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Lebendige Geschichte : An historisches Handgemenge erinnert

Lebendige Geschichte : An historisches Handgemenge erinnert

Die Entführung des Polenkönigs Stanislaus sorgte vor 300 Jahren für einen Skandal. Jetzt wurde die Geschichte nachgespielt.

Ende Juni wurde die renovierte Klosterkapelle Gräfinthal wieder eröffnet (unsere Zeitung berichtete). Gleichzeitig geleitete Werner Euskirchen aus Zweibrücken alias Kurier des Polenkönigs Stanislaus mit dem Hofstaat aus Lunéville symbolisch den Sarg mit der Prinzessin Anna zur letzten Ruhestätte in der Klosterkapelle. Anna war die Tochter des Polenkönigs, sie verstarb bereits in jungen Jahren. „Wie vor 300 Jahren wurde die Prinzessin zunächst am Schloss zu Zweibrücken symbolisch aufgebahrt und danach feierlich begleitet von Kutschen und Pferden durch das Blies- und Mandelbachtal ins Kloster überführt“, blickte Werner Euskirchen zurück.

Die Erinnerung an die polnische Königsfamilie mit ihrem Lieblingsort Gräfinthal soll die Biosphäre Bliesgau mit der Stanislaus-Route von Lunéville in Frankreich über Nancy, Gräfinthal, Blieskastel, Zweibrücken und weiter über Polen in die Ukraine bereichern. Werner Euskirchen und sein Team wollen dazu die Erinnerung mit nachgespielten Szenen lebendig erhalten. So geschehen am Vorabend von Mariä Himmelfahrt im Bierbacher Großbachtal mit einem europäischen Skandal, der einst an allen Königshöfen für Gesprächsstoffe sorgte. Die Kutsche des Polenkönigs Stanislaus ist wie vor 300 Jahren von Zweibrücken aus unterwegs nach Gräfinthal, als im Grohbachtal zu Bierbach sächsische Offiziere aus Dresden den König samt Gefolge nicht nur überfallen, sondern Stanislaus gar entführen und beseitigen wollen. „Doch ein Sattler, der den Polenkönig gegen viele Gulden verraten sollte, teilt dem Polenkönig den fiesen Plan mit, und so kommt es im Bierbacher Wald zum Handgemenge. Trotz Fluchtversuchen in Richtung der Baumgruppe Sieben Fichten gelingt es, die feindlichen Offiziere zu fassen und nach Zweibrücken zu bringen. Dort folgt am nächsten Tage vor dem Schloss nach historischen Vorbild die Gerichtsverhandlung“, so die Historie.

Werner Euskirchen alias Kurier des Polenkönigs kennt sich als Chef-Organisator und als Vorsitzender der Prozesskammer bestens aus, war er doch im richtigen Leben Richter am Amtsgericht. Seine Kutsche wurde gezogen vom acht Jahre alten, zuverlässigen und ruhigen polnischen Ackergaul Moses. Unterstützung für den Kurier beim Nachspielen der geschichtsträchtigen Szene kam von Björn Ißler sowie Gila und Holger Herzog vom Reiterverein Einöd, von Silvia Munzinger, Sonja Euskirchen und Volker Kinzinger, dessen Bruder Lothar das Geschehen im Stadtarchiv ausgegraben hatte. Im kommenden Jahr hat das rührige Historienteam eine Geschichte in Blieskastel vorgesehen. Aus Dankbarkeit wegen des vereitelten Entführungsversuches beauftragte der Polenkönig seinen Kurier per Depesche, in der saarländisch-pfälzischen Kutschen- und Pferderegion die Woche des Kutschenfahrens auszurufen, wie es bei der Veranstaltung im Breitfurter Wald abschließend hieß.

www.kutschenfahren-zw.de