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Soziale Einrichtungen in Rheinland-Pfalz stehen unter Druck

Corona-Krise : So ergeht es den sozialen Einrichtungen

Tafeln, Tierheime, Behindertenwerkstätten oder Beratungsstellen im Land versuchen in der Corona-Krise langsam in die Normalität zurückzufinden. Einige stehen finanziell unter Druck – doch schließen musste bisher keine.

Es ist Routine eingekehrt in den sozialen Einrichtungen des Landes. Schutzmasken und -Kleidung ist meist vorhanden, die Abläufe im Falle einer Infektion mit Corona klar. Und obwohl soziale Dienste in der Virus-Krise zunehmend unter Druck gerieten, scheinen sie die vergangenen Monate gut überstanden zu haben.

Laut Sozialministerium musste bisher keine Einrichtung aufgrund der Folgen der Pandemie schließen. Allerdings ergibt sich nach Einschätzung des Dachverbands der Freien Wohlfahrtspflege kein einheitliches Bild. Einige Einrichtungen wurden weiter finanziert, andere seien massiv unter Druck, manch ein Träger musste Kurzarbeit anmelden, wie Sylvia Fink, Geschäftsführerin der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Rheinland-Pfalz, berichtet. Zwar hat der Bund einen Rettungsschirm für die sozialen Dienstleister aufgespannt, das Sozialdienstleister-Einsatzgesetz (SodEG). Diese Zuschüsse zu beantragen, sei aber ein enormer Verwaltungsaufwand, meint Fink. Ein Überblick:

Tafeln: Die Situation der armen Menschen habe sich durch die Corona-Pandemie verschärft, stellt Sabine Altmeyer-Baumann, Vorsitzende des Landesverbandes der Tafeln Rheinland-Pfalz/Saarland, fest. Umso erfreuter ist sie darüber, dass mittlerweile alle Tafeln im Land wieder geöffnet haben. Die Zahl der Ehrenamtlichen musste halbiert werden, dafür gebe es jetzt an einigen Stellen häufiger pro Woche Lebensmittelausgaben. Altmeyer-Baumann erwartet einen Spendenrückgang, vor allem zum Ende des Jahres. Gleichzeitig werde es ab Herbst mehr Kunden geben.

Obdachlosenhilfe: „Eine Zeit lang waren wir die einzige Einrichtung im Rhein-Main-Gebiet, die für externe Gäste geöffnet hatte“, schildert Klaus Merten von der Pfarrer-Landvogt-Hilfe in Mainz die vergangenen Monate. Das sei möglich gewesen, weil große Räumlichkeiten zur Verfügung standen. „Wir lassen aber immer noch nur 15 Gäste für eine halbe Stunde in die Teestube.“ Die ausschließlich ehrenamtlichen Helfer seien jetzt gefragter denn je. Denn um Abstände einzuhalten und alle Hygieneregeln zu befolgen, fallen 700 Dienste mehr an als unter „normalen“ Umständen. „Das geht teilweise bis an die Grenzen“, gesteht Merten.

Tierheime: Spenden sind in den Tierheimen in Rheinland-Pfalz derzeit Mangelware. Denn Tage der offenen Tür oder andere Veranstaltungen sind seit Monaten tabu. Die finanziellen Hilfen des Landes hätten von den größeren Tierheimen nicht in Anspruch genommen werden können, berichtet Andreas Lindig, Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Landesverbandes des Deutschen Tierschutzbundes. Sie seien an die Voraussetzung gebunden gewesen, in einer existenzbedrohenden Situation zu sein. Eine Zeit lang mussten die Tierheime komplett schließen und Ehrenamtler draußen bleiben, um Infektionen des Personals zu vermeiden. Spaziergänge mit Hunden oder Hilfe bei der Reinigung seien aber mittlerweile wieder möglich.

Behindertenwerkstätten: Die Einrichtungen mussten zu Beginn der Lockdown-Maßnahmen zunächst schließen. Hauptamtliche Mitarbeiter hätten aber wichtige Produktionsbereiche und Lieferketten aufrecht erhalten, erklärte Marco Dobrani. Er ist Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen Rheinland-Pfalz. Ab Anfang Mai habe sich die Lage schrittweise geändert und seit Juli dürften alle Beschäftigten wieder mitarbeiten. Wirtschaftlich habe sich die Pandemie sehr unterschiedlich auf die Werkstätten ausgewirkt. Teils sei der Umsatz eingebrochen. „Gerade die Werkstätten, die beispielsweise für die Automobilindustrie stark engagiert sind, haben dies sehr zu spüren bekommen.“ Auch solche, die im Hotel-, Gastronomie und im Cateringbereich tätig seien, sagt Dobrani

Beratungsstellen: Die Beratungsdienste konnten in der Corona-Zeit aufrechterhalten werden. Der Caritasverband Westeifel beispielsweise musste zu keinem Zeitpunkt komplett schließen. Via Telefon, online oder per Mail ging die Beratung weiter, erläutert die stellvertretende Direktorin Andrea Ennen. Außerdem wurde die Zeit zu einer Modernisierung der technischen Ausstattung genutzt, um online neue und kreative Kontakthalte-Möglichkeiten umzusetzen. Von den Beratungsangeboten der Caritas Speyer sind laut Sprecherin Melanie Müller von Klingspor einige Stellen und Stellenanteile aus Mitteln der Kirchensteuer finanziert, vor allem in der Schwangerschafts- und der Migrationsberatung. Doch die Einnahmen aus der Kirchensteuer sinken. „Das bringt uns an der einen oder anderen Stelle in Bedrängnis“, sagt Müller von Klingspor. Derzeit werde geprüft, von welchen Angeboten man sich trennen müsse.

(dpa)