Wir basteln an einem Projekt, die Öffnungszeiten mit Ehrenamtlichen aufrecht zu erhalten", sagte der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Saar-West Christian Weyer, der gegenüber der Ludwigskirche in einem Palais residiert, das ebenfalls vom Barockbaumeister Friedrich Joachim Stengel stammt. Spätestens im April, so Weyers Ziel, soll das Kulturdenkmal wieder offen stehen.

Ganz so optimistisch ist aber nicht jeder. "Wir erleben zwar viel Bemühen, dennoch müssen wir die Kosten als Kirchengemeinde alleine stemmen", sagte Pastorin Tabitha Mangold . Wenn größere Maßnahmen an der Ludwigskirche anstünden, müsse die Gemeinde auf Rücklagen zurückgreifen, die sie unter anderem durch den Verkauf von Immobilien erworben habe. "Das führt mittelfristig dazu, dass nicht nur die Ludwigskirche insolvent ist, sondern die gesamte Kirchengemeinde", erklärte der Finanzkirchmeister Thomas Emser. Wenn sie den derzeitigen Zustand des Denkmals beließe, sei der Haushalt zwar ausgeglichen. Aber theoretisch müsse die Gemeinde 270 000 Euro investieren, um das Gebäude instand zu halten. Baustellen gebe es von der Heizung bis hin zum Glockenstuhl. "Die Ludwigskirche ist eine tickende Zeitbombe. Viele Dinge müssen gemacht werden, und wir leben in Angst, wann das kommen wird", sagte Emser. Selbst wenn sich genug Ehrenamtliche fänden, erleichtere das die Finanzlage nicht. Die Kirchengemeinde müsste ja die Kosten für deren Haftpflichtversicherung tragen. "Die evangelische Landeskirche erlaubt nicht, die Ludwigskirche zu verkaufen. Aber so können wir sie auch nicht halten", merkte Mangold an.

Ob sich die Schließung auf den Tourismus auswirkt, ist nicht absehbar. "Gäste kommen selten wegen einer einzigen Sehenswürdigkeit", sagte Susanne Renk von der Tourismus Zentrale Saarland. Unstrittig ist aber, dass die Ludwigskirche neben Saarschleife und Weltkulturerbe ein Wahrzeichen des Saarlands ist.