1. Pfälzischer Merkur

Vereine in der Region finden den Re-Start der Bundesliga gut

Start der Bundesliga aus Sicht der Amateurvereine : „Eine wichtige Abwechslung zum Alltag“

Die Trainer der Amateurvereine in der Region finden es insgesamt gut, dass die Bundesliga am Samstag wieder startet — äußern aber auch Kritik an der DFL-Entscheidung.

Am Samstag wird wieder der Ball rollen in der ersten und zweiten Bundesliga. Die Spiele ohne Zuschauer werden im Fernsehen übertragen, so soll der Profifußball gerettet werden.

Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs wird jedoch kontrovers diskutiert. Ist er gerechtfertigt? Der Pfälzische Merkur hat sich bei Trainern und Vorsitzenden in der Region umgehört. Wie stehen sie zur Sonderrolle des Profifußballs? Haben sie Verständnis für die Andersbehandlung der oberen Ligen? Bei den Vereinen des SWFV ist die Saison 2019/20 etwa schon abgebrochen.

Die Amateurfußballvereine dürfen seit dieser Woche immerhin wieder trainieren: In Vierergruppen auf einer Platzhälfte ist Training nun erlaubt. So kann genügend Abstand gehalten werden. Viele Clubs im Saarland machen das, obwohl die Saison beim SFV, anders als bei den Profis, vor dem Abbruch steht. Am 8. Juni wird der Verband seine Entscheidung wohl bekannt geben.

Jürgen Luginger, Trainer des Regoinalligisten FC Homburg findet die Wiederaufnahme der Punktspiele, wenn auch vor leeren Rängen, in der ersten und zweiten Bundesliga gut. „Es ist ein kleiner Schritt in Richtung Normalität, wenn auch unter erschwerten Bedingungen und Vorgaben.“ Luginger: „Für die vielen Fußballfans ist sehr positiv, dass sie endlich wieder Fußball sehen können, wenn auch vorerst nur im Fernsehen.“ Er selbst trainiert mit seinem Team fünfmal in der Woche in Kleingruppen. „Selbst wenn bei uns kein Teamtraining und Spiel möglich ist, ist es besser einige fußballspezifische Dinge auf dem Platz zu machen, als nur Individualtraining mit Laufen, Kraftraining und Athletiktraining.“ Auch das ist für Luginger ein Schritt zurück in Richtung Normalität.

Keine Meinung zur Wiederaufnahme des Profifußballs wollte Jan Weinmann, der Trainer des Landesligisten TSC Zweibrücken abgeben. „Ich und mein Verein haben derzeit genug zu tun, um die Bedingungen für die Wiederaufnahme des Trainings zu erfüllen.“ Weinmann hofft, dass sein Team im September wieder in den Normalbetrieb zurückkehren kann.

Peter Rubeck, Trainer des Verbandsligisten DJK Ballweiler-Wecklingen, sieht dem Start der Bundesliga mit gemischten Gefühlen entgegen: „Für die Fans ist es schön, dass wieder Fußball, wenn auch nur Geisterspiele, gezeigt wird. Für Viele es ist eine wichtige Abwechslung zum Alltag, erst recht zu Corona-Zeiten.“ Auf der anderen Seite sei es der Gesellschaft aber schwer zu verkaufen, dass wieder Fußball gespielt wird, wo doch sonst gerade so viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Für sein eigenes Verhalten als Beobachter zieht er die folgenden Schlüsse: „Als Trainer werde ich die Bundesliga schon verfolgen, aber nicht mehr so intensiv wie vor der Corona-Krise.“ Irgendwie fehle ihm dann doch bei diesen Spielen die Zuschauerkulisse.

Außerdem hat Rubeck auch selbst wieder seiner Trainertätigkeit nachzugehen: Seine Mannschaft trainiert wieder in Kleingruppen, wenn auch nicht so oft. „Statt drei bis viermal, treffen wir uns aber nur einmal in der Woche. Mir geht es darum, dass wir uns aus sozialen Aspekten wieder sehen. Fußballerisch im Training kann man unter den jetzigen Vorgaben derzeit eh nicht viel machen.“

So sieht es auch Frank Rothfuchs, der Trainer des SV Altstadt. „In der Corona Zeit ist es uns wichtig, dass wir uns wieder sehen und gemeinsam auf dem Platz traineiren, wenn auch nur in Vierer-Gruppen.“ Am Dienstag habe man sich erstmals wieder auf dem Rasenplatz in Altstadt getroffen. Über den Re-Start der Bundesliga denkt Rothfuchs: „Nach über 6 Wochen Pause ist es zwar für die Fußballfans schön, dass wieder gespielt wird. Aber in erster Linie geht es um rein wirtschaftliche Interessen der Profivereine.“ Das könne er irgendwie verstehen. Unverständlich sei für ihn, dass die Spieler auf dem Rasen wieder Fußballspielen, während das Umfeld bei den Erst- und Zweitligaspielen nur mit Mund-Nasen-Schutz im Stadion sein darf.

Bedenken äußerte auch Julian Bay, der erste Vorsitzende der SG Erbach, der erklärt: „Ich sehe die Entscheidung, den Profifußball wieder aufzunehmen in gesellschaftlicher Hinsicht kritisch.“ Man mache sich Gedanken um die wirtschaftliche Existenz der großen Vereine, aber nicht um die Amateurclubs. „Was wird aus der SG Erbach?“, fragt sich Bay. Erfreut nahm der Verein zur Kenntnis, dass Amateurfußballer immerhin wieder auf ihre Plätze dürfen und das Vereinsheim unter strengen Auflagen wieder geöffnet wird. „Unsere Spieler und Trainer freuten sich über diesen Entschluss, auch wenn die Saison wohl abgebrochen wird.“ Gleich dreimal trifft sich die SG nun pro Woche zum Kleingruppentraining.

Der FC Homburg trainiert momentan in Vierergruppen, obwohl die Saison höchstwahrscheinlich am 8.Juni abgebrochen wird. Auch bei der SG Erbach und dem SV Altstadt wird das so gehandhabt. Foto: Hagen/Markus hagen
Altstadts Trainer Frank Rothfuchs findet es „gut für die Fans“, dass in der Bundes- liga wieder gespielt wird. Foto: Stefan Holzhauser

Auch Steffen Sprau, Trainer und Vorstand beim pfälzischen Verbandsligisten SG Rieschweiler äußert seine Bedenken zum Re-Start der Bundesliga. „Man wird sehen, ob der Spielbetrieb in der ersten und zweiten Liga unter diesen Vorsichtsmaßnahmen weiter so funktionieren kann.“ Er lasse sich überraschen, ob es wirklich gelingt, die Saison zu Ende zu bringen. Die SG Rieschweiler wird indes das Training nicht wieder aufnehmen, auch wenn es schön wäre dass alle Spieler wieder zusammenkämen und echten sozialen Kontakt zueinander hätten. Sprau steht jedoch zur Entscheidung des Vereins „Erstens ist die Saison beendet und unter den Vorgaben, die wegen der Corona-Pandemie beim Übungsbetrieb notwendig wären, ist es wenig sinnvoll, wieder Trainingseinheiten durchzuführen.“