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Anklageverlesung und Aussage im Koblenzer Rockerprozess

Anklageverlesung und Aussage im Koblenzer Rockerprozess

Erst im dritten Anlauf hat der Koblenzer Prozess um die Taten einer Rockerbande begonnen. Sie soll die Konkurrenz mit allen Mitteln drangsaliert haben.

Mit der Verlesung der Anklage und einer Aussage ist gestern der Koblenzer Rockerprozess um mutmaßliche Geiselnahme, räuberische Erpressung und Körperverletzung fortgesetzt worden. Zwei Staatsanwälte verlasen am dritten Verhandlungstag die detailreiche Anklage. Der Prozess wurde mit zusätzlichen Polizeibeamten und einer doppelten Einlasskontrolle gesichert. Insgesamt zwei Angeklagte erklärten sich bereit, auszusagen. Sechs weitere Männer lehnten dies ab. Das Verfahren gegen einen neunten Mann wurde wegen einer langwierigen Erkrankung abgetrennt.

Die Rocker sollen sich als Mitglieder des Hells-Angels-Charters Bonn von 2013 bis 2015 im nördlichen Rheinland-Pfalz und Großraum Bonn an einer kriminellen Vereinigung beteiligt haben. Mit einem "Alleinvertretungsanspruch" in ihrem Gebiet hätten sie andere Motorradclubs drangsaliert und das Gewaltmonopol des Staates abgelehnt. Bei einer Razzia fand die Polizei der Anklage zufolge schließlich ein Waffenarsenal bei ihnen - Schusswaffen, Baseballschläger, Stahlruten, Messer und Schlagstöcke. Laut der Staatsanwaltschaft waren die Rocker bereit, die Waffen auch einzusetzen.

Der Angeklagte , der zuerst aussagte, gewährte einen Einblick in die inneren Strukturen der damaligen Bonner Hells Angels . So hätten sie die Gründung anderer Motorradclubs im eigenen Gebiet von ihrer Zustimmung abhängig gemacht oder auch verhindert. Bei bestehenden Clubs hätten sie mitunter mit Gewalt die Auflösung erzwungen. Der Angeklagte gab eigene Schläge zu. Immer wieder sei es zu Strafaktionen gegen andere Rocker gekommen. Dabei hätten die Hells Angels zum Teil erst deren Lebensgewohnheiten ausgespäht und dafür auch GPS-Sender an deren Autos angebracht. Die eigenen Handys hätten sie bei Strafaktionen nicht mitgenommen, um mögliche polizeiliche Ermittlungen zu erschweren. Die Waffen seien samt Munition auch ohne ihre Nutzung regelmäßig gereinigt worden, um Fingerabdrücke zu entfernen. Vier oder fünf Hells Angels seien in alles eingeweiht gewesen. "Und der Rest waren die dummen Schafe, die mitlaufen sollten."