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Archäologen stoßen auf Überraschungen

Archäologen stoßen auf Überraschungen

Wenn in Mainz gegraben wird, findet sich eigentlich immer etwas. Archäologen haben in der Baustelle des künftigen Archäologischen Zentrums Funde gemacht, die bis ins Spätmittelalter zurückreichen. Bis Februar dürfen sie noch weiter graben.

Ausgerechnet in der Baugrube für das neue Archäologische Zentrum Mainz sind Archäologen auf neue Entdeckungen gestoßen. Darunter sind auch Reste von vier mittelalterlichen Öfen zur Produktion von Steinfliesen. Die Leiterin der Landesarchäologie, Marion Witteyer, stellte die bisherigen Funde gestern der Öffentlichkeit vor. Die Grabungen können noch bis Ende Februar fortgesetzt werden, ehe dann das neue Gebäude in die Höhe wächst.

Die Öfen aus der Mitte des 13. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts waren ausgesprochen kreativ: Die Archäologen entdeckten nicht verwendete Fehlbrände mit mehr als 100 Motiven. Die ältesten Funde in der bislang drei Meter tiefen Baugrube stammen aus fränkischer Zeit, neben Scherben auch eine Schnalle aus fränkischer Zeit.

Ab September wollen die Archäologen noch tiefer graben und dann in der Hoffnung auf noch ältere Funde bis zu sechs Meter tief vorstoßen. "Wenn man in Mainz baut, dann findet man immer etwas", sagte Bau- und Finanzministerin Doris Ahnen (SPD ) bei der Besichtigung der Funde in der südlichen Altstadt.

Dort war einst die außerhalb der Stadtmauer gelegene Vorstadt Vilzbach. Wie erwartet fanden die Archäologen dort auch bis zu 3,50 Meter tiefe Mauern der Bastion Catharina, die zusammen mit der Zitadelle Teil des barocken Festungsrings um Mainz war. Überraschend stießen die Forscher aber auch auf Reste einer bisher unbekannten Festungsanlage aus vorbarocker Zeit. Diese Bauen seien in keinem der erhaltenen Pläne vermerkt, sagte Witteyer. Die genaue Funktion der Anlage, die vermutlich im 15. oder 16. Jahrhundert errichtet wurde, ist noch unklar. "Da sind wir noch etwas ratlos."

Unweit der Mauerreste wurde eine Reihe mit sieben aufgestellten Steinkugeln entdeckt, wie sie bis zum 16. Jahrhundert gegen Feinde geschleudert wurden.

Die Funde werden sorgfältig dokumentiert, ehe sie dann von dem Neubau überdeckt werden. Anfang 2020 sollen dann die Wissenschaftler des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in den Neubau umziehen. Die Baukosten von insgesamt 51,4 Millionen Euro teilen sich Bund, Land und Stadt.