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Tadano Demag plant in Zweibrücken etwa 400 Kündigungen

Maximal drei Monate Kündigungsfrist bei Zweibrücker Kranbauer : Tadano: Etwa 400 Kündigungen geplant

Tadano-Demag will von seinen 1580 Beschäftigten in Zweibrücken zirka 400 Mitarbeitern die Kündigung aussprechen. Das ist ein Schlag ins Kontor für Zweibrücken: Der Kranbauer ist größter Arbeitgeber der Stadt. Für die Betroffenen ist eine Transfergesellschaft geplant. Die Kündigungsfristen fallen denkbar knapp aus – es sind maximal drei Monate.

Das neue Jahr beginnt für viele Menschen in Zweibrücken mit einem Schlag in die Magengrube: Tadano-Demag, größter Arbeitgeber der Stadt, will von seinen 1580 Mitarbeitern an den beiden Standorten Dinglerstraße und Wallerscheid zirka 400 Mitarbeitern kündigen. Dies erfuhr unsere Zeitung am Mittwoch aus Verhandlungskreisen.

Peter Vollmar, zweiter Bevollmächtiger und Geschäftsführer der IG Metall Homburg-Saarpfalz, wollte am Abend auf Anfrage diese Zahl „weder bestätigen, noch dementieren“. Der Gewerkschafter erklärte aber, dass die Zahl von 400 Kündigungen „die ungefähre Größenordnung dessen widerspiegelt, was geplant ist“.

Vollmar zeigte sich betroffen von den Plänen des wirtschaftlich schwer angeschlagenen Kranbauers. „Das ist ein bitterer Jahresanfang für die Betroffenen. Es ist unglaublich hart. Die Mitarbeiter können nichts für die katastrophale Situation, in der sich das Unternehmen befindet.“

Die Kündigungsfristen fallen für die betroffenen rund 400 Mitarbeiter denkbar knapp aus. Aufgrund der rechtlichen Besonderheiten des Insolvenzverfahrens, welches das Amtsgericht Zweibrücken Anfang Januar über Tadano eröffnet hat (wir berichteten) beträgt die Kündigungsfrist maximal drei Monate.

Für viele Arbeitnehmer wird sie sogar noch kürzer ausfallen. Vollmar: „Bei einer Betriebszugehörigkeit von unter fünf Jahren beträgt die Kündigungsfrist gerade mal einen Monat, bei anderen beträgt sie zwei Monate; nur bei Arbeitnehmern, die schon lange bei Tadano sind, kommen die drei Monate Kündigungsfrist zum tragen.“ Der Gewerkschafter macht deutlich: „Das ist dramatisch wenig.“

Für die rund 400 Mitarbeiter ist eine Transfergesellschaft geplant. „Diese soll die Auswirkungen zumindest abmildern“, erläuterte der Gewerkschafter.

Den Betroffenen stehe es frei, in diese Transfergesellschaft zu wechseln; es gebe keinen Automatismus, die Zustimmung hierfür sei erforderlich. Vorteil für die Mitarbeiter: Sie werden (nach der knappen Kündigungsfrist von ein bis drei Monaten) nicht sofort arbeitslos. Für die Transfergesellschaft ist laut Vollmar eine Verweildauer von neun Monaten vorgesehen. In dieser Zeit erhält der Arbeitnehmer insgesamt (inklusive Aufstockung) Kurzarbeitergeld in einer Höhe von 80 Prozent der letzten Bezüge. In dieser Zeit hat der Betroffene die Möglichkeit, sich nach einem neuen Arbeitsplatz umzuschauen. Die Transfergesellschaft ist also ein Netz, das den Mitarbeiter neun Monate lang trägt.

Aber die Gefahr sei keineswegs gebannt, dass die 400 Kündigungen das Ende der Fahnenstange sind. Scheitere die Gläubigerversammlung, dann drohe das komplette Aus von Tadano, sagte Vollmar. Nur mit dem Einverständnis der Mehrheit der Gläubiger zu dem Sanierungsplan, den der Kranbauer am 23. Dezember beim Amtsgericht Zweibrücken einreichte, sei es möglich, Tadano am Leben zu erhalten. Stellten sich die Gläubiger bei der Versammlung mehrheitlich gegen den Sanierungsplan, würde dies zur Zerschlagung führen. Vollmar hofft natürlich, dass es zu einer Einigung kommt und Tadano-Demag weiter existiert.

Frank Schättle, Personalchef bei Tadano, wollte am Mittwochabend die Zahl von 400 geplanten Kündigungen „nicht kommentieren“. Es sei bei den Verhandlungen Stillschweigen vereinbart worden, daran wolle er sich halten.

Schättle sagte, die Gläubigerversammlung finde am 18. Februar statt, das Amtsgericht habe dafür die Festhalle in Zweibrücken gebucht. Die Einladungen hierzu würden in den nächsten Tagen versandt, sie gehe auch an alle Mitarbeiter, die Forderungen gegenüber Tadano geltend machen könnten. Bei der Gläubigerversammlung werde der Sanierungsplan ausführlich vorgestellt; die Mehrheit der Gläubiger – die zudem auch die Mehrheit der Gesamtforderungen gegenüber Tadano auf sich zu vereinigen hat – muss dann zustimmen.

Schättle wollte keine Prognose darüber abgeben, wie das Ergebnis am 18. Februar aussehen wird. Er merkte allerdings an, dass er Anzeichen für einen guten Ausgang sieht. So habe im Schutzschirmverfahren die vorläufige Gläubigerversammlung (die dem Februar-Treffen in der Festhalle vorgeschaltet war), dem Verfahren einstimmig zugestimmt. „Das hat schon eine Indizwirkung“, sagte der Personalchef.

Neben den beiden Standorten in Zweibrücken mit 1580 Mitarbeitern hat Tadano einen weiteren Standort in Lauf an der Pegnitz bei Nürnberg. Dort arbeiten aktuell rund 700 Mitarbeiter. Auch dort wird nun gebannt auf die Gläubigerversammlung am 18. Februar geblickt.

An den beiden Standorten in Zweibrücken wird derzeit noch Kurzarbeit gefahren, sagte Schättle. Wallerscheid sei noch komplett geschlossen . Ab 13. Januar werde damit begonnen, die Arbeit in beiden Werken wieder „langsam hochzufahren“.