Als der große Komponist zu Gast war

Wohl nur den wenigsten dürfte bekannt sein, dass der große Komponist Christoph Willibald Gluck einst für mehrere Monate in Zweibrücken weilte. Herzog Christian IV. hatte Gluck hierzu eingeladen.

1714 in der Oberpfalz geboren und 1787 in Wien verstorben, gilt Christoph Willibald Gluck als einer der bedeutendsten Komponisten des 18. Jahrhunderts und zugleich als stilbildender "Erneuer der Oper ". Wenn man in diesem Jahr seinen 300. Geburtstag feiert, wird damit zugleich ein interessantes Kapitel der Zweibrücker Musikgeschichte lebendig: So wohnte Gluck vom Sommer 1774 mit seiner Frau und seiner Nichte und Adoptivtochter auf Einladung Herzog Christians IV. für mehrere Monate in Zweibrücken - ein Umstand, an den unter anderem die 2009 vom Kurpfälzischen Kammerorchester unter Leitung von Hans Oskar Koch eingespielte CD "Gluck und die Hofmusik in Zweibrücken " erinnert. Daneben ehrt in Bubenhausen der Gluckplatz den großen Komponisten.

Wie aber war die Familie Gluck nach Zweibrücken gelangt? Protegiert von seiner vormaligen Gesangsschülerin - der zwischenzeitlich an den Thronfolger und späteren König Ludwig XVI. nach Frankreich verheirateten österreichischen Kaisertochter Marie Antoinette - schloss der Komponist mit der Oper von Paris einen Vertrag über die Erstellung von sechs Bühnenwerken. Vor diesem Hintergrund lernte er nun im Februar 1774 den dort mit seiner Familie weilenden Herzog Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken und den ihn begleitenden Johann Christian von Mannlich kennen. Der beschrieb Gluck als ehrlichen Charakter, aber auch als Schlemmer: "Von offener, lebhafter und leicht erregbarer Wesensart, konnte er sich den Anstandsregeln und konventionellen Gebräuchen der guten Gesellschaft nicht fügen. Wahrheitsgetreu nannte er die Dinge bei ihrem Namen und beleidigte auf diese Weise wohl zwanzigmal am Tage die empfindlichen Ohren der Pariser, die an Schmeichelei und lügenhafte Unterhaltung, die sogenannte Höflichkeit, gewöhnt waren. Ohne sich jemals zu berauschen oder den Magen zu verderben, war er ein starker Esser und Trinker. Daß er gewinnsüchtig war und das Geld liebte, verhehlte er selbst nicht. Desgleichen legte er ein gut Teil Egoismus an den Tag, besonders bei Tisch, wo er ein Recht auf die besten Bissen zu haben glaubte." Von Mannlich schloss mit Familie Gluck Freundschaft, verbrachte einen guten Teil des Tages in deren Gesellschaft und wohnte so auch den von großer öffentlicher Aufmerksamkeit begleiteten Proben der Oper "Iphigenie" bei, die schließlich zu einem Triumph für den "germanischen Orpheus" wurde. Christian IV. wiederum nahm Christoph Willibald Gluck mit nach Versailles und stellte ihn König Ludwig XV. vor, der ihm zu dem glänzenden Erfolg seiner Oper gratulierte.

Auf der Rückreise von Paris nach Wien weilte der hochgeschätzte Musiker mit Frau und Tochter dann in Zweibrücken , wo es Mannlich gemeinsam mit Fontenet, dem Bruder der Herzogsgattin Marianne Camasse, oblag "der Gluckschen Familie die Honneurs zu machen und die Zeit angenehm zu vertreiben". "Es stand", erinnerte er sich später daran, "ein Gespann zu unserer Verfügung, mit dem wir Zweibrückens liebliche Umgebung durchstreifen konnten. Wir nahmen die Mahlzeiten gemeinschaftlich ein und gaben uns redliche Mühe, auch den kleinsten Wünschen unserer Gäste nachzukommen."