Bomben-Entschärfung geglückt

Wegen einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg mussten viele Malstatter am Mittwoch und gestern ihre Häuser verlassen. Auch ein Seniorenheim wurde zur Sicherheit geräumt.

Eine Fliegerbombe zu entschärfen, ist Alltag für die Experten des Kampfmittelräumdienstes. Trotzdem bleibt immer ein Risiko. Bomben sind nie harmlos, auch nicht der 250-Kilo-Brocken, der bei Arbeiten im Jenneweg in Saarbrücken-Malstatt von einer Baggerschaufel freigelegt wurde. Der Blindgänger war akut nicht gefährlich, daher beschlossen die Experten, die Entschärfung auf den Feiertag zu legen. 1800 Bürger mussten die Häuser verlassen, ein Großeinsatz mit 150 Helfern begann.

Fronleichnam ist weniger Verkehr, die meisten haben frei, und auch die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer von Feuerwehr, Deutschem Rotem Kreuz (DRK) oder Malteser Hilfsdienst (MH) stehen leichter zur Verfügung. Und die wurden gebraucht. Denn in einem Radius von 300 Metern um die Bomben-Fundstelle mussten die Bürger in Sicherheit gebracht werden. In dieser Zone liegt auch das Johanna-Kirchner-Haus, ein Alten- und Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Dort mussten die Helfer mehr als 30 bettlägerige Menschen in Sicherheit bringen, dazu 120 Rollstuhlfahrer und nochmal weitere 130 Bewohner. Damit begannen DRK und MH schon am Mittwoch. Im Pendelverkehr verlegten fünf Teams mit Rettungs- und Krankenwagen die Senioren in andere Häuser der Awo.

Marvin Deutschmann und Thorsten Koretz vom DRK Großrosseln fuhren einen der Krankenwagen . "Wir hatten uns am Vorabend freiwillig gemeldet und bringen die Senioren in andere Häuser ", berichtete Deutschmann, der bis zum Mittag bereits fünf Transporte hinter sich hatte. Dabei seien die Betroffenen sehr ruhig gewesen, Personal der Awo und Angehörige hätten die Situation gut begleitet. "Auch wir reden ganz ruhig mit den Menschen, erklären ihnen, was passiert ist, damit sie sich nicht aufregen", sagte Annika Schu vom DRK Quierschied. Zusammen mit Carsten Berndt brachte sie eine ältere Dame nach Elversberg - völlig stressfrei.

Den Mittwoch bereits zu nutzen, war sicher eine gute Idee. Am Feiertag ging es für die Ehrenamtlichen in aller Früh weiter. Die erste Einsatzbesprechung war schon für sechs Uhr angesetzt, um sieben Uhr gab es eine Unterweisung für alle Helfer bei der Berufsfeuerwehr. Die hatte sich um die Planung gekümmert. Feuerwehrsprecher Ingo Wagenknecht: "Außerdem wurden die betroffenen Anwohner frühzeitig informiert. Über die Medien und über Aushänge wurde auf die Räumung hingewiesen. Die Menschen reagierten sehr ruhig darauf." Die Malteser hatten die Rastbachtalhalle als "Warteraum" hergerichtet, wobei die meisten Betroffenen den Weg zu Angehörigen und Freunden suchten, um die wenigen Stunden zu überbrücken. Als die Lautsprecherwagen der Polizei durch die Sperrzone fuhren, war daher kaum noch jemand überrascht. Anwohner Theo Beitter. "Das ist ja alles berechtigt, diese Bomben sind gefährlich, und die Splitter können weit fliegen", sagte er und ging mit seinen Hunden zur Tochter nach Riegelsberg.

Nachbar Erwin Rönnecke ging in seinen Schrebergarten. In der Rastbachtalhalle machte er kurz Station, aber nur wenige waren am Morgen dort. Das gute Wetter entspannte die Lage zudem. Während ein Konvoi von Rollstuhlfahrerbussen die Bewohner am Altenheim einlud, wartete auf die Gehfähigen ein Schmankerl: Sie wurden gar nicht umquartiert, sondern in drei Bussen mit einer Stadtrundfahrt abgelenkt.

Um 14.40 Uhr war der Einsatz beendet. Bombenexperte Werner Fuchs und seine Kollegen hatten den Zünder entfernt, der allerdings vor Ort gesprengt werden musste, da er zu instabil war. Für die Experten ist das keine große Sache, und so konnten anschließend alle wieder nach Hause.