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Der Eiserne Kanzler und die Rosenstadt

Der Eiserne Kanzler und die Rosenstadt

In seiner Sitzung vom 25. April 1896 stimmte der Zweibrücker Stadtrat mit 17 gegen 5 Stimmen für die Aufstellung eines Bismarck-Denkmals. Es steht heute noch – allerdings ist seine Geschichte wechselhaft, weiß Stadthistorikerin Charlotte Glück-Christmann.

Otto von Bismarck feiert am heutigen 1. April seinen 200. Geburtstag. Er war eine der markantesten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. Auch in Zweibrücken hat er unübersehbar Spuren hinterlassen - wie das Denkmal am Zweibrücker Herzogplatz deutlich macht.

"Das Zweibrücker Bismarck-Denkmal steht stellvertretend für viele andere in ganz Deutschland", so Charlotte Glück-Christmann im Gespräch mit dem Merkur. "Die Bismarck-Begeisterung beherrschte damals das deutschnationale Bürgertum, schließlich hatte dieser 1871 das Deutsche Kaiserreich geschaffen und die Grundlage für dessen wirtschaftlichen Aufstieg gelegt." Anhand von Zeitungsartikeln und Pressemitteilungen konnte die Leiterin des Zweibrücker Stadtmuseums und -archivs die fast 120 Jahre umfassende Geschichte des Monuments nachvollziehen. So soll Friedrich Golsen, Mitinhaber der Firma Dingler und Enkel des Firmengründers Christian Dingler, der Initiator und Hauptmäzen gewesen sein. "Auf Antrag des Vereins zur Errichtung eines Bismarck-Denkmals", weiß Charlotte Glück-Christmann, "genehmigte der Stadtrat in einer Sitzung vom 25. April 1896 nach eingehender Beratung mit 17 gegen 5 Stimmen die Aufstellung des Denkmals in den der Stadt gehörigen Gartenanlagen auf dem Herzogplatz" vor dem Wohnhaus der Familie Dingler, das heute als Rathaus dient. Zudem erklärte sich der Stadtrat bereit, das Denkmal nach seiner Enthüllung als Eigentum der Stadt zu übernehmen und für entsprechende Herrichtung des Platzes zu sorgen. Bereits ein Jahr zuvor war Otto von Bismarck übrigens anlässlich seines 80. Geburtstages zum Ehrenbürger der Stadt Zweibrücken ernannt worden. Am 6. September 1896 - diese Jahreszahl ziert noch heute den vom Bildhauer Mohr geschaffenen Sockel - wurde das Bismarck-Standbild eingeweiht. Das interessante Detail "Albermann. fec." ("Albermann hat es angefertigt") am Rand der in Berlin-Friedrichshagen gegossenen Skulptur verweist dabei auf den seinerzeit gefragten und hauptsächlich im preußischen Rheinland tätigen Bildhauer Wilhelm Albermann (1835 - 1913).

Interessant ist laut Glück-Christmann der Umstand, dass das Denkmal nach dem Ersten Weltkrieg zwar nicht das Gefallen der französischen Besatzungsmacht fand, aber dennoch unangetastet auf seinem angestammten Platz belassen und auch nach dem Zweiten Weltkrieg weder von der amerikanischen noch von der französischen Besatzungsmacht angetastet wurde. Erst 1986 baute die Stadt es ab zugunsten von neuen Parkplätzen, da durch den Umbau des Hallplatzes etliche weggefallen waren. Nachdem das vertraute Denkmal vom städtischen Bauhof in der Schlachthofstraße deponiert wurde, regte sich jedoch Protest, und so wurde es im August 1986 auf Drängen der Öffentlichkeit in der Grünanlage des an den Herzogplatz anschließenden Goetheplatzes wieder aufgestellt: "Um 180 Grad in seiner ursprünglichen Position gedreht, einen Meter niedriger, da drei Stufen des Sockels wegfielen, und fast genau dort, wo sich 1896 die fünf überstimmten Stadtratsmitglieder das Monument gewünscht hatten", so Glück-Christmann.

Nach der Sanierung des Herzogplatzes und zur 650-Jahr-Feier der Stadt Zweibrücken wurde es dann um zehn Meter nach vorne an seinen heutigen Standort versetzt.